1. Einleitung
Einheimische Deutsche bringen mit Aussiedlern nicht selten exzessiven Alkohol- und illega-len Drogenkonsum sowie Kriminalität in Verbindung. Damit meinen sie oft die jungen Russ-landdeutschen, die immer wieder im Blickpunkt der Medien stehen. Gerade die Medien sind es, die das Bild der Aussiedler in der Öffentlichkeit bestimmen, zumal die große Mehrheit der Bundesbürger über keine persönlichen Kontakte und Erfahrungen verfügt. Da Medien nur Ausschnitte der Realität zeigen und diese entsprechend den Interessen ihres Publikums aufbe-reiten, bleibt die mediale Darstellung des Drogenkonsums junger Aussiedler rudimentär.
Deshalb sind empirische Untersuchungen erforderlich, die Erkenntnisse über die Drogenprob-lematik bei Aussiedlern liefern. Seit einigen Jahren mehren sich Studien zu dieser Bevölke-rungsgruppe, dennoch fehlt es in Bezug auf den Drogenkonsum weiterhin an Daten. Dieser Missstand ist auch darauf zurückzuführen, dass diese Zuwanderer nach der Einreise die deut-sche Staatsangehörigkeit erhalten und deshalb in den meisten Statistiken nicht gesondert er-fasst werden. Ziel des vorliegenden Beitrags ist, die Einflüsse des Substanzgebrauchs im sozi-alen Umfeld der jungen Russlanddeutschen darzustellen. Solche Einflüsse wurden bei Aus-siedlern bislang lediglich ansatzweise (Strobl et al. 1999) untersucht.
Der vorliegenden Beitrag beschränkt sich auf die jungen Russlanddeutschen, da diese seit den 1990er Jahren das Gros der Aussiedler stellen.1 Ferner sind es diese Heranwachsenden, die immer wieder mit Drogen in Verbindung gebracht werden. Die Befragung war auf die Stadt Frankfurt am Main begrenzt.2 Dies hatte forschungsökonomische Gründe, hing aber auch mit der besonderen Situation in dieser Stadt zusammen: Frankfurt zählt neben Hamburg und Ber-lin zu den „Drogenhauptstädten“ der Bundesrepublik (vgl. Stöver 2001: 15)3 und zeichnet sich durch eine vorbildliche Integration von Zuwanderern aus.

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