Am 02.12.1999 fand in der Psychiatrischen Klinik der Universität
München unter dem Vorsitz von PD Dr. M. Soyka
eine Konsensus-Konferenz zur Anwendung von Buprenorphin
in der Substitutionsbehandlung opiatabhängiger Patienten
statt. An ihr nahmen Experten aus Deutschland, Österreich
und der Schweiz teil (Teilnehmerliste am Ende des Beitrags).
Hintergrund war die kurz bevorstehende Einführung von
Buprenorphin in der Substitutionsbehandlung Drogenabhängiger
in Deutschland. Ziel der Konsensus-Konferenz war es,
praktische Hinweise für den Einsatz von Buprenorphin zu
geben, um mögliche Indikationen und Kontraindikationen herauszuarbeiten.
Dabei war es hilfreich, daß die Substanz in
Österreich und der Schweiz schon in einigen Therapiezentren
eingesetzt wurde. Im übrigen liegen breite Erfahrungen, vor
allem aus Frankreich, aber auch den USA vor.
Die von den Experten vorgenommene Einschätzung ist Basis
des erarbeiteten Konsensuspapiers gewesen. Einige wenige Punkte
sollen hervorgehoben werden, da sie im Rahmen der Konferenz
etwas breiter diskutiert wurden. Dies betrifft zum einen
die in der Substitutionsbehandlung mit Buprenorphin gewählte
Eingangsdosis. Während in vielen Publikationen und Therapieempfehlungen
eine Dosis von 2 mg Buprenorphin initial für ausreichend
gehalten wird, deuten insbesondere die Erfahrungen
aus Österreich und der Schweiz darauf hin, daß in Regel 4 mg,
gelegentlich sogar 8 mg Buprenorphin eine geeignete Eingangsdosis

sein könnte. Zu niedrige Dosierungen führen offensichtlich

gehäuft zum Abbruch einer solchen Therapie. Als wenig

problematisch wurde die Applikation von Sublingualtabletten

angesehen, die nach den vorliegenden Erfahrungen von Patienten
gut toleriert werden. Auch wenn in den meisten Fällen das
Vorliegen einer Schwangerschaft sowie Stillen eine Kontraindikation
für eine Substitutionsbehandlung darstellt, so haben doch
Erfahrungen, insbesondere aus Österreich, gezeigt, daß in Einzelfällen
die Gabe von Buprenorphin auch bei Stillenden und
Schwangeren indiziert sein kann. Die diesbezüglich vorliegenden
klinischen Erfahrungen sind offensichtlich gut, allerdings
liegen hier noch keine kontrollierten klinischen Prüfungen vor.
Insofern ist die üblicherweise angegebene Gegenanzeige für die
Behandlung mit Buprenorphin „Stillen von Neugeborenen“ mit
einem gewissen Fragezeichen zu versehen.
Buprenorphin stellt heute, zumindest in Frankreich, das Mittel
der Wahl in der Behandlung Drogenabhängiger dar. In Deutschland
sollen in den nächsten Jahren breiter angelegte Studien zum
Einsatz von Buprenorphin, das im Sicherheitsprofil einige Vorteile
gegenüber reinen Opioidagonisten aufweist, durchgeführt
werden. Dies betrifft auch den Einsatz bei speziellen Subgruppen,
wie zum Beispiel bei Frauen oder Patienten mit komorbiden
psychischen Störungen. Nach der erst wenige Monate zurückliegenden,
erheblichen Revision der „Richtlinien über die Einführung
neuer Untersuchungs- und Behandlungsmethoden und
über die Überprüfung erbrachter vertragsärztlicher Leistungen“
(vormals NUB-Richtlinien) in Deutschland stellt die Einführung
von Buprenorphin eine weitere Neuerung in der Therapie Drogenabhängiger
dar. Sie wird hoffentlich zu einer Diversifizierung
und Verbesserung des therapeutischen Angebots bei Drogenabhängigen
führen. Das erarbeitete Konsensus-Papier soll dabei
die Basis oder genauer gesagt einen Leitfaden für dessen klinischen
Einsatz sein.

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