Abhängigkeit (Allgemeines)
Die Frage nach den Ursachen, die zu einer Abhängigkeit führen, ist auch eine Frage
nach der Motivation, überhaupt eine Substanz zu sich zu nehmen, bzw. eine
diesbezügliche Handlung auszuführen, zunächst eingeschränkt auf den
Drogenkonsum: Warum werden Drogen genommen?
Drogen sind neben den illegalen Substanzen auch legale Alltagsdrogen (Nikotin,
Koffein, Alkohol, Chinin, Capsaicin, Kakao) und zudem das breite Spektrum mehr
oder weniger psychoaktiver Medikamente.
Der menschliche Körper selbst produziert eine große Zahl solcher Substanzgruppen,
um unser Wohlbefinden, unsere physischen und psychischen Befindlichkeiten
maßgeblich zu steuern. Eine physische Beeinflussung korreliert daher bei einem
mehr oder weniger regelmäßigen Abusus (Missbrauch) psychotroper Substanzen
letztendlich mit einem tiefen Eingriff in das körpereigene Regelkreis-System (s.a.
Kybernetik) der Hormone und Neurotransmitter, infolgedessen der psychologische
Zustand eines Individuums verändert und gestört wird. Die Zufuhr körperfremder
(exogener) Stoffe (i.e.S. der eigentlichen Droge) und deren Verstoffwechselung
respektive Metabolismus hat dabei oft große Ähnlichkeit mit jenen Stoffen, die der
eigene Körper produziert, um in spezifischen Situationen allerdings nur kurzzeitig
eine notwendige Befindlichkeit sicherzustellen. Im Normalfall ohne Drogenkonsum
kommt es jedoch niemals zu einer Dauerausschüttung von diesbezüglich initiierten
Hormonen und Neurotransmittern, die eine derartige (drogeninitiierte) Gefühlslage
hervorrufen würden. Durch die Dauerausschüttung solcher Botenstoffe im Gehirn
(besonders Substanzen mit eminentem Pons-Passage-Wirkprofil) und den primär
hormonellen und additiv dopaminergen Auswirkungen auf das vegetative
Nervensystem (s.a. Sympathikus/Parasympatikus) kann durch anhaltenden Konsum
ein nachhaltiger Gewöhnungseffekt (Toleranzbildung) eintreten. Der regelmäßige
Missbrauch führt besonders bei potenten Wirkstoffen zum Ceiling-Effekt, den
Drogenabhängige fürchten wie der Teufel das Weihwasser.

Die Rohstoffabhängigkeit
übernimmt zunehmend alle vorgesehenen Bindungsstellen (Rezeptoren) des Körpers
und unterwirft dessen Funktionalität und Befindlichkeit – ohne die Droge – nachhaltig.
Zudem ist es nicht immer nur der chemischen Substanz, sondern vor allem auch
ihren symbolischen Attributen geschuldet, auf welche Droge die Wahl des Einzelnen
fällt. „Manche Drogen besitzen aus den verschiedensten Gründen ein jugendliches,
andere ein Außenseiter-Image, und bei wieder anderen bemüht sich die Industrie
offenbar nicht völlig erfolglos, ihnen ein Image von Freiheit und Abenteuer zu
verleihen.“ (Leitfaden Drogentherapie,S.41/Campus Verl.1997).

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