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Von PETER DALE SCOTT, 30. März 2009 –

(Teil 1 von 3) Einleitung

Vor Kurzem habe ich zwei Artikel veröffentlicht, die auf suggestive Ähnlichkeiten der sich wiederholenden Tiefenereignissen („deep events“) der jüngsten amerikanischen Geschichte hinweisen – damit meine ich solche Ereignisse, die wegen ihrer geheimdienstlichen Nähe in den amerikanischen Medien ignoriert, verdreht oder verschleiert werden. Der erste dieser Artikel verwies auf die übergreifenden Ähnlichkeiten vieler Tiefenereignisse seit dem Zweiten Weltkrieg. Der zweite Artikel verwies auf die überraschenden Vergleichspunkte jener beiden Tiefenereignisse, auf die innerhalb kurzer Zeit zwei große amerikanische Kriege folgten: die Ermordung John F. Kennedys und der 11. September. Ich deutete an, dass es hinter diesen ganzen Ereignisse immer wieder Hinweise auf ein Milieu gab, das „Geheimdienstfunktionäre mit Leuten aus der Unterwelt des Drogenhandels“ in Verbindung brachte.

In diesem Artikel möchte ich zunächst einmal die komplexe Landschaft bzw. das komplexe Netzwerk dieses Milieus, das ich als weltweites Drogennetzwerk betitele, darlegen und seine Verbindungen zur so genannten „alternativen“ CIA oder „Schatten-CIA“ aufzeigen. Danach möchte ich veranschaulichen, wie dieses Netzwerk von Banken, einflussreichen Finanzhändlern und alternativer CIA zur Infrastruktur der Kennedy-Ermordung – und zu einer Reihe anderer, oberflächlich unverbundener, wichtiger Tiefenereignisse – beigetragen hat.

In dieser Schilderung sind die Namen einzelner Personen, ihrer Institutionen und ihrer Beziehungen relativ unbedeutend. Von Bedeutung ist stattdessen, dass solch ein Milieu existierte; dass es beständig war und geschützt wurde; und dass es, mit zunehmender Unabhängigkeit von Regierungsbeschränkungen, eine Rolle bei den wesentlichen Tiefenereignissen der letzten 50 Jahre gespielt hat.

Dies alles soll natürlich auch die hier näher zu untersuchende bedeutsame Hypothese stützen, dass dieses beständige Milieu auch zum Desaster des 11. September beigetragen haben mag.

Paul Helliwell, OPC und die CIA

In Gebieten, wo kommunistische Kräfte großen Rückhalt zu genießen scheinen, haben die Vereinigten Staaten immer wieder auf gewalttätige Unterstützung von Gangstern aus dem Drogenmilieu zurückgegriffen, zumindest seit 1945. Zuerst sind diese Arrangements, wie in Italien unmittelbar nach dem Krieg, nur kurzzeitig und ad hoc gewesen. Als Beispiel dient Vito Genovese, ein Mafiaboss aus New York, der als Übersetzer im Büro der Alliierten Militärregierung von Colonel Charles Poletti, einem früheren New Yorker Tammany Politiker eingesetzt war. Am 1. Mai 1947 soll William Donovan, mittlerweile Firmenanwalt und nicht mehr Leiter des „Office of Strategic Services – OSS“ (Amt für strategische Dienste), ein Massaker an politisch Linken in Sizilien finanziert haben, das von dem erst kurz zuvor deportierten Detroiter Mafiaboss, Frank Coppola, organisiert wurde.

Solche Arrangements wurden ab 1948, nachdem der neu geschaffene Nationale Sicherheitsrat das „Office of Policy Coordination“ (OPC) ins Leben gerufen hatte, noch weiter zentralisiert, um „Umstürze feindlicher Staaten“ durchzuführen – d.h. um Gesetzesbrechung als staatliche Politik einzuführen. Dank der OPC gaben die USA von nun an organisierten Drogenhändlern auf der ganzen Welt verdeckt beträchtliche Rückendeckung, im Fernen Osten, Europa, und schließlich auch im Nahen Osten und Lateinamerika.

Diese weltweiten Aktivitäten wurden immer mehr miteinander verknüpft. Seit spätestens 1950 gibt es ein weltweites CIA-Drogennetzwerk, das seitdem mehr oder weniger durchgängig betrieben wird. Besonders im Laufe der Zeit hat dieses Netzwerk zu bisher ungeklärten Tiefenereignissen beigetragen und die Konsolidierung einer Weltherrschaftsmentaliät vorangetrieben, sowohl im In- als auch im Ausland. Im Speziellen war dieses weltweite Drogennetzwerk für solch ungeklärte Tiefenereignisse wie die Ermordung John F. Kennedys, der Tonking-Zwischenfall 1964 und die Iran-Contra-Affäre ausschlaggebend.

Das weltweite Drogennetzwerk ist nicht bloß eine Nebenverbindung zwischen CIA-Agenten und ihren Drogenkontakten. Es ist stattdessen ein weltweiter Finanzkomplex aus heißem Geld, der wichtige Geschäfts-, Finanz-, Regierungs- und Gangsterpersönlichkeiten miteinander verbindet. Seinen eigenen politischen Einfluss erhält es aufrecht durch die systematische Bereitstellung von illegalen Geschäften, Gefälligkeiten und sogar Sex für Politiker auf der ganzen Welt, darunter auch Führungspersonen aus beiden Parteien in den USA. Das Ergebnis ist ein System, das man auch als Imperium der indirekten Herrschaft bezeichnen kann; ein System, das auf seiner Suche nach fremden Märkten und Ressourcen bereitwillig existierende Regierungen untergräbt, ohne dafür progressive Alternativen bieten zu können.

Ein bedeutender Organisator des globalen Drogennetzwerks der Nachkriegszeit — also neben CIA, organisiertem Verbrechen und ihren gemeinsamen Interessen am Drogenhandel — war der ehemalige OSS-Funktionär Paul L.E. Helliwell. Er war Chef der Sonder-Geheimdienstabteilung der OSS in Kunming und später Agent bei OPC und CIA. Außerdem war er gleichzeitig Eigentümer der Bank of Perrine in Key West, Florida, „ein doppelter Waschsalon für den Lansky-Mob und die CIA“, und deren Schwesterbank, der Bank of Cutler Ridge. Hier sieht man eine Reihe von miteinander verbundenen Mafia-CIA Geldwäschebanken im weltweiten Drogennetzwerk, von denen die größte zweifelsohne die Bank of Credit und Commerce International (BCCI) war.

Die wenigsten Menschen werden schon von Paul Helliwell gehört haben. Selbst einschlägige Bücher über die Verbrechen der CIA, wie z.B. Tim Weiners CIA: Die ganze Geschichte, erwähnen weder ihn, noch seine bedeutsame, mit der CIA in Verbindung stehende Bank, die Castle Bank auf den Bahamas, und nicht einmal die weitaus bedeutendere Nachfolgebank von Castle, die BCCI. In der Flut der CIA-Dokumente, die seit 1992 freigegeben wurden, findet man den Namen Helliwell weder in der Archivkartei des National Archive, noch in der des National Security Archive oder der Federation of American Scientists. In den millionenfachen freigegebenen Seiten, die auf der Homepage der Mary Ferrel Foundation gespeichert und katalogisiert sind, erscheint Helliwells Name genau einmal – und das auf einer Liste von Dokumenten, die 1974 während der CIA-Suche nach Aufzeichnungen zu Watergate (ausgerechnet!) von der Prüfung zurückgehalten worden waren. Dieses Schweigen, selbst in internen CIA-Akten, über den wichtigsten Architekten des CIA-Drogennetzwerks seit dem Zweiten Weltkrieg spricht Bände.

Das meiste, das wir über Helliwell wissen, stammt von der Medienreaktion auf den erfolgreichen Versuch der CIA, eine Untersuchung der amerikanischen Bundessteuerbehörde IRS (Internal Revenue Service) zu blockieren. Mit dieser Untersuchung, bekannt als „Operation Tradewinds“, erforschte die IRS in den 1970er Jahren die Geldwäscheverwicklung von Helliwells Banken. Dieser Kampf zwischen Helliwell und der CIA begann 1972, als der IRS-Ermittler Richard Jaffe bei der Erforschung von Konten des kurz zuvor festgenommenen Marijuana- und LSD-Dealers Allan George Palmer feststellte, dass dieser „einen Teil seines Geldes persönlich bei der Perrine-Cutler Ridge Bank im Süden eingezahlt hatte“.

Jaffe erfuhr außerdem, dass das Geld in ein Konto bei einem bahamischen Unternehmen namens Castle Bank eingezahlt worden war. Laut Aussage von Jim Drinkhall im Wall Street Journal wurde diese Bank von Helliwell, der „an der Leitung eines Netzwerkes von geheimen CIA-Operationen und ‚Eigentümern‘ maßgeblich beteiligt war“, „ins Leben gerufen und vornehmlich geleitet“. Drinkhall schrieb, dass die CIA Jaffes Untersuchung über die Castle Bank abgebrochen habe, weil Castle

als Kanal für Millionen-Dollar-Beträge fungierte, die von der CIA für verdeckte Operationen gegen Kuba und für andere Geheimdienstoperationen in Ländern Lateinamerikas und im Fernen Osten vorgesehen waren.

Drinkhall beschrieb außerdem, wofür Helliwell wahrscheinlich am bekanntesten ist (und worüber ich in The War Conspiracy geschrieben habe):

1951 war Mr. Helliwell an der Gründung und Leitung des von der CIA kontrollierten Scheinunternehmens Sea Supply Corp. beteiligt. Über einen Zeitraum von knapp zehn Jahren wurde Sea Supply genutzt, um riesige Mengen an Waffen und Ausrüstung an 10000 Truppen der chinesischen Nationalisten [KMT] in Burma und an die thailändische Polizei zu liefern.

Aber Drinkhall wies nicht auf die Tatsache hin, die heute nicht mehr angezweifelt wird: nämlich dass sowohl die KMT-Truppen in Burma als auch die thailändische Polizei die beiden hauptsächlichen Zweige des CIA-KMT-Burma-Thai Drogennetzwerks waren. Zusammen waren sie an der Verbreitung und am Handel von Opium auf dem Weltmarkt, die USA mit eingeschlossen, beteiligt.

Helliwells Gefälligkeiten für die CIA waren nicht nur auf den Fernen Osten beschränkt. Zusammen mit zwei Partnern aus dem KMT-Burma Drogennetzwerk, Frank Wisner von der CIA und General Claire Chennault von der CIA-Fluglinie CAT, betrieb Helliwell „schon 1953-54 CIA-Operationen in Mittelamerika. Zu der Zeit standen Guatemala und die guatemaltekische Regierung im Zentrum der Aufmerksamkeit.“

Wie auch Chennault und seine alten Partner aus seiner Zeit in China, Whiting Willauer und William Pawley, unterstützte Helliwell dann 1954 die CIA bei Operationen gegen Guatemala und, nach 1960, gegen Castro. Laut Drinkhall

sagte ein ehemaliger Bundesbeamter, der bei der Untersuchung gegen Castle mitgearbeitet hatte, dass „Castle als einer von mehreren CIA-Geldkanälen für Operationen gegen Kuba fungierte“. Mr. Helliwell soll angeblich einer der Zahlmeister für die unglückselige Schweinebucht-Invasion 1961 gewesen sein, sowie für weitere „aufwändige“ CIA-Operationen in ganz Lateinamerika.

Was den ehemaligen Häftling Wallace Groves und seine Beziehung zur CIA betrifft, wurde eine Anzahl von CIA-Dokumenten freigegeben, die diese Verbindung bestätigen. Aus einem dieser Dokumente geht hervor, dass

der Wallace GROVES, der gemäß Anhang Beziehungen zu Meyer LANSKY und der Firma Mary Carter Point Co./Resorts International, Inc. hatte, identisch ist mit dem Wallace GROVES aus der OS Akte #473 865. Diese Akte spiegelt wider, dass GROVES in der Zeit von April 1966 bis April 1972 für das [CIA] „Office of General Counsel“ von Interesse war. Hierbei ging es um die Verwendung von GROVES als Berater oder eventuellem Funktionär in einer der Einheiten des Projekts . . . (Text geschwärzt). Weitere Informationen in dieser Akte deuten darauf hin, dass GROVES mit Meyer Lansky in Verbindung stand.

Ich vermute, dass diese „Einheiten des Projekts . . . (Text geschwärzt)“ die Verwendung von undokumentierten Geldern vorsahen, die nicht im bewilligten CIA-Etat inbegriffen waren.

Helliwells Verbindung zu undokumentierten Operationen

Seit der Veröffentlichung von Drinkhalls Artikel wird Helliwell in fast jeder Referenz als Zahlmeister der Schweinebucht-Invasion dargestellt, eine Behauptung, der ich skeptisch gegenüber stehe. Aber man kann einen Eindruck des Ausmaßes von Helliwells finanziellen Verwicklungen mit der CIA gewinnen, wenn man sich die Verteilung von 5 Millionen Dollar aus einem anderen, mit Helliwell in Verbindung stehenden, Unternehmen namens Intercontinental Diversified (I.D.C.) anschaut. Dazu noch einmal Drinkhall:

„Obwohl es keinerlei Hinweise auf die CIA in dem SEC-Verfahren gegen Intercontinental gibt, machte ein ehemaliger CIA-Beamter kürzlich in einem Interview eine erstaunliche Aussage. Er gab an, dass zwischen 1970 und 1976 fast 5 Millionen Dollar aus Intercontinental-Geldern für CIA-Zwecke abgeschöpft wurden, ‚weil wir dort Freunde hatten‘. Tatsächlich scheint die CIA bessere Vereinbarungen gehabt zu haben als nur Freundschaft. CIA-Dokumente beweisen, dass Wallace Groves, der Gründer von Intercontinental und Eigentümer von 46 Prozent der Geschäftsanteile (bis er 1978 seine Beteiligung für 33,1 Millionen Dollar verkaufte) in der Zeit von 1965 bis 1972 verdeckt für die CIA arbeitete“.

Sicherlich überweisen Banker nicht Millionen-Dollar-Beträge aus reiner Freundschaft. Eine weitaus wahrscheinlichere Vermutung ist, dass Helliwell der Zahlmeister war – jedoch nicht für offiziell autorisierte Operationen wie die Schweinebucht-Invasion, sondern für die Ausgabe von Geldern aus undokumentierten Operationen, wie der KMT-Drogenausfuhr aus Burma, die von seinen eigenen Einrichtungen, den CIA-Eigentümern Sea Supply und Cat Inc. (später Air America) unterstützt worden sind.

Laut einer kategorischen Aussage von Jonathan Marshall „hat Helliwell CIA-Gelder über die Castle Bank auf den Bahamas gewaschen“. Doch diese Behauptung erfordert ein Klarstellung. I.D.C. war ein Ableger eines asiatischen Unternehmens, Benguet Mining, das von Helliwells Firma vertreten wurde und zu Teilen im Besitz des philippinischen Diktators Ferdinand Marcos war. Es landeten also Zahlungen aus Asien bei der I.D.C. und ich vermute, dass zur Finanzierung von undokumentierten Operationen vielmehr diese undokumentierten Gelder, als die Gelder aus dem vom Kongress autorisierten CIA-Etat von Helliwell genutzt wurden.

Eine dieser undokumentierten Operationen könnten Bestechungszahlungen an Politiker gewesen sein, die zuerst in den Bahamas zum Zuge kamen.

In den frühen 1970er Jahren berichteten IRS-Agenten von Beweisen aus Gesprächsabhörungen, laut derer Intercontinental dem Premierminister der Bahamas, Lyndon O. Pindling, 100 000 Dollar über die Castle Bank zukommen ließ, um der Holding eine zweijährige Verlängerung ihrer [Grand Bahama] Casino-Glücksspiellizenz zu gewähren.

Aber sowohl die CIA als auch das Casino neigten zur Korruption, und Castle war nur ein kleiner Spieler in einem Netzwerk aus Banken und Agenten, das Regierungen auf der ganzen Welt korrumpierte. Auf diese Weise wickelte Castle

auch mysteriöse Geschäfte mit einer Firma auf den Cayman Inseln, ID Corp., ab. Der Alleineigentümer von ID, der Amerikaner Shig Katayama, wurde bekannt durch seine Schlüsselrolle als Vermittler der riesigen Bestechungszahlungen von Lockheed Corp. an japanische Politiker (als Dank für Flugzeugverträge). Ein japanischer Journalist griff Katayama an und schrieb, dass es „sein wahrer Job (in den frühen 1950er Jahren) war, den Rauschgifthandel für den US-Geheimdienst abzuwickeln“.

Seit den 1960er Jahren, wenn nicht schon früher, nutzte die CIA ihr weltweites Netzwerk, um Nicht-Regierungsgelder, beispielsweise in Form von (an internationale Lockheed-Verkaufsverträge angekoppelte) Bestechungszahlungen, zu verteilen, z.B. durch einflussreiche Agenten, wie Adnan Khashoggi und Yoshio Kodama. Im Mai 1965, fünf Monate vor dem Anti-Sukarno-Coup im September 1965, wurden Lockheed-Bestechungsgelder in Indonesien von einem Anhänger Präsident Sukarnos zu einem neuen Mittelsmann umgeleitet, der den Sukarno-Gegner General Suharto unterstützte.

Dies passierte zu einer Zeit, als „der Kongress darüber überein gekommen war, dass amerikanische Finanzleistungen an das indonesische Militär (im Gegensatz zu Hilfszahlungen an andere Länder) als geheime Angelegenheit behandelt werden müssten. Die Kongressprüfungen von Entscheidungen des Präsidenten in Bezug auf die indonesische Hilfe wurden somit auf zwei Senatsausschüsse und den Sprecher des Repräsentantenhauses, die zum diesem Zeitpunkt mit der Aufsicht der CIA befasst waren, begrenzt“. Auf diese Weise wurden Lockheed-Zahlungen (bewerkstelligt durch Mittelsmänner) genutzt, um den ausgesprochenen Willen des US-Senats zu durchkreuzen. Dieser hatte eine Resolution verabschiedet, laut derer jegliche militärische Hilfe an Indonesien ausgesetzt werden sollte.

Helliwells Verbindungen zur Mafia

Aber Helliwells Verbindungen zur Mafia, und im Besonderen zu Meyer Lansky, stehen seinen CIA-Verbindungen in nichts nach. Lansky nutzte vorzugsweise die Bank of Perrine zur Verwahrung seiner Gelder, die auf diesem Wege von der Bank of World Commerce auf den Bahamas – 1961 von Lanskys rechter Hand John Pullman gegründet – die USA erreichten. Alvin Malnik, Lanskys Erbe in Miami Beach, war einer der Direktoren dieser Bank; Ed Levinson, ein Geschäftspartner von Lyndon Johnsons Senatsberater Bobby Baker, war einer der Anteilseigner. Baker wiederum war Schriftführer der Demokraten im US-Senat, bevor er wegen Steuerhinterziehung festgenommen und verurteilt wurde. Helliwell hatte eine zweite Verbindung zu Lansky durch seine Tätigkeit als Rechtsberater für die kleine Miami National Bank, die von Lansky genutzt wurde, um seine ausländischen Gewinne und undeklarierten Einnahmen der Las Vegas Casinos zu waschen.

Obwohl die Bank of World Commerce gewöhnlich als Mafiabank unter Lanskys Kontrolle beschrieben wurde, bot sie dennoch Zugänge zur internationalen Bankenlandschaft, an der die CIA ein Interesse hatte. Sie erhielt Geld von der International Credit Bank in der Schweiz, die von dem israelischen Waffenschmuggler Tibor Rosenbaum gegründet worden war, und agierte

als Banker bei Geschäfts-Jointventures zwischen europäischen Juden und dem israelischen Staat. Aber sie finanzierte auch die Beschaffung und den Transport von Waffen nach Israel und zu seinen Verbündeten, speziell in Afrika und Mittelamerika, und soll in Europa als Zahlmeister für Mossad, den israelischen Geheimdienst, aufgetreten sein.

Nach Aussagen von Alan Block hatte Pullmans Bank eine weitere Tochterbank auf den Bahamas, „die auf undurchsichtige Art und Weise mit der Intra Bank in Beirut, Libanon, vereint war“. Intra besaß das Casino de Liban, „dessen Glücksspiellizenz von Marcel Paul Francisi, Frankreichs vorderstem Heroindealer, kontrolliert wurde. Es gab Ermittler, die davon überzeugt waren, dass Lansky und Francisi im Heroinhandel zusammen arbeiteten, und dass Lansky und seine Partner auch einen Teil des Casinos besaßen“. Francisi tat sich mit dem libanesischen Morphium-Exporteur, Sami El Khoury, zusammen, der wiederum „langjährige Geschäftsbeziehungen“ zu Lucky Luciano, Lanskys Verbündetem in New York aus Vorkriegszeiten und späterem europäischen Hauptdrogenhändler, in Sizilien hatte.

Sami El Khoury genoss den Schutz der libanesischen Polizei, und möglicherweise auch den der CIA. Alfred McCoy hatte Einsicht in offizielle Schriftwechsel des Federal Bureau of Narcotics (FBN), in denen im August 1963 darüber diskutiert wurde, „ob man Sami El Khoury nun, da er aus dem Gefängnis entlassen worden ist, als Informanten nutzen sollte“. Einer der FBN-Briefpartner, Dennis Dayle, berichtete James Mills später, dass El Khoury, „einer der größten Drogenhändler aller Zeiten“, tatsächlich zum Informanten wurde. In den 1990er Jahren berichtete Dennis Dayle, mittlerweile pensionierter Hauptermittler der Drug Enforcement Administration im Nahen Osten, auf einer Anti-Drogen-Konferenz, dass „in den 30 Jahren meiner Tätigkeit bei der Drug Enforcement Administration und verwandten Behörden die Personen im Zielfeld meiner Ermittlungen beinahe ausnahmslos für die CIA arbeiteten“.

Auch die Castle Bank war ein „Mehrzweck-Waschsalon“, der sowohl der CIA als auch der Mafia von Diensten war. Das Interesse der Mafia an Castle wurde in Jim Drinkhalls Artikel aus dem Wall Street Journal nur sehr abgeschwächt dargestellt. Es wurde nur erwähnt, dass aus einer langen Liste von Kontenbesitzern bei Castle „drei Männer dabei waren – Morris Dalitz, Morris Kleinman und Samuel A. Tucker –, die in Dokumenten des Justizministeriums als Personen aus der organisierten Kriminalitätsszene beschrieben wurden“. (Kleinman und Helliwell betrieben gemeinsam zahlreiche Immobilieninvestments zusammen mit Burton Kanter, dem Anwalt aus Chicago, der mit Helliwell Castle Bank organisierte.)

Alan Block deutet an, dass Castle sich zu einer aktiven Bank wandelte, als es notwendig wurde, auf schnelle Weise Gelder von der Mercantile Bank and Trust auf den Bahamas (einer weiteren Helliwell-Bank, die „wie Castle als Kanal für CIA-Geld diente“) umzubuchen, weil diese im Untergang begriffen war. Die Gelder wurden „auf das energische Drängen“ von Kanter transferiert,

weil sich unter den Konten, die in Gefahr waren, eines befand, dass Morris Kleinman gehörte, einer berüchtigten Figur des organisierten Verbrechens aus den Tagen der Prohibition. Auf diese Angelegenheit bezogen behauptete Castles Präsident Sam Pierson, dass der Transfer notwendig geworden war, weil ansonsten „Kanter im Chicago River treibend enden würde“.

Kanter scheint auf Steuerangelegenheiten für die Legalisierung von Mafiavermögen spezialisiert gewesen zu sein. Zusätzlich zur Gründung der Castle Bank mit Helliwell, war er „energisch“ mit der La Costa Grundstückserschließung beschäftigt, an der auch der ehemalige Konsorte aus Cleveland, Moe Dalitz, beteiligt war. „Dalitz war Teilhaber an mehreren Casinos, darunter auch das Desert Inn und das Stardust Hotel“. Block sieht Kanter als das Verbindungsglied, durch welches La Costa hohe Finanzierung aus dem korrupten Pensionfonds Central States der Teamsters-Gewerkschaft erhielt: „Kanters Zugang zum Rentenfonds stammte wahrscheinlich von Allen Dorfman, einem Freund und Geschäftspartner. Dorfman war ein wichtiger Fonds-Funktionär und Ganove. Er wurde 1985 ermordet, um ihn daran zu hindern, über Mafiainvestitionen zu plaudern“.

Die CIA, die Mafia und ihre undokumentierten Operationen

Helliwell war weder das einzige CIA-Verbindungsglied zur Mafia, noch das höchste. 1960 wurden Pläne zur Ermordung Castros durch das CIA-Office of Security und den Verbindungsmann, Robert Maheu, initiiert, dessen unabhängiges Unternehmen mit der Hilfe eines Vorschusses vom Office of Security auf den Weg gebracht worden war. Es war Maheu, der John Roselli die Ermordungspläne von der CIA überbrachte.

Eine länger andauernde Verbindung zur Mafia wurde von James Angleton, dem Stabschef der CIA-Spionageabwehr Counterintelligence (CI), aufrecht erhalten. Auch er nutzte einen Mittelsmann – den New Yorker Anwalt Mario Brod – der, gemäß einem CIA-Memo, von 1952 bis 1971 ein Spionageabwehr-Agent in New York City war. Einer der heiklen CI-Agenten, die in New York unter Brod arbeiteten, war Jay Lovestone. Lovestone war Leiter der Abteilung International Affairs beim Dachverband amerikanischer Gewerkschaften (AFL-CIO). Er ließ Schläger-Gangs in Marseille, die mit korsischen Drogenhändlern verbündet waren, Gelder zukommen. Diese korsischen Drogenhändler wiederum gehörten zum globalen Drogennetzwerk von Lansky und Luciano.

Nach Aussage von Doug Valentine war Lovestones Assistent, Irving Brown, in den europäischen Drogenschmuggel verwickelt. Zur selben Zeit nutzte er CIA-Gelder um

zusammen mit Piere Ferri-Pisani eine „kompatible linke“ Gewerkschaft in Marseille zu gründen. Im Namen von Brown und der CIA heuerte Ferri-Pisani (ein Drogenschmuggler mit Beziehungen zu Antoine Guerini, einem Großkriminellen aus Marseille) Schläger an, die streikende kommunistische Hafenarbeiter endgültig bezwingen sollten.

Lovestone – früherer Kommunist, dann militanter Anti-Kommunist – hatte sich zudem in den 1930er Jahren mit seinem Mentor David Dubinsky von der Gewerkschaft „International Ladies‘ Garment Workers“ gegen die Gründung einer noch militanteren Gewerkschaftsbewegung der CIO (Congress of Industrial Organizations) und im Besonderen gegen die Gründung der „United Auto Workers“ – der Gewerkschaft von Walter und Victor Reuther – gestemmt. Die Rivalgewerkschaft UAW-AFL, die Lovestone favorisierte, suchte sich die Muskelkraft der Mafia und stellte John Dioguardi, ein Mitglied der Lucchese Mafiafamilie, als Regionaldirektor für New York ein. Dioguardi wurde später von Bundesanwalt Paul Williams beschuldigt, den Journalisten Victor Riesel geblendet zu haben. Des Weiteren beschuldigte er ihn des anschließenden Mordes an dem Mann, der Riesels Gesicht mit Säure überschüttet hat.

CI-Stabsagent Brod, Angletons Verbindungsmann zur Mafia, „betreute“ einen weiteren heiklen Agenten, den russischen Überläufer Anatoliy Golitsyn. Golitsyn wurde von Angleton im Rahmen seiner endlosen Suche nach einem hochrangigen Maulwurf innerhalb der CIA vom regulären CIA-Beamtenapparat abgesondert. Mit Hilfe von dubiosen Informationen von Lovestone und Golitsyn war Angleton laut seinem Biographen Tom Mangold dabei, „in aller Stille eine alternative CIA“ mit eigenem Kommunikationssystem, Archiv und Tresor aufzubauen. Das Herzstück dieser alternativen CIA bildete das „Allerheiligste“ der Spionageabwehr (CI): „die supergeheime Special Investigation Group“ (CI/SIG), wo Akten gesammelt wurden, die beweisen sollten, dass Henry Kissinger und Averell Harriman möglicherweise KGB-Maulwürfe waren.

Ein dritter heikler Agent von Brod war Herbert Itkin, ein kontroverser Doppelagent, der sowohl für die Mafia als auch für CIA und FBI arbeitete. Wie Itkin hatte auch Brod selbst „Kontakte zur Mafia“. 1970 gerat die CIA in Aufruhr als das Justizministerium und das FBI Itkin als Zeugen gegen eine Reihe von Mafiosi mit ehemaligen Beziehungen nach Havanna einsetzten, darunter James Plueri, Ed Lanzieri und Sam Mannarino, die mit der Teamsters-Gewerkschaft Vereinbarungen für illegale Schmiergeldzahlungen getroffen hatten. Der Bundesanwalt rief den Rechtsberater der CIA an, um ihm mitzuteilen, dass Mario Brod auf der Seite der Verteidigung in den Prozess mit eingetreten war. Gemäß den Gerichtsaufzeichnungen „bemühte sich die Verteidigung darum, Brod, der als Itkins Kontakt zur CIA beschrieben wird, als Zeugen aufzurufen. Brod würde aussagen, dass er Itkins Aussage selbst unter Eid nicht glauben würde und dass Itkins Aufrichtigkeit kein Glauben zu schenken sei“. Der CIA-Rechtsbeistand stimmte mit dem Bundesanwalt darin überein, dass man Brod an seiner Aussage hindern müsse. Sein Büro protokollierte Brods Erklärung für sein Verhalten folgendermaßem: „Einer der Angeklagten namens Lenzieri [(sic), d.h. Edward the Buff Lanzieri] war Brods einziger Kontakt innerhalb der Mafia, der ihn warnen würde, wenn er in Gefahr wäre“.

Aber Brod mag nicht nur aus Eigeninteresse gehandelt haben. Denn es gibt Vermutungen, dass einige der Mafia-Angeklagten aus dem Schmiergeldprozess noch tiefere Verbindungen zur CIA hatten, wenn auch nicht dokumentiert. Laut der Aussage von Dan Moldea waren zwei der Angeklagten, John La Rocca und Gabriel Mannarino, mit Hoffa in kubanische Waffenschieberei verwickelt; und er deutet an, dass Hoffa La Rocca und Mannarino zusammen mit zwei anderen Schmiergeld-Angeklagten (Salvatore Granello und James „Jimmy Doyle“ Plumeri) dazu gebracht habe, „mit der CIA zu kooperieren“. Darüber hinaus waren alle Angeklagten des Schmiergeldprozesses, in dem Itkin aussagte und in dem Brod auf Seiten der Verteidigung zu intervenieren versuchte, Mitglieder der so genannten „paper locals“ bei der Gewerkschaft Teamsters (und zuvor bei der UAW-AFL), die von Plumeris Neffen John Dioguardi kontrolliert wurde.

Im Juni 1975, sechs Monate nach dem Durchsickern von Angletons Operation CHAOS, was wiederum zu Angletons Amtsenthebung führte, behauptete das Time Magazin, dass die CIA Brods Mafiakontakte, also Plumeri und Granello, benutzt hatte, „um ein wenig in Kuba zu spionieren, zur Vorbereitung für die Schweinebucht-Invasion“. (Ich habe für diese Behauptung von Time keine Beweise in freigegeben CIA-Dokumenten finden können.)

Wie schon Brod hatte angeblich auch Angleton selbst Kontakte zur Mafia, und intervenierte zumindest bei einer Gelegenheit, um einen anderen Teil der CIA davon abzuhalten, Lanskys Bankgeschäfte aus illegalen Las Vegas-Einnahmen zu näher zu durchleuchten. Ein hochrangiger Beamter in Robert Kennedys Justizministerium bat John Whitten, den ehemaligen Leiter des Mexiko/Panama-Bereichs in der Abteilung Western Hemisphere, Nummernkonten in Panama zu ermitteln. Glücksspieler aus Las Vegas nutzten diese Konten, um Bargeld zu schmuggeln, „das sie von ihren täglichen Einnahmen abschöpften. Unter Nutzung seines Pseudonyms „John Selso“ sagte Whitten dann gegen Angleton vor dem Church Committee aus.

Zu der Zeit waren wir in einer ausgesprochen guten Lage, dies durchzuführen. . . . Ich hielt es für eine großartige Idee. Angleton erfuhr umgehend davon, und wir mussten ihn darüber informieren, und er sagte, Wir werden uns da nicht einmischen. Das ist Sache des FBI. Und zack, Ende des Gesprächs. Wir wurden abgezogen. Ich erzählte Colonel J.C. King, der zu der Zeit Leiter der Western Hemisphere-Abteilung war, von dem Gespräch. Und J.C. King sagte, Naja, du weißt ja, dass Angleton diese Verbindungen zur Mafia hat, und er wird nichts machen, was diese Verbindungen gefährdet. Und ich sagte, Das wusste ich nicht. Darauf er, Ja, das hatte etwas mit Kuba zu tun.

Angletons Verteidigung von Lanskys abgeschöpften Einnahmen sollte nicht abgetrennt von seiner zweiten Funktion in der CIA, als Leiter der Israel-Abteilung, betrachtet werden. Angletons Verbindungen zum Mossad reichten zurück bis zum Zweiten Weltkrieg, als er mit Unterstützung der jüdischen Untergrundbewegung, angeführt durch Teddy Kollek (dem späteren Bürgermeister von Jerusalem), OSS-Operationen in Italien koordinierte.

Angletons „Alternative CIA“ und ihr Vermächtnis

1963 hat CI/SIG, das „Allerheiligste“ von Angletons „alternativer CIA“, überdies die amerikanische Geschichte bedeutend beeinflusst. Ihre so genannte Akte 201 oder „Persönlichkeitsakte“ über „Lee Henry Oswald“ (der Mann, der der Welt als Lee Harvey Oswald bekannt ist) wurde seit ihrer Eröffnung im Dezember 1960 konstant mit falschen und gefälschten Informationen gefüttert. Und zwei Einträge in der Akte 201 wurden noch einmal im Oktober 1963 so verfälscht, dass sie es ermöglichten, Oswald als glaubwürdigen „designierten Verdächtigen“ für die Ermordung John F. Kennedys einen Monat später festzulegen.

Die Verfälschung von Oswalds Akte 201 mag aus einer legitimen Gegenspionage-Operation hervorgegangen sein. Ich habe dargelegt, dass einzigartig gefälschte Einträge zum Konzept eines so genannten „gezinkte Karte“-Tests oder „Kontrastmittel“-Tests gehörten, der herauszufinden sollte, ob und wo heikle Informationen durchgesickert sind. Dies war eine bekannte Methode und fiel in den Aufgabenbereich der CI/SIG, die für die Akte 201 verantwortlich war.

Aber ab Oktober 1963 gibt es Anzeichen, dass CIA-Telegramme über Oswald manipuliert worden sind, um ihn als vorgesehenen Verdächtigen für die Ermordung von Präsident Kennedy am 22. November nutzbar zu machen. Ein Fernschreiben der CIA an das FBI im Oktober 1963 (erstellt von einem CI/SIG-Beamten) hielt die offensichtlich bedeutende Information zurück, dass Oswald angeblich in Mexiko-Stadt mit einem sowjetischen Vizekonsul, Valeriy Kostikov, zusammengetroffen war. CIA-Beamte nahmen an, dass Kostikov ein Funktionär des KGB war. Die Vorenthaltung dieser Information half sicherzustellen, dass Oswald nicht über dieses angenommene Treffen hinaus unter die Beobachtung des FBI geraten würde. Solch eine Beschattung hätte vermutlich verhindert, dass er durch seine Positionierung an einer besonders heiklen Straßenecke von Kennedys Paradestrecke in Dallas zum vorgesehenen Verdächtigen hätte werden können. Ich habe dargelegt, dass eine ähnliche Vorenthaltungen von Informationen durch die CIA über zwei vermeintliche Kidnapper des 11. September, Nawaz al-Hamzi und Khalid al-Midhar, es gleichermaßen ermöglichte, diese beiden zu Verdächtigen zu machen, indem man auch hier das FBI daran hinderte, Beschattungen durchzuführen.

CIA-Direktor William Colby zwang Angleton in den Nachwehen der Watergate-Affäre Dezember 1974 zum Rücktritt, nachdem bekannt geworden war, dass Angleton in die wahrscheinlich illegale CIA-Operation CHAOS (die Beschattung von Amerikanern in den USA) verwickelt gewesen ist. Dies bedeutete das Aus für Angletons „alternative CIA“ innerhalb der Spionageabwehr. Noch ungefähr ein Jahr danach – ähnlich wie bei der Verbindungen der CIA zu Brods Mafiosi – sickerten immer wieder Informationen durch, die den Morast von CIA-Verbindungen zu exilkubanischen Terroristen und anderen Mitgliedern des globalen Drogennetzwerkes offen legten (und damit halfen, es aufzulösen).

Aber 1976 änderte sich das Klima dramatisch, nachdem Donald Rumsfeld und Dick Cheney im so genannten „Halloween Massaker“ (gesteuert aus dem Weißen Haus unter Präsident Ford) CIA-Direktor Colby durch George H.W. Bush ersetzten und Rumsfeld zum Verteidigungsminister machten. Wenn das Jahr 1975 von den Watergate-Nachwehen mit ihren dramatischen Enthüllungen über CIA-Verbindungen zu Exilkubanern und Mafiosi und deren Attentatsversuchen bestimmt war, so war 1976 das Jahr, in dem mafianahe Exilkubaner und der chilenische Geheimdienst DINA, die beide in den Drogenhandel verwickelt waren, in einer Reihe von terroristischen Tötungen schwelgten. Dazu gehörte das in die Luft sprengen eines zivilen Flugzeugs von Air Cubana und die Ermordung des früheren chilenischen Außenministers Orlando Letelier in Washington.

Die CIA war jedoch nicht mehr der einzige Kontakt oder auch nur der Hauptkontakt zur internationalen Operation CONDOR, die von der DINA gesponsert wurde und vielfache Tötungen durchführte. Robert White, amerikanischer Botschafter in Paraguay und Aufsteiger im Außenministerium, dessen Kritik an den Morden ihm nach der Wahl Reagans seinen Job kostete, erfuhr von dem Kommandanten der paraguayischen Streitkräfte, dass „Geheimdienstleiter aus Brasilien, Argentinien, Chile, Bolivien, Paraguay und Uruguay ein ‚verschlüsseltes System innerhalb des amerikanischen [militärischen] Telekommunikationsnetz[werks]‘ nutzten, das ganz Lateinamerika überzog, um ‚Geheimdienstinformationen zu koordinieren'“.

Henry Kissinger, der 1976 im letzten Jahr seiner Amtszeit als Außenminister war, spielte im Angesicht dieser Welle rechter Gewalt bestenfalls eine mehrdeutige Rolle. Bevor er Chile öffentlich wegen seiner Menschenrechtsverletzungen rügte („Die Menschenrechtslage . . . hat unsere Beziehung zu Chile geschädigt und wird dies auch weiterhin tun“), versicherte Kissinger Pinochet in einer privaten Unterhaltung, dass er durch die amerikanische Politik zu dieser Aussage verpflichtet sei, und dass er vielmehr beunruhigt war, dass der US-Kongress die Hilfe an Chile streichen wolle.

Der amerikanische Schutz bzw. die amerikanische Unterstützung für die Terroristen von 1976 dauert bis heute an. Luis Posada Carriles, der Hauptarchitekt des Bombenanschlags auf Air Cubana „saß seine Zeit für den Cubana-Anschlag im Gefängnis in Venezuela ab“; und „später, in den 1980er Jahren, arbeitete er wieder im Auftrag der CIA in Mittelamerika und half bei der Koordination des Contra Zuliefer-Netzwerks“. Posada wurde festgenommen und 2000 nochmal in Panama für einen Mordanschlag auf Fidel Castro verurteilt, diesmal mit Guillermo Novo, einem von Leteliers Mördern. Beide Männer wurden umgehend von Panamas scheidendem Präsidenten begnadigt. Im Mai 2008 wurde Posada von 500 Amerikanern kubanischer Herkunft bei einer ausverkauften Gala in Miami geehrt, nachdem eine Anklage gegen ihn wegen illegaler Einwanderung in die Vereinigten Staaten von einem Bundesrichter in Texas abgelehnt worden war.

Zudem beförderte CIA-Direktor George Bush Theodore Shackley, der über Jahre hinweg mit den eigenwilligen Exilkubaner in Miami zusammen gearbeitet hatte. Laut Kevin Phillips

nahm Bush Ende 1976 widerspenstige und impulsive CIA-Agenten in Schutz – Veteranen fast jeder Operation von chilenischen Morden zu Vietnams Phoenix-Programm und unzulässiger Überwachung im Inland – damit sie nicht von Präsident Fords Justizministerium angeklagt würden“.

Aber die Stimmung der Zurückhaltung nach Watergate kehrte unter Präsident Carter und seinem CIA-Direktor Admiral Stansfield Turner zurück zur CIA. Dank dem Durchsickern einer Serie von Informationen über seinen Freund Edwin Wilson, verlor Shackley sein Ansehen in der CIA bis er sie 1978 verließ.

William Corson und Joseph Trento argumentieren jedoch, dass der Geist einer alternativen und aktiveren CIA auch mit Shackley im Exil überlebte. Trento schreibt, dass Shackley vom Safari Club des Schahs von Iran (siehe weiter unten) und vom amerikanischen Botschafter in Iran, Richard Helms, unterstützt wurde. Der reguläre CIA-Standortleiter in Iran „beschwerte sich wiederholt, dass Helms seine eigenen Geheimdienstoperationen außerhalb der Botschaft zu leiten schien“ und dass CIA-Veteranen, die unter CIA-Funktionär Theodore Shackley gearbeitet hatten, „den Kader einer privaten Schatten-Spionageorganisation innerhalb des offiziellen amerikanischen Geheimdienstes bildeten“. Anmerkungen => hier

Wir haben uns bisher noch nicht mit den legalen Beziehungen der Castle Bank beschäftigt. Die wohlhabendsten Kontoinhaber der Bank „waren Mitglieder der sagenhaft reichen Pritzker Familie aus Chicago, Klienten der Kanter Firma“. Block merkt an, dass die Pritzkers, zu deren gewaltigem Besitz die Hyatt Hotelkette gehört, auch einen Kredit vom Teamsters Pensionsfonds zur Investition für ein Hotel-Casino in Nevada erhielten, und dass „Jimmy Hoffa und Allen Dorfman persönlich für die Pritzker-Kredite zuständig waren“.

Kanter und Castle Bank planten zudem Bauvorhaben mit anderen Mitgliedern der „Oberwelt“, wie zum Beispiel mit Henry Ford II und seiner Frau Christina. Mercantile, die Vorgängerbank von Castle, vertrat Investitionen von zwei Schifffahrts-Magnaten: vom Milliardär Daniel K. Ludwig und vom äußerst wohlhabenden norwegischen Schiffsbauer Inge Gordon Mosvold, der wohl für Ludwig als Fassade diente.

Mercantile und Castle waren eng mit einer anderen Helliwell Bank auf den Bahamas verzahnt, Underwriters Bank, Limited. Der Mehrheitseigentümer von Underwriters mit 95 Prozent war der amerikanische Versicherungskonzern American International Underwriters Corp. [AIUC], der zuerst Teil des Versicherungsimperiums des ehemaligen OSS-Agenten C.V. Starr war und heute zur gigantischen multinationalen AIG gehört. Block stellt korrekt fest, dass AIUC „ein Versicherungsgroßkonzern war, der vermutlich Verbindungen zur C.I.A. in Südostasien hatte“.

Ich habe anderswo beschrieben, wie die C.V. Starr Gruppe durch Thomas („Tommy the Cork“) Corcoran in Washington vertreten und nach dem Zweiten Weltkrieg von Corcorans früheren Anwaltspartner William S. Youngman geleitet wurde. Die Gruppe war auf diese Weise mit dem so genannten Chennault-Kreis verzahnt (oder auch Chennaults „Washington-Geschwader“), eine mächtige Verbindung, die sich 1940 mit Roosevelts Segen zusammen getan hatte, um die Bereitstellung von Ausrüstung, Personal und finanzieller Unterstützung von General Claire Chennaults Flying Tigers in China zu ermöglichen.

Corcoran war schon seit den 1930er Jahren eine Schlüsselfigur in Washington, als er noch „Franklin D. Roosevelts informellen Geheimdienst und internationale Spionageoperationen anführte, lange bevor es die OSS gab“. In den 1950er Jahren, als Fortune über ihn schrieb, dass er „den besten Geheimdienst in Washington“ führe, waren seine Lobbying-Aktivitäten eng mit seinem Einfluss auf CIA Geheimoperationen verknüpft:

Die meisten [seiner Klienten] sind Unternehmen mit internationalen Geschäftsinteressen, und er hat eine ausgewählte Klientel in diesem Bereich. Dazu gehören United Fruit Co., American International Underwriters Corp. (als Teil der Interessen C. V. Starrs in Asien und anderswo) und General Claire Chennaults Civil Air Transport, Inc. Ende 1951, um ein Beispiel zu nennen, ließ Corcoran seinen Geheimdienst Überstunden arbeiten, um mit der amerikanischen Politik in Bezug auf Iran Schritt halten zu können – die Handhabung des Außenministerium dieser Affäre sollte später als Vorbild dafür dienen, was es tun würde (oder auch nicht tun würde), um seinen Klienten, United Fruit, davor zu bewahren, aus Guatemala geworfen zu werden.

Helliwell und Corcoran zusammen trugen entscheidend zu Chennaults kontinuierlichen Einfluss in Asien bei: diese beiden Männer überzeugten Frank Wisner von der OPC davon, Chennaults Nachkriegsfluglinie CAT (die spätere CIA-eigene Air America) zu kaufen und zu refinanzieren. Auch William Pawley, eine Schlüsselfigur in Chennaults so genannten „Washington-Geschwader“ während des Zweiten Weltkriegs, hat bei dieser wichtigen Entscheidung eine Rolle gespielt. Zusammen mit Helliwells anderer Schöpfung, Sea Supply Inc., bildete CAT die hauptsächliche logistische Infrastruktur für die Drogenhandeltruppen der KMT in Burma.

Helliwell und die Einflusspolitik

Helliwell und Corcorans Anwaltskanzlei, Corcoran und Rowe, kooperierte auch mit William Donovan und nutzte Thai Geld, um den Kongress zu beeinflussen. Helliwell selbst war der Hauptorganisator für die Republikanische Partei in Florida, wo er 1952 half, den Bundesstaat für Eisenhower zu gewinnen und damit dazu beitrug, das Aufsteigen der Republikaner im Süden zu sichern. (Helliwell wurde später zum guten Bekannten von Nixons Gefährten Bebe Rebozo.)

Corcoran und Rowe waren indessen Demokraten, und Rowe war gut mit dem aufsteigenden texanischen Senator Lyndon Baines Johnson bekannt. Corcoran hatte in den 1940er Jahren die Konten und politischen Geschäfte von Chiang Kai-sheks Schwager T.V. Soong geführt, der durch das Abzweigen von Millionen aus chinesischem Gold in kalifornische Konten zu einem der reichsten Männer der Welt geworden war.

Zusammen mit Soong betrieb Corcoran erfolgreich Lobbypolitik für ein Leih-Pacht-Programm für die chinesischen Nationalisten (KMT) und für die private Firma American Volunteer Group, die Piloten der Streitkräfte für ein privates Unternehmen anheuerte, das von Corcorans Freund William Pawley geleitet wurde. Tatsächlich wurden die Piloten rekrutiert, um in China im Rahmen von Chennaults irregulärer Luftwaffe, für Chiang Kai-shek und die KMT zu kämpfen:

Eigentlich führte Corcoran einen undokumentierten Privatkrieg, in dem ein Privatunternehmen, China Defense Supplies, einen Teil des Wehrmaterials für China an eine Privatarmee, die American Volunteer Group, umleitete.

Nach dem Krieg wurden Soong, Corcoran und Pawley zu starken Unterstützern der pro-KMT China-Lobby. Die Beamten des Außenministeriums, die das Pech hatten, als Eintrag in T.V. Soongs „schwarzen Buch“ zu landen, wurden zur Zielscheibe der politischen Säuberungen von J. Edgar Hoover und später Joseph McCarthy.

Das Schicksal der von Soong gestützten China-Lobby änderte sich 1954 mit dem Niedergang von Joseph McCarthy zum Schlechten. Zu diesem Zeitpunkt kollaborierten Corcoran und Donavan, die schon 1942 bei Chennaults Präventivkauf von Chinas kommerzieller Luftflotte mit Hilfe von CAT zusammen gearbeitet hatten, noch einmal, um den Geldfluss von Asien zur Beeinflussung des Kongresses aufrecht zu erhalten. Die neue Quelle war der thailändische Diktator Phao Sriyanon, ein großer Nutznießer des KMT Drogennetzwerks, das von Helliwell, Sea Supply und CAT gegründet wurde. (Zum Zeitpunkt seines Todes im Schweizer Exil soll Phao „einer der reichsten Männer der Welt“ gewesen sein.)

Nachdem Skandale und Enthüllungsberichte eine Umgestaltung der China-Lobby in Washington notwendig gemacht hatten,

brachte der private Zweig der Thai Lobby seine eigenen Ressourcen zusammen . . . Mit Hilfe von Donovan, [OSS Veteran Willis] Bird [Sea Supplies Einkäufer in Bangkok] oder seinen anderen CIA-Verbindungsmännern hatte Phao zu diesem Zeitpunkt Anwalt Paul Helliwell, zusätzlich zu Donovan, als Lobbyisten eingestellt. Helliwell und Donovan [der angebliche 100 000 Dollar von der thailändischen Regierung erhalten haben soll] teilten den Kongress untereinander auf – Donovan war für die Republikaner zuständig und Helliwell bekam die Demokraten.

Wie schaffte es Helliwell, die Demokraten auf seine Seite zu ziehen? Indem er die Rolle des thailändischen Konsuls in Miami spielte: seine Jahresberichte als Lobbyist für ausländische Firmen zeigen, dass er tausende Dollar im Jahr an James Rowe, von Corcoran und Rowe, abgegeben hat.

Helliwell, Resorts International und ihre Korruptionspolitik

Helliwell und seine Banken verwalteten auch die Sachinvestitionen für den Lansky-Haufen:

Zu den Immobiliengesellschaften in Florida, die von Helliwells Fingerfertigkeit profitierten, gehörte General Development Corporation, ein Unternehmen, das von Louis Chesler, einem in Florida ansässigen Bauträger und Gefährten von Lansky, und „trigger Mike“ Coppola, einem Kumpanen von Lansky, kontrolliert wurde. Chesner war der Partner von Wallace Groves. Chesler und Groves arbeiteten als Partner bei Spekulationen mit Resorts International zusammen, geleitet durch ein Unternehmen aus Grand Bahama, dessen Rechtsbeistand durch die Anwaltskanzlei Helliwell, Melrose und DeWolf geleistet wurde.

Resorts International, ehemals die von James Crosby kontrollierte Mary Carter Paint Company, war der Haupteigentümer eines Urlaubsorts auf den Bahamas, Paradise Island, und hatte Schwierigkeiten eine Lizenz zu bekommen, bis es 1966 Wallace Groves als Partner aufnahm. Die altbekannte Reaktion eines Beamten des amerikanischen Justizministeriums zu diesem Eigentümerwechsel war folgende: „Die Stimmung scheint reif für einen Lansky-Deal“. Noch Jahre später würden „die Anwälte der Abteilung für Glücksspielbekämpfung in New Jersey es ablehnen, Crosby und seinem Unternehmen [Resorts International] eine Glückspiellizenz zu gewähren. Als Gründe hierfür führten sie ‚Verbindungen zu in Misskredit geratenen Personen und Organisationen‘ und besonders ihre Aufzeichnungen über Paradise Island an“.

Wie Helliwell und Groves gehörte also auch Resorts Intenational zum globalen CIA-Mob-Netzwerk. Ein CIA-Bericht aus dem Jahr 1976, der in der Meyer Lansky-Akte enthalten war, stellt folgendes fest:

Resorts International, Inc. ist Gegenstand der OS-Akte 591 722 [Office of Security]. Diese Akte zeigt auf, dass Resorts International, Inc. 1972 und 1973 von Interesse für Cover und die Wirtschaftsabteilung, DDO [Operations Directorate], war.

Wie dieser CIA-Bericht weiterhin klarstellt, passierte dies nachdem 1969 das Buch The Grim Reapers von Ed Reid veröffentlicht worden war. Dieses Buch deckte die Verbindungen des Unternehmens zu Wallace Groves und, durch den Casino-Manager Eddie Cellini, zu „den Glücksspielaktivitäten von Meyer LANSKY, dem Boss des organisierten Verbrechens“ (CIA-Bericht) auf. Mit anderen Worten, Resorts International fungierte als Mittler zwischen der CIA und Eddie Cellini, genauso wie Tony Varona, der Leiter der CIA-Schweinebucht-Invasion, 1960 eine ähnliche Rolle spielte.

1972, das Jahr in dem Resorts für die CIA „interessant“wurde, war auch das Jahr, in dem Meyer Lansky zusammen mit Dino Cellini (Eddies Bruder) in Miami angeklagt wurde. Ein Anklagepunkt war, dass „Lansky 1968 zumindest etwas Kontrolle über lukrative Teile der Operationen mit dem Paradise Island Casino behielt“. Ich werde später darlegen, dass sowohl Resorts International als auch die Lansky-Anklage in diesen zwei Jahren „von Interesse“ waren, weil es in dieser Zeit – als Folge des Watergate-Einbruchs – zur Kraftprobe zwischen Nixon und der CIA kam.

Die CIA mag von den 1972 angebrachten Anschuldigungen, dass Gelder auf geheimem Wege vom Paradise Island-Casino durch einen Casino-Angestellten zu Nixon und seinem Freund Bebe Rebozo überbracht worden waren, gewusst haben. Dieser Angestellte war Seymour (Sy) Alter, der sowohl Partner von Lansky und seinem Mann Eddie Cellini, als auch „seit 1962 Freund von Nixon und Rebozo“ war. Die Gelder kamen von der Paradise Island Bridge Company, einem Unternehmen, das zu Teilen im Besitz eines Vorstandsmitglied von Benguet International war. Benguet International wiederum wurde durch Paul Helliwell vertreten. Es ist wahrscheinlich, dass Nixon selbst ein verdecktes Interesse an der Bridge Company hatte. Dies würde auch die Enthüllung durch Operation Tradewinds erklären, die aufzeigte, dass ein „Richard M. Nixon“ (nicht anderweitig kenntlich gemacht) ein Konto bei Helliwells Castle Bank hatte.

CIA, Eddie Cellini, Edward K. Moss und ihre CIA-Mafia Intrigen

Doch es steckt noch mehr hinter der CIA-Resorts-Verbindung. 1967 stellte Resorts (zu diesem Zeitpunkt noch Paradise Island) Eddie Cellini, der vorher Lanskys Casino im Hotel Internacional in Havana geleitet hatte, als Casino-Manager an. 1967 war auch das Jahr, in dem der Generalinspekteur der CIA in seinem „Bericht über CIA-Pläne zur Ermordung Fidel Castros“ bekannt gab, dass Eddie Cellini und sein noch bekannterer Bruder Dino

vermutlich mit [Tony] Varona [einem Mitglied der CIA-Frontgruppe der Schweinebucht-Invasion] in Verbindung standen. . . . Berichten zufolge sollen sie Varona große Summen Geld für seinen Einsatz gegen Castro geboten haben, unter der Voraussetzung, dass sie ‚in einem zukünftigen Kuba‘ bevorzugt behandelt werden würden.

Der Bericht des Generalinspekteurs wurde angefertigt, um auf die Welle von Entrüstung einzugehen, die 1967 durch Jack Andersons spektakuläre Anschuldigung aufgeworfen wurde, dass John F. Kennedy eventuell in Folge eines Attentatskomplotts gegen Castro, „der dann möglicherweise gegen Kennedy selbst zurückgeschlagen ist“, getötet worden ist. Jack Andersons beste Quelle für diese Geschichte war John Roselli, ein Mafiosi, der verärgert darüber war, dass seine Kooperation mit der CIA zu den Attentatsplänen ihn nicht davor bewahrt hatte, verurteilt und möglicherweise abgeschoben zu werden.

Der Wissenschaftler Alan A. Block stellt fest, dass Paradise Island erstaunlich unüberlegt handelte, als sie Eddie Cellini 1967 anstellten, nachdem sie selbst gerade erst einen eigenen Skandal in Sachen organisiertes Verbrechen überstanden hatten. Aber der CIA stand der noch größere Skandal zum organisierten Verbrechen erst noch bevor, den Jack Anderson durch seine Kolumne ausgelöst hatte. Dazu kam der Bericht des Generalinspekteurs, der CIA-Direktor Helms gerade erst davon in Kenntnis gesetzt hatte, dass Cellini bei den Attentatsplänen möglicherweise als Verbindungsmann zwischen den beiden Hauptauftraggebern des Attentats, Varona und Santos Trafficante, agierte. Eine Möglichkeit ist, dass Resorts Cellini angeheuerte, um sicherzustellen, dass er es nicht Roselli nachtun und sich bekennen würde.

Es gibt einen bedeutenden FBI-Bericht (abgedruckt ohne Rechtseinwand in einem CIA-Dokument, das in Lanskys Sicherheitsakte enthalten war), der nahezu frei von jeglichen Referenzen auf Lansky ist, aber durchaus als Akte zu den CIA-Mafia-Plänen beschrieben werden kann. Gemäß diesem FBI-Bericht, war der Kontakt zwischen Varona und den Cellini-Brüdern, die die Mafia vertraten, durch einen Washingtoner Pressereferenten namens Edward K. Moss zustande gekommen:

Verona [sic] hat Edward K. Moss als seinen Assistenten eingestellt, um Geld für Operationen gegen Castro aufzubringen. . . . Julia Cellini ist angeblich die Geliebte von Moss und leitet einen Sekretariatsservice, [der] in Wahrheit eine Fassade für Edward K. Moss‘ Aktivitäten ist. Julia Cellinis Bruder, Dino Cellini und sein Bruder (dessen Vorname nicht bekannt ist), bilden eine aktive Fassade für die beiden größten Casinos, die bis zum Batista-Regime in Kuba betrieben wurden. . . . Es wird angenommen, dass die Cellini-Brüder durch Edward K. Moss in engem Kontakt mit Tony Verona [sic] stehen und angeboten haben, Tony Verona eine beträchtliche Summe Geld (angeblich bis zu zwei Millionen Dollar) durch Edward K. Moss zukommen zu lassen, um Operationen gegen das Castro-Regime zu finanzieren, vorausgesetzt sie würden ein großes Tortenstück vom „zukünftigen Kuba“ abbekommen.

Gemäß diesem CIA-Memo war Moss einer der früheren Präsidenten der Public Relations Society of America. Zur selben Zeit scheint es, laut eines mündlichen Berichts von Dun und Bradstreet an den damaligen CIA-Agenten Edwin P. Wilson, „Moss‘ Aufgabe zu sein, Regierungsaufträge an die Unterwelt zu liefern und möglicherweise Mafiageld durch legitime Geschäftstätigkeiten wieder an die Oberfläche zu bringen“.

Diese ganzen Informationen bilden den Kontext für die Entscheidung, die das CIA-Office of Security am 7. November 1962 traf. Mit dieser Entscheidung sollte sichergestellt werden, dass für Moss ein Covert Security Approval (CSAS) gegeben werden würde, damit er von der Political Action Group innerhalb des Cover Action Stabs der CIA verwendet werden könne. Dies war natürlich über ein Jahr nachdem das FBI der CIA mitgeteilt hatte, dass „die Cellini-Brüder durch Moss angeblich in Kontakt mit Varona stehen und angeboten haben, bis zu zwei Millionen Dollar beizusteuern, um die Anti-Castro-Operationen zu finanzieren“. Außerdem haben FBI-Informationen, die der CIA gesendet wurden, angedeutet, dass Moss‘ Geliebte Julia Cellini und ihr Bruder Dino Cellini die vermeintlichen Vermittler waren, obwohl „die Cellini-Brüder schon seit langem mit den Rauschgift- und Mädchenhandelbanden in Verbindung gebracht werden“. Die CIA selbst hatte das FBI am 16. Dezember 1960 darüber in Kenntnis gesetzt, dass Julia „Cellino“ mitgeteilt hat, dass ihre Brüder „schon seit langem mit den Rauschgift- und Mädchenhandelbanden in Verbindung gebracht werden“.

Noch weitere FBI-Informationen deuteten darauf hin, dass Dino Cellini „in früheren Glücksspielaktivitäten mit Joseph Francis Nesline, einem Top-Ganoven aus Washington, zusammen gearbeitet hat“. Ich habe an anderer Stelle beschrieben, wie Meyer Lansky und Joe Nesline „systematisch Gebrauch von sexueller Erpressung [d.h. durch den Mädchenhandel] machten, um eine Reihe von Leuten in Washington zu kompromittieren, die politischen Einfluss besaßen“.

Die CIA entsann sich, dass Moss ein fragwürdiger Geselle war; ein Memo vom 28. November 1962 verwies auf seine „’skrupellosen und unmoralischen‘ Geschäftspraktiken“. Gemäß dem Bericht des Generalinspekteurs und anderen Notizen konstatiert „ein Memorandum, das 1965 von dem Covert Action Stab angefertigt wurde, dass in den Aufzeichnungen keinerlei Verwendung von Moss zu erkennen ist“; aber diese vorsichtig formulierten Sätze schließen die Möglichkeit nicht gänzlich aus, dass Moss für undokumentierte Aktionen eingesetzt wurde. Tatsächlich bestätigen die Dokumente in Moss‘ Akte, dass die CIA ein Interesse an ihm gezeigt hat. Viele Dokumente darin betreffen Julia, Eddie, Dino und Goffredo Cellini.

Die Aufzeichnungen zu Moss, den Cellinis und Varona sind überaus aufschlussreich. Das FBI hat die CIA auf ihre Verbindungen zueinander und auch auf das Angebot von zwei Millionen Dollar für Varona aufmerksam gemacht, „angesichts der ernstzunehmenden Auswirkungen durch [Mafia]-Unterwanderung dieser, von der CIA gestützten, Aktion [gegen Castro]“. Am 23. Januar 1965 übermittelte das FBI seine Bedenken an den neuen Justizminister Robert Kennedy, der zu diesem Zeitpunkt noch keine Woche im Amt war.

Die Reaktion der CIA hierauf ließ jeglichen Anstand unbeachtet: anstatt, dass sie sich von Moss und seinen Gefährten distanzieren würde, fing die CIA an, sich für sie zu erwärmen. Die CIA arrangierte es so, dass Giftkapseln über die Mafia zu Varona gelangten, der im Februar 1961 zum Vordermann der Castro-Attentatspläne von CIA und Mafia wurde. 1962 wurde Varona ein weiteres Mal auserwählt, als ZRRIFLE-2, um an William Harveys erneuerten Attentatsplänen auf Castro mitzuwirken. Und im selben Jahr leitete die CIA Schritte ein, um Moss selbst einzusetzen, wie wir bereits gesehen haben.

Noch mehr über die CIA, Moss und ihre Korruptionspolitik: Adnan Khashoggi

Die indirekte Verbindung der CIA zu Moss über einen Mittelsmann (Varona) scheint bis in die 1970er Jahre angehalten zu haben. Danach dann wurde diese Position von Adnan Khashoggi eingenommen, der für eine gewisse Zeit (wie schon T.V. Soong und Phao Sriyanon vor ihm) als „der reichste Mann der Welt“ galt. Darüber hinaus wurde Khashoggi im Kerry-Brown BCCI Report als einer der „hauptsächlichen ausländischen Agenten der USA“ geführt. Und irgendwann in den 1970ern engagierte er dann Edward K. Moss als seinen PR-Agenten.

Khashoggi wiederholte die Politik der korrupten Einflussnahme durch Geld und Sex, der wir bereits begegnet sind. Sein Beitrag zu Nixons Wahlkampagnen – einige legal, andere illegal – wurden vom Senatsausschuss zur Watergate-Affäre untersucht. Über Khashoggi wird verlautet, dass er Nixon 1972 auf geheimen Wege eine Million Dollar zukommen ließ, angeblich in einem Aktenkoffer, den er „irrtümlicherweise“ in Nixons Haus in San Clemente zurückgelassen hatte.

Des Weiteren weiß man, dass Khashoggi mehrere Millionen Dollar (manche sagen $200 Millionen) in der Bank von Nixons Freund Bebe Rebozo eingezahlt hat. Dann „hob er alles bis auf 200 000 Dollar in Form von Barschecks ab, die er auf das Sands Hotel in Las Vegas ausstellte“. Es schien so, als nutzte Khashoggi das Sands Hotel als seinen persönlichen Geldwäschesalon. Bekannt als „Las Vegas‘ größter Glücksspieler“, verlor Khashoggi 250 000 Dollar mit nur einem Einsatz.

Das Sands war eines der Casinos, das ursprünglich zu Teilen Meyer Lansky gehörte. Von dort wurden Einnahmen abgeschöpft und (wie wir bereits gesehen haben) in der Miami National Bank eingezahlt. In den 1970er Jahren ging das Sands dann in den Besitz von Howard Hughes über; aber zwei Veteranen der Lansky-Ära, Carl Cohen und Jack Entratter, arbeiteten weiterhin im Casino. Währenddessen involvierte Khashoggi den Manager von Hughes‘ Las Vegas-Besitztümern, F. William Gay, in seine Geschäfte; und als Hughes schließlich schnell und in aller Stille von Las Vegas zu Wallace Groves‘ Resort in Freeport, Bahamas, ausgeflogen wurde, war es Khashoggis Flugzeug, dass ihn dorthin brachte.

Selbst noch in der Hughes-Ära waren die Casinos in Las Vegas der bevorzugte Ort, um Geldwäsche zu betreiben (verdeckt als Glückspielverluste). Diese Praxis hatte sich so sehr eingebürgert, dass der amerikanische Zoll, im Rahmen der Operation Casablanca, am Ende tatsächlich ein simuliertes Casino in der Nähe von Las Vegas errichtete, in dem hochrangige mexikanische Banker zusammen kamen und „eifrig diskutierten, wie man mit der schon vorliegenden halben Million Dollar aus den neuesten Drogeneinnahmen umgehen sollte“. In einem Fall wurden tausende Dollar in Geldumschlägen vom Stardust Casino (siehe oben) in Florida in einem Flugzeug gefunden, das mutmaßlich Drogen geschmuggelt hatte.

Es gibt überdies Berichte, dass Khashoggi, zusätzlich zum Geld, auch „Sex benutzte, um amerikanische Beamte zu bestechen“. Die Rechnung an eine Bordellwirtin, die Massen an Mädchen für seine Yacht im Mittelmeer bereitstellte, belief sich auf hunderttausende Dollar.

Das Interesse der CIA an Khashoggi und Moss war nicht nur auf das Geld beschränkt, das den beiden zugänglich war. In den 1970er Jahren wurde Moss Vorsitzender des Elite-Sarafi Clubs in Kenya, zu dem er Khashoggi als Mehrheitseigentümer einlud. Und wie der frühere saudische Geheimdienstchef Prinz Turki bin Faisal einmal öffentlich preisgab, trafen sich die Geheimdienstleiter mehrerer Länder (Frankreich, Ägypten, Saudi Arabien, Marokko und Iran unter dem Schah) regelmäßig im Safari Club, um geheime Operationen abzuwickeln, die die CIA als Folge des Watergate-Skandals nicht mehr ausführen konnte.

CIA-Funktionäre wie Miles Copeland und James Critchfield gehörten bald zu Khashoggis Milieu. Sie berieten Khashoggi bei diplomatischen Unternehmungen, wie z.B. ein beabsichtigter Mideast Peace Fund, der sowohl Israel als auch Palästina entlohnen sollte, wenn sie sich gegenseitig anerkennen. Khashoggi war in der Lage mit den Israelis zu verhandeln; er soll den Israelis durch den früheren Waffenschmuggler Hank Greenspun, dem politisch einflussreichen Herausgeber der Las Vegas Sun, vorgestellt worden sein.

Im Grunde repräsentierte Khashoggi die Gruppr der Nachkriegsemigranten mit gewaltigem Vermögen und die Macht, die sich hieraus ableitete. Er diente als „Mittelsmann“ oder Repräsentant in einer Anzahl von Operationen, die für jene, die er repräsentierte, verboten waren. Lockheed, um ein Beispiel zu nennen, fehlte bemerkenswerterweise auf der Liste von Militärunternehmen, die 1972 illegalerweise Geld für Nixons Wahlkampagne gespendet haben. Aber es existierte kein Gesetz, das ihrem offiziellen Repräsentanten Khashoggi untersagte, 200 Millionen Dollar durch die Bank von Nixons Freund Bebe Rebozo zu schleusen.

All dies deutet an, dass das CIA-Interesse an Moss – sowie später an Khashoggi, Wallace Groves, an Operation . . . [Text geschwärzt] und an Eddie Cellinis Arbeitgeber bei Resorts International – etwas mit der unregelmäßigen Finanzierung für undokumentierte Geheimoperationen zu tun hatte. Und falls solche Gelder geflossen sind, dann liegt es nahe, dass der Mann, der hierfür herangezogen wurde, Paul Helliwell war; also der Mann, über den das Wall Street Journal schrieb, dass er zwischen 1964 und 1975 an der Finanzierung einer Reihe von geheimen Streifzügen in Kuba „’stark beteiligt‘ gewesen ist“.

Helliwell, Castle Bank, Bruce Rappaport und BCCI

Dieser schnelle Abriss zu Helliwells Banken zeigt, dass Helliwell für die Verbindung zwischen der Geheimdienstwelt, dem organisierten Verbrechen, dem globalen Drogenhandel, politischer Einflussnahme, spekulativen Investitionen (oftmals in Hotelcasinos) und Figuren des legalen öffentlichen Lebens eine zentrale Rolle spielte. Aber diese Verbindung wurde nicht von Helliwell selber eingefädelt; es existierten andere mächtige Leute im Hintergrund, von denen manche diese Verbindung selbst nach Helliwells Tod 1976 aufrecht erhielten (gerade zu dem Zeitpunkt, als Magazine wie Newsweek anfingen, sich für Castle Bank zu interessieren).

Einer der wichtigsten dieser Hintermänner mag der frühere OSS-Chef William Donovan gewesen sein (über den wir noch mehr hören werden). Laut Pete Brewton machte,

einer der Anwälte in dem „Einer flog über Kuckucksnest“-Fall die Aussage, dass Kanter und Helliwell einander durch General William J. „Wild Bill“ Donovan, dem bekannten Leiter der OSS während des Zweiten Weltkriegs und durch Helliwells OSS-Chef, vorgestellt wurde. Kanter wies dies zurück. „Ich habe Bill Donovan nie persönlich getroffen. Es mag sein, dass ich einmal mit ihm telefoniert habe, weil Paul Helliwell mich darum gebeten hat“.

Eine weitere, unmittelbar involvierte, Person der OSS war Helliwells Partner in der Florida Bankholding-Gesellschaft (mit Namen HMT und später Florida Share), zu der die Bank of Perrine und die Bank of Cutler Ridge gehörten. Der Partner war

E.P. Barry, der während des Zweiten Weltkriegs als amerikanischer Geheimdienstfunktionär des Militärs im Office of Strategic Services (OSS) gewesen war. Bei Ende des Kriegs war er zum Kopf der amerikanischen Gegenspionage (X-2) in Wien aufgestiegen . . . . Barry . . . war laut eines Castle Bank-Funktionärs ein langjähriger Gefährte von [CIA-Direktor] William Casey.

Barry war gleichzeitig Hauptanteilseigner von Florida Shares und von der Inter Maritime Bank von Bruce Rappaport, einem engen Freund und Geschäftspartner von William Casey. Rappaport, ein Unternehmer und Makler der Ölbranche „mit vermuteten Kontakten zum amerikanischen und israelischen Geheimdienst“, hatte zahlreiche Verbindungen zur weltgrößten Geheimdienst-Drogen-„Waschküche“ – der Bank of Credit and Commerce International (BCCI). Die Reederei-Familie Gokal aus Pakistan, führende BCCI-Investoren, die später zum BCCI-Bankrott beitrugen, war des Weiteren zusammen mit Rappaport und Barry Anteilseigner der Inter Maritime Bank. Alfred Hartmann, ein Vorstandsmitglied von BCCI, war sowohl stellvertretender Vorsitzender von Rappaports Schweizer Bank, der Bank of New York-Intermaritime, als auch Leiter der Schweizer Tochterbank, der Banque de Commerce et de Placements (BCP).

Und laut Block und Weaver „bearbeitete Rappaport die National Bank of Oman (ein BCCI/Bank of America-Jointventure) und trug dazu bei, dass Millionenbeträge aus CIA und Saudi-Geldern nach Pakistan zu den afghanischen Rebellen während des Kriegs mit den Sowjets in den 1980er Jahren gelangten“. Rappaports Schlüsselmann in Oman war Jerry Townsend, angeblich ein früherer CIA-Agent, der jetzt Colonial Shipping Co. in Atlanta leitete. Von dort kannte er den BCCI-Mitarbeiter Bert Lance.

BCCI und ein israelischer Geheimdienstagent waren außerdem involviert in Medellin Waffenverkäufe, durch eine „Melonenplantage“ in Antigua, die teilweise von William Caseys Freund Bruce Rappaport mitfinanziert wurde.

Bruce Rappaport . . . gehörte das Stück Land, auf dem Maurice Sarfati, ein früherer israelischer Geheimdienstfunktionär, seine Melonenplantage errichtete. Und einer von Rappaports Banken in Antigua gab Sarfati einen großen Kredit – der niemals zurückgezahlt wurde. Sarfati (der auch einem von der OPIC, der amerikanischen Versicherungsgesellschaft der Regierung, garantierten Kredit aus dem Weg ging) nahm diesen Kredit. Zuerst pflegte er damit die Freundschaft zu Regierungsangehörigen und dann ebnete er damit den Weg zu ihren Büros für seinen Landsmann Yair Klein.

Klein arbeitete in Kolumbien, wo seine in Israel lizensierte „Sicherheitsfirma“, Spearhead Ltd., die die Killerkommandos des Medellin Kokainkartells in Ermordungs- und Sprengtechniken ausbildete, anfing, unliebsames Interesse zu erregen . . . . 1988 war Klein in Antigua, wo er nach einem neuen Weg für die Waffenlieferung an seinen Medellin Klienten, Jose Gonzalo Rodriguez Gacha suchte.

Rappaports offensichtliche Verbindungen zum Mossad werfen die Frage auf, ob Helliwells Verbindungen zu Lanskys Bank of World Commerce und Tibor Rosenbaum nicht auch eine Verbindung zum Mossad waren. Dieselbe Frage wird von Helliwells Prozessvertretung von der Eastern Development Company aufgeworfen (laut des Martindale-Hubbell Rechtsregisters): denn eine Firma dieses Namens kooperierte mit Lansky, Hank Greenspun und anderen für Waffenlieferungen an den in der Entstehung begriffenen Staat Israel.

Es ist klar, dass Juden, wie viele anderen Minderheiten, ein Bestandteil des weltweiten Drogennetzwerks waren. Darüber hinaus formten sie einen wichtigen Teil in der finanziellen Infrastruktur dieses Netzwerks – aber selbst auf dieser Ebene arbeiteten sie nicht allein. Das globale Drogennetzwerk verband jüdische Banken in Florida und der Schweiz mit Banken unterschiedlicher Chinesen in Südostasien und Hong Kong, den Muslimen der Bank Intra und späteren BCCI im Nahen Osten. Dazu kamen noch italienische Banken, wie jene von Michele Sindona und Roberto Calvi, beides Mitglieder der mit dem Geheimdienst verbundenen Masonic Lodge P-2 und beide ermordet, nachdem ihre Banken durch Mafia-Verwicklungen gescheitert waren. Mein Eindruck ist, dass keine dieser ethnischen Minderheiten jemals die Dominanz solcher Mainstream-Leute wie Donovan und Helliwell übertreffen konnten.

(Als ein Mensch, der sehr stark für Gewaltverzicht eintritt, muss ich einräumen, dass die Gewalt der ethnischen Gruppen im weltweiten Drogennetzwerk seinen Ursprung in entschädigender Gewalt gegen ein System nahm, das vor allem von europäischen und amerikanischen Interessen dominiert wird.)

Einer dieser Mainstream-Leute war der mysteriöse E.P. Barry, ein Investor von Helliwell und Rappaport. Eines der wenigen Dinge, die über Barry bekannt sind, ist, dass er während des Zweiten Weltkriegs bei der OSS war und dass er gegen Ende des Kriegs von Donovan zum Leiter der OSS Spionageabwehr (X-2) in Wien ernannt wurde.

OSS-X-2, oder Spionageabwehr, war der geheimnisvollste und geheimste Zweig der OSS und derjenige, dessen präzise Mission es war, den Deutschen Sicherheitsdienst [SD] zu durchdringen. Gemäß eines OSS-Berichts aus dem Jahr 1946 „war eine ebenso interessante X-2-Aktivität die Untersuchung der Finanzgeschäfte des Reichssicherheitshauptamts. Im Verlauf dieser Untersuchungen, schickte die amerikanische Dritte Armee einen Major des Sicherheitsdienstes auf „mehrere Trips nach Italien und Österreich und, als Ergebnis dieser Vor-Treffen wurden mehr als 500 000 Dollar in Gold und dazu noch Juwelen gerettet.“ Einiges von diesem Nazi-Gold, das unter Barrys Aufsicht beschafft wurde, wurde danach genutzt, um amerikanische Geheimdienstoperationen in Deutschland in den unmittelbaren Nachkriegsjahren zu finanzieren.

Barry steht, mit seinem faszinierenden Hintergrund, für die Kontinuität zwischen dem Helliwell Geheimdienst-Drogen-Netzwerk, das bis 1972 florierte (dem Jahr, in dem die amerikanische Bundessteuerbehörde mit ihrer Operation Tradewinds anfing, die Bank of Perrine zu untersuchen) und dem BCCI Geheimdienst-Drogen-Netzwerk, das nach 1972 florierte (also das Jahr, in dem BCCI gegründet wurde).

Wie schon Khashoggi vorher, hatte die BCCI die Möglichkeit, sowohl arabisch-israelisch-chinesische Waffengeschäfte als auch Kontakte zu westlichen Geheimdiensten und Politikern zu vermitteln. In der Tat scheint die Bank einen Großteil von Khashoggis Funktion als Einflussnehmer im Nahen Osten und anderswo übernommen zu haben, nachdem die Vereinigten Staaten mit dem Corrupt Federal Practices Act von 1978 alle direkten Zahlungen von amerikanischen Unternehmen an ausländische Einzelpersonen verboten hatten. Die BCCI erbte auch – und erweiterte – Khashoggis Praxis der Geldverwendung, um amerikanische Politiker zu beeinflussen und zu korrumpieren. BCCIs pakistanischer Präsident Agha Hasan Abedi rettete Jimmy Carters Finanzminister Bert Lance vor dem Bankrott und konnte dadurch auch eine Beziehung zu Carter selbst entwickeln.

Ein Senatsbericht zur BCCI fasste zusammen, dass

die BCCI systematisch auf Beziehungen zu, und falls notwendig auch Zahlungen an, prominente Politiker in fast allen der 73 Länder, in denen die BCCI agierte, beruhte. . . . Das Resultat waren Beziehungen, die die BCCI zu Funktionären aus Ländern auf der ganzen Welt unterhielt, welche von fragwürdig, über unzulässig bis hin zu völlig korrupt reichten. Dazu gehörten Länder wie Argentinien, Bangladesh, Botswana, Brasilien, Kamerun, China, Kolumbien, Kongo, Ghana, Guatemala, Elfenbeinküste, Indien, Jamaika, Kuwait, Libanon, Mauritius, Marokko, Nigeria, Pakistan, Panama, Peru, Saudi-Arabien, Senegal, Sri Lanka, Sudan, Surinam, Tunesien, Vereinigte Arabische Emirate, USA, Sambia und Simbabwe.

Und durch zwei sehr gut recherchierte Bücher, herausgegeben von Journalisten des Time Magazins und des Wall Street Journal, konnten wir erfahren, dass unter den später einflussreichen Empfängern dieser Freigiebigkeiten der BCCI, ihren Eigentümern und ihren Zweigfirmen auch James Baker war, Ronald Reagans Finanzminister, der sich weigerte, gegen die BCCI zu ermitteln. Außerdem profitierten die Senatoren Joseph Biden (Demokrat) und Orrin Hatch (Republikaner) von der Großzügigkeit der BCCI, beides hochrangige Mitglieder des Senats-Rechtsausschusses, der sich ebensfalls weigerte, gegen die BCCI zu ermitteln.

Die CIA, BCCI und die „lange Tradition der zwielichtigen Banken“

Aber Barry ist nicht die einzige Verbindung zwischen den Drogenbanken von Helliwell und der BCCI. Eine zentralere Gestalt ist General George Olmsted, Leiter der Washington Bankholdinggesellschaft, die unter dem Namen International Bank bekannt war. Im März 1976 wies Olmsted die International Bank (die „den Ruf einer CIA-Bank hatte“) an, 66 Prozent des Aktienkapitals der scheiternden Mercantile Bank auf den Bahamas (Castles Vorgängerbank) aufzukaufen, obwohl „die Leute von International Kenntnis von Mercantiles kränkelndem finanziellen Zustand hatten“. Ab 1977 fing International an, seine Aktien in Financial General Bankaktien (später bekannt als First American) zu verkaufen, eine bedeutende amerikanische Bankholdinggesellschaft, für BCCI Strohmänner, die später für die BCCI First American übernahmen.

Die verbreitetste Erklärung ist, dass die CIA die Bank nicht nur benutzte, sondern auch dabei half, sie aufzubauen. Die Journalisten Peter Truell und Larry Gurwin, die Autoren des ultimativen Buchs über die BCCI, vermuteten, dass die Verbindung der CIA zu dem Gründer von BCCI, Agha Hasan Abedi, womöglich schon auf die Zeit vor BCCIs Gründung im Jahr 1972 zurückgeht. Sie stellten auch fest, dass die BCCI nur der letzte Fall in einer sich überlappenden Serie von Geldwäsche-Banken war, die der CIA Dienste erwiesen hatten – Deak & Company, Castle Bank & Trust und Nugan Hand.

Das weltweite Netzwerk und das Rauschgift

Eine dieser miteinander verflochtenen Banken, die World Finance Corporation in Florida, wurde zur Zielscheibe der „wahrscheinlich größten Rauschgiftermittlung des Jahrzehnts“. Aber die Untersuchung, „in der eine große Anzahl von Bundesbeamten und Beamten der einzelnen Bundesstaaten beteiligt waren, musste nach einem Jahr verworfen werden, weil die CIA sich beim Justizministerium beschwerte, dass ein Dutzend hochrangiger Krimineller für sie ‚von Interesse‘ sind“.

Eine weitere Bank mit Drogenverwicklungen war die australische Nugan Hand Bank, die sich 1976 für die Wirtschaftsprüfung das Unternehmen Price Waterhouse auf den Bahamas auswählte, also in dem Jahr, als sowohl Castle als auch Mercantile zusammenbrachen. Nach ihrem spektakulären Zusammenbruch im Jahr 1980 folgerten australische Ermittler, dass Nugan Hand in der Finanzierung von bedeutenden Drogengeschäften involviert gewesen sein und auch Profite gewaschen haben muss: zwei offizielle Ermittlungen „sahen Nugan Hand in der entscheidenden Position, durch die Drogeneinkünfte heimlich ins Ausland geschafft wurden, wo sie offensichtlich wieder in illegale Drogen investiert werden konnten“.

Bei Nugan Hand sammelte sich eine eindrucksvolle Zahl an früheren CIA-Mitarbeitern, darunter der „mysteriöse Strippenzieher“ Bernie Houghton, der in den 1950er Jahren Helliwells Position in Bangkok übernommen haben soll, und der frühere CIA-Direktor William Colby. Von besonderem Interesse ist die Verbindung von Nugan Hand und Thomas Clines, einem CIA-Funktionär in Laos unter Theodore Shackley, der später kündigte, um im ausgegliederten Geheimdienstnetzwerk von Edwin Wilson tätig zu werden. Als die Nugan Bank 1980 auf spektakuläre Weise zusammenbrach (mit dem Selbstmord oder Mord von Frank Nugan), war es Thomas Clines, der dabei half, Houghton still und leise aus Australien verschwinden zu lassen. Die beiden Männer beteiligten sich daraufhin, zusammen mit Edwin Wilson, Theodore Shackley und BCCI, an undokumentierten Operationen gegen die Sowjets in Afghanistan, wobei sie nicht für die CIA, sondern für den Safari Club arbeiten.

Die CIA in Chiang Mai hatte zu der Zeit, als das Hauptgeschäft der Stadt der Opiumhandel war, auf derselben Etage ihre Zweigstelle wie die örtliche Dienststelle von DEA. Laut Jonathan Kwitny, „nahm die Rezeption von DEA die Anrufe und Nachrichten für Nugan Hand entgegen, wenn die Bankvertreter nicht im Hause waren“. Der Nugan Hand Vertreter in Chiang Mai, Neil Evans

sagte aus, dass er zugegen war, als Michael Hand und Ron Pulger-Frame – der frühere Deak & Company Kurier, der dann bei Nugan Hand anheuerte – über die Sendung von CIA-Geldern in den Nahen Osten, Saudi-Arabien und Panama verhandelten. Evans erklärte, dass Nugan Hand zu einem Zeitpunkt 50 bis 60 Millionen Dollar für die CIA bewegte, und dass Nugan darüber hinaus in Waffengeschäfte mit der Dritten Welt verwickelt war.

Des Weiteren erzählte er dem australischen Fernsehen, dass die Millionenbeträge, für die er zuständig war, aus dem „Drogenverkehr der Region angesammelt wurden. Die Bank, so Evans schonungslose Aussage, war eine ‚Wäscherei‘ für Meo [Hmong] Stammesmänner und andere Mohnanbauer“.

In meinem Buch The Road to 9/11 beschreibe ich, wie Caseys Vertrauen zur BCCI mit Bezug auf die amerikanischen Unterstützung der gegen die Russen kämpfenden afghanischen Mujahedin dazu führte, dass die Splittergruppe von Gulbuddin Hekmatyar die meiste Hilfe erhielt. Heymatyar war der führende Drogenhändler in Afghanistan, der bald (dank der Hilfe aus den USA und Pakistan) wahrscheinlich zum führenden Heroinhändler der Welt wurde.

Dieses Muster eines Drogennetzwerks wiederholte sich in den 1990er Jahren, nachdem sich die UdSSR aus Afghanistan zurückgezogen hatte und die BCCI kurz danach zusammengebrochen war. In Aserbaidschan (unter dem Deckmantel einer Ölfirma) gründeten Veteranen von CIA-Operationen, die ehemals von Shackley und Clines in Laos geleitet wurden, wie z.B. Richard Secord, Heinie Aderholt und Ed Dearborn, eine Fluglinie auf der Grundlage des Air America-Modells. Diese Fluglinie war schon bald dabei „hunderte von Mujahedin-Söldnern aus Afghanistan abzuholen“. Die arabisch-afghanischen Azeri-Operationen wurde auch mit Geld aus dem afghanischen Heroinhandel finanziert.

Loretta Napoleoni hat dargelegt, dass es eine islamistische Drogenroute von Verbündeten von Al Qaida gibt, die sich quer über Nord- und Mittelasien erstreckt, von Tadschikistan und Usbekistan durch Aserbaidschan und Tschetschenien bis nach Kosovo. Dies führt uns zu der paradoxen Tatsache, dass Clinton 1998 in die Lage geriet, die von al Qaida gedeckte Befreiungsarmee des Kosovo (UÇK) zu unterstützen. Er verfolgte dies, obwohl „das amerikanische Außenministerium die UÇK ab 1998 . . . als eine internationale terroristische Organisation listete. Das Außenministerium stellte fest, dass die UÇK ihre Operationen mit Einnahmen aus dem internationalen Heroinhandel und mit Krediten von bekannten Terroristen wie Osama bin Laden finanziert hatte“.

Schließlich soll, wenn man der früheren FBI-Übersetzerin Sibel Edmonds Glauben schenken kann, der gleiche Heroinfluss auch die Korruption des Kongresses unter George W. Bush finanziert haben. Edmonds wurde 2002 vom FBI gefeuert, nachdem sie einem Kollegen vorgeworfen hatte, eine Gefahr für die Sicherheit zu sein. Seitdem kämpft sie gegen ihre Entlassung in einem „Whistleblower“-Verfahren, das die Regierung mit einer Sperre belegt hat und sich dabei auf das Staatsgeheimnis-Privileg beruft. Es wurde ihr weiterhin verboten, in der Öffentlichkeit über ihren Fall zu sprechen.

Laut Daniel Ellsberg geht es Edmonds um die al Qaida-Verbindung, die auch von Napoleoni beschrieben wurde:

Sie legte dem Kongress dar, dass al Qaida, laut dieser Interviews, zu 95 Prozent durch Geld aus dem Drogenhandel finanziert wird – Drogenhandel, bei dem die amerikanische Regierung ein Auge zudrückt und den sie wissentlich ignoriert, weil er in starkem Maße mit unseren Verbündeten und unseren Vorteilen verknüpft ist, also mit Länder wie der Türkei, Kirgisistan, Tadschikistan, Pakistan, Afghanistan – alle „Stans“.

Es ist ein Drogenhandel, für den das Opium aus Afghanistan stammt, in der Türkei aufbereitet wird und nach Europa geliefert wird, wo es 96 Prozent von Europas Heroinbedarf deckt, durch Albaner, entweder in Albanien oder Kosovo – albanische Muslime in Kosovo – also im Grunde die UÇK, die Befreiungsarmee des Kosovo, die wir zu dieser Zeit gegen Ende des Jahrhunderts stark unterstützten . . . Sibel sagt, dass dem Sprecher des Repräsentantenhauses, Dennis Hastert, Koffer mit Bargeld direkt in sein Haus in Chicago geliefert wurden, so türkische Quellen, mit dem Wissen, dass viel von diesem Geld aus dem Drogenhandel stammt.

2005 wurden die Anschuldigungen von Sibel Edmonds teilweise in Vanity Fair dargelegt. Dort wurde aufgedeckt, dass sie Zugang zu von FBI-Wanzen aufgezeichneten Gesprächen zwischen Mitgliedern des American-Turkish Council (ATC) hatte, in denen es um die Bestechung von gewählten amerikanischen Beamten ging. Außerdem soll es um Aussagen, „die sich nach Hinweisen auf groß angelegte Drogenlieferungen und andere Verbrechen anhörten“ gegangen sein.

Fazit: Eine fortwährende Serie von drogenbezogenen Tiefenereignissen

Mafias und Herrschaftsimperien haben bestimmte Grundsätze gemein. Beide können als systematische gewaltsame Herrschafts-Auferlegung in Gebieten mit wenig Staatsführung verstanden werden. Beide gebrauchen Gewalt, um ihre Ziele zu erreichen; aber beide werden oftmals insoweit toleriert, dass das Ergebnis ihrer kontrollierten Gewalt eine Minderung der unkontrollierten Gewalt darstellt. (Ich möchte einen zaghaften Vorschlag für einen wesentlichen Unterschied zwischen Mafias und Herschaftsimperien machen: nämlich den, dass Mafias mit der Zeit immer mehr mit der Zivilgesellschaft, deren Regeln sie ehemals missachteten, verwachsen, während Herrschaftsimperien dazu neigen, immer mehr mit der Gesellschaft, die sie ehemals kontrollierten, in unüberbrückbaren Konflikt zu treten.)

In diesem Buch haben wir eine Überlagerung der Infrastrukturen von amerikanischer Mafia und dem indirekten amerikanischen Herrschaftsimperium kennengelernt. Und in diesem Kapitel habe ich versucht, das Epizentrum dieser Überlagerung in einem Milieu zu beschreiben, das sich an seinen äußeren Grenzen zu einem globalen Nexus vergrößert, welchen ich als das weltweite Drogennetzwerk bezeichnet habe. Dieses Netzwerk hat enge Verbindungen zur amerikanischen Unterwelt, aber auch zur amerikanischen „Oberwelt“. Dieser Nexus verbindet den amerikanischen Geheimdienst mit den Geheimdiensten vieler anderer Länder, darunter Taiwan, Israel, Italien und Chile. Er betreut zudem die finanziellen Zuwendungen an führende Politiker vieler Länder, inklusive beider Parteien in den Vereinigten Staaten.

Alle wesentlichen Tiefenereignisse der jüngsten amerikanischen Geschichte und alle wesentlichen Ausweitungen indirekter amerikanischer Herrschaft seit dem Zweiten Weltkrieg können mit diesem weltweiten Drogennetzwerk in Verbindung gebracht werden:

— Der erste Fall amerikanischer Präsenz in Ostasien wurde in Verbindung mit der von Drogengeld finanzierten KMT in Taiwan errichtet.

— Die amerikanische Präsenz in Südostasien begann mit der Unterstützung der KMT-Drogenhändler durch Sea Supply in Ost-Burma und erweiterte sich dann Mitte der 1950er Jahre mit der drogenfinanzierte PARU-Macht in Laos, während die CIA Saigon sicherte, indem sie dort den Drogenabsatz kontrollierte.

— Die verwickelte Finanzgesellschaft, gegründet von OSS-Veteran Nicholas Deak, „wurde angeblich von der CIA genutzt, um Geheimoperationen zu finanzieren, darunter auch der Sturz des demokratisch gewählten iranischen Premierministers Mohammed Mossadeq 1953.

— Der Sturz des demokratisch gewählten guatemaltekischen Präsidenten Jacobo Arbenz wurde teilweise mit der Unterstützung des nicaraguanischen Diktators Anastasio Somoza erreicht, einer Hauptfigur in Lanskys Waffenpipeline nach Israel in den 1940er Jahren, dessen Guardia Nacional hiernach tief mit dem karibischen Drogenhandel verbunden war.

— Das Einsetzen von CIA-Geheimtruppen in Laos im Jahre 1960, die letzten Endes zu einer drogenfinanzierten irregulären Armee mit tausenden Personen anwuchs, wurde durch eine Kraft erreicht, die aus der Sea Supply Operation in Thailand hervor gegangen war. Der Privatkrieg der CIA in Laos, den Präsident Kennedy vergeblich einzudämmen versuchte, war der tatsächliche Beginn des amerikanischen Kriegs in Vietnam.

— Angletons „alternative CIA“, CI/SIG, manipulierte und fälschte ihre „Geheimdienstinformation“ über Lee Harvey Oswald auf solch eine Weise, dass er zum Verdächtigen für das Attentat auf John F. Kennedy in Frage kommen würde.

— Der Sturz des demokratisch gewählten indonesischen Präsidenten Sukarno im Jahr 1965 wurde zum einen mit geheimer Unterstützung durch Bestechungsgelder der Lockheed Corporation erreicht, zum anderen mit der Intervention von Sasakawa Ryoichi, einem CIA-Agenten von Einfluss, und seinem Freund Kodama Yoshio, einem Mitglied der Yakuza in Japan. Sasakawa und Kodama waren außerdem die Empfänger von Lockheed Bestechungsgeldern, die durch Deak & Company ermöglicht wurden. Sie erschienen auch teilweise auf der Bühne von Shig Katayama, dessen ID Corp. auf den Cayman Inseln mysteriöse Geschäfte mit Helliwells Castle Bank machte.

— Die BCCI stellte die ursprüngliche Infrastruktur für die CIA-Intervention in Afghanistan im Jahr 1979 und der darauf folgenden Allianz mit dem Hauptdrogenhändler Gulbeddin Hekmatyar zur Verfügung. Pakistans Präsident Zia ermöglichte Zbigniew Brzezinski, Carters Nationalen Sicherheitsberater, die Zusammenarbeit mit Generalleutnant Fazle Haq; obwohl ein BCCI-Informant den amerikanischen Behörden erzählte, dass Fazle Haq „stark mit dem Rauschgifthandel in Verbindung steht und das Heroingeld durch die Bank [BCCI] schleusen“ würde.

— 1970 wurde ein CIA-Beamter mit dem Pseudonym Henry J. Sloman, der zudem ein „risikoreicher Schmuggler mit direkten Verbindungen zur Mafia“ war, nach Chile entsandt, wo er bei den Attentatsplanungen zur Ermordung von General René Schneider, dem Oberbefehlshaber des chilenischen Militärs, mitmischte.

— Im September 1976 wurde Orlando Letelier in Washington von einer Gruppe ermordet, der auch exilkubanische Drogenhändler angehörten, die wiederum für den drogenfinanzierten chilenischen Geheimdienst DINA arbeiteten. Obwohl die US-Regierung bereits von DINAs Operation CONDOR für diese Morde im Ausland in Kenntnis gesetzt worden war, entschied sich CIA-Direktor Bush dafür, öffentlich den Verdacht von der DINA abzulenken.

— Laut Robert Parry arrangierte Safari Club-Mitglied Alexandre de Marenches im Juli und Oktober 1980 ein Treffen zwischen William Casey (wie de Marenches auch ein Malteserritter) und iranischen bzw. israelischen Vertretern in Paris, wo Casey Iran erforderliche Waffenlieferungen im Tausch gegen ein Herauszögern der Freilassung der amerikanischen Geiseln in Iran versprach. (Dies war die so genannte republikanische „October Counter-surprise“. Parry vermutet, dass die BCCI sowohl bei der Finanzierung der Bestechungsgelder für den geheimen Deal, als auch für die darauf folgenden Lieferungen israelischer Waffen nach Iran beteiligt war.

— 1981 versuchte Mehmet Ali Agça, ein Mitglied der mit Drogen handelnden türkischen Grauen Wölfe, Papst Johannes Paul II. zu ermorden. Le Monde diplomatique berichtete später, dass der Attentatsversuch von Abdullah Çatli auf Gesuch des türkischen Mafiachefs Bekir Celenk organisiert wurde. Çatli, auch Mitglied der Grauen Wölfe, fungierte als Leiter von Todeskommandos für den türkischen Geheimdienst. Le Monde diplomatique fügte hinzu, dass Çatli ein Jahr später zusammen mit dem berüchtigten Killer der Operation CONDOR, Stefano delle Chiaie, nach Miami kam.

— Shackley, Khashoggi und die BCCI wirkten bei der Gründung des illegalen Iran-Contra-Netzwerks von 1985/86 mit, das Gelder von Waffengeschäften mit Iran auf die Seite schaffte, um die Contras in Honduras und Costa Rica zu unterstützen.
Mafia,
— Während der Plünderung Russlands zur Zeit der Jelzin-Ära in den 1990er Jahren wurden Gelder durch Rappaports Inter Maritime Bank an die Bank of New York geleitet, an der Rappaport auch grundlegend, wenn nicht sogar kontrollierend, beteiligt war.

— 1991 gründete Shackleys Kollege Richard Secord eine Fluggesellschaft in Aserbaidschan, die hunderte Mujahedin aus Afghanistan, rekrutiert durch Gulbuddin Hekmatyar, einflog.

— 1998 führte der amerikanische Rückhalt für die UÇK, eine von al Qaida unterstützte und teilweise durch Drogen finanzierte Gruppe, zu Enthüllungen, die besagten, dass einer der UÇK-Führer seit mehreren Jahren schon gute Beziehungen zur privaten Militärfirma MPRI unterhielt. (Erst 1997 war die UÇK von den Vereinigten Staaten als terroristische Gruppe mit Unterstützung des Heroinhandels eingestuft worden.)

(Diese Liste könnte unendlich lange weiter geführt werden. Zum Beispiel kann die Wandlung Australiens zu einem verlässlichen amerikanischen Bündnispartner auf das Jahr 1975 und den Sturz des demokratisch gewählten Labor Premierministers Gough Whitlam zurückdatiert werden; ein Ereignis, in dem Penny Lernoux und andere die versteckte Beteiligung der Nugan Hand Bank gesehen haben.)

Diese starke Kontinuität, die der amerikanischen Ausdehnung seit dem Zweiten Weltkrieg zu Grunde liegt, hilft dabei, das verblüffende Phänomen glaubhaft zu machen, das in unserem letzten Kapitel beschrieben wurde – nämlich, dass es bei solchen Tiefenereignissen wie der Ermordung Kennedys und dem 11. September 2001 eine Verbindung gibt bzw. dass sie nicht das Ergebnis von Kräften sind, die die USA von außen angegriffen haben. Vielmehr, zumindest teilweise, stammen diese Ereignisse aus einem tiefen Netzwerk, wie es in diesem Kapitel beschrieben wurde, und werden daraus ins öffentliche Bewusstsein befördert. Es ist dies ein zeitlich stabiles Netzwerk, das aber so gut wie unbeachtet ist.

Fazit II: Die zunehmende Bedrohung stabiler Demokratien

Aber wenn man diese Liste an geheimen Interventionen und Tiefenereignissen synoptisch betrachtet, erkennt man ein Muster von zunehmenden Abweichungen von den Grundsätzen des öffentlichen Staates. Mit Hilfe des weltweiten Netzwerks wurden mit den CIA-Interventionen in Iran (1953) und Guatemala (1954) Operationen unterstützt, die vorher vom Nationalen Sicherheitsrat (und davor vom Rat für auswärtige Beziehungen) sanktioniert worden waren.

Aber die drogenfinanzierte Evolution einer von der CIA ausgebildeten thailändischen Truppe zu einer offensiven Streitmacht, die in Laos einmarschieren konnte, war eine Operation, die explizit nicht vom Nationalen Sicherheitsrat autorisiert worden war. Wie Daniel Fineman feststellte, wurde

im September [1953] der NSC [Nationalen Sicherheitsrat] durch die Präferenz der JCS [Joint Chiefs of Staff] für direkte Unterstützung der französischen Streitkräfte dazu gezwungen, nur die Durchführung von Phase eins zu autorisieren [„die Stärkung von Thailands Willen und Widerstandsfähigkeit“]. Damit wurde die Ausführung der Vorkehrungen von Phase zwei auf unbestimmte Zeit verschoben, in der der psychologische Krieg in benachbarte Länder getragen werden sollte.

Und die Fälschung von Oswalds Akte durch Angletons CI/SIG, selbst wenn sie ursprünglich als ein berechtigtes Instrument bei der Suche nach einem angeblichen Maulwurf innerhalb der CIA autorisiert worden sein mag, ermöglichte am Ende die erfolgreiche Ermordung von John F. Kennedy und der darauf folgenden Vertuschung. Zu diesem Zeitpunkt war das weltweite Netzwerk nicht mehr nur eine Kraft, die zur Unterstützung des öffentlichen amerikanischen Staates handelte; es hatte Beziehungen hergestellt mit Kräften, die den öffentlichen Staat angreifen.

Dieses Muster der zunehmenden Abweichung können wir nutzen, um unsere Auffassung vom amerikanischen Tiefenstaat („deep state“) weiter zu entwickeln. Zunächst kann der Tiefenstaat mit dem Office of Policy Coordination (OPC) in Verbindung gebracht werden, also der (zu der Zeit verborgenen) Schöpfung des Nationalen Sicherheitsrats, die die ursprüngliche Helliwell-CIA-Mafia-Verbindung ermöglichte. Mit der Aufnahme der OPC in die CIA 1953 verlor der amerikanische Tiefenstaat für viele Jahre die relativ kohärente und disziplinierte Konzentration von Autorität, die man in Tiefenstaaten wie der Türkei oder Italien oder Kolumbien, oder zu bestimmten Zeitpunkten in Chile und Argentinien, erkennen kann. In dieser Phase war der amerikanische Tiefenstaat durch die Drogenwirtschaft vereint, aber nicht durch viel mehr. Seine nebulöse Verbindung zur legitimen Macht schrumpfte auf Angletons „alternative CIA“ zurück, und selbst diese fand ein Ende, als Angleton im Dezember 1974 gefeuert wurde.

Aber laut Aussage von Josepf Trento wurde die Verbindung indirekt wieder hergestellt durch eine „Schatten-CIA“, die für den Safari Club und den saudischen Geheimdienst arbeitete; spätestens in den 1980er Jahren arbeitete diese Schatten-CIA „nicht mehr nur für die Israelis, sondern engagierte sich auch in geheimen Operationen von Mittelamerika bis Iran“. Es gilt als sicher, dass mit Caseys Segen – der seine eigenen direkten Kontakte zu Rappaport, der BCCI und dem globalen Drogennetzwerk hatte – Shackley, Khashoggi und ihre Kontakte am Ende zur Iran-Contra-Affäre geführt haben. Mindestens ein Mitglied von Shackleys Gruppe, Richard Secord, gründete dann eine Fluggesellschaft, die islamistische Mujahedin nach Afghanistan brachte. Ein anderer, Neocon Michael Ledeen, wirkte nicht nur bei Iran-Contra mit. Mit Donald Rumsfeld und Dick Cheney zusammen trug er zur Gründung des Project for the New American Century (PNAC) bei.

In der Tat kann William Caseys Entscheidung, mit dem weltweiten Netzwerk, und speziell mit der BCCI und Theodore Shackleys Kontakten der Iran-Contra-Affäre, zusammen zu arbeiten, nicht vollständig verstanden werden, wenn man sich allein auf die Entstehungsgeschichte des weltweiten Drogennetzwerks konzentriert. Caseys Handlungen müssen in dem Kontext gesehen werden, den Irving Kristol als „intellektuelle Gegenrevolution“ der 1970er Jahre bezeichnete, also die erfolgreiche Umstoßung von Kissingers und Carters Vorstößen für eine Détente mit der Sowjetunion und von den post-Watergate Reformen, die von Senator Frank Church und anderen eingebracht wurden. Wie ich an anderer Stelle beschrieben habe, war einer der Schlüsselmomente das so genannte Halloween-Massaker von 1975, in dem unter anderem Angletons Nemesis William Colby gefeuert, Rumsfeld zum Verteidigungsminister ernannt und Kissingers lange Amtszeit als Nationaler Sicherheitsberater beendet wurde.

1976 hatte dann die intellektuelle Gegenrevolution eine neue Anti-Kissinger Koalition konsolidiert, die aus a) Cheney und Rumsfeld innerhalb der Ford-Administration, b) dem Committee on the Present Danger als Lobby für einen erheblich erhöhten Verteidigungsetat und c) Neokonservativen wie Richard Perle und Paul Wolfowitz bestand. Perles und Wolfowitz‘ Ziel war es, gegen Kissingers SALT-Abkommen anzugehen und (mit Hilfe des neuen CIA-Direktors George H.W. Bush) die Einschätzung der CIA zur sowjetischen Bedrohung radikal zu übertreiben. Casey spielte eine bedeutende Rolle in dieser anti-sowjetischen Koalition und trat 1976 der CPD bei, zusammen mit langjährigen Mitgliedern des weltweiten Drogennetzwerks wie Ray Cline (Helliwells altem OSS-Kollege aus Kunming), Jay Lovestone und George Olmsted.

Die Anti-Regierungstendenz der neuen neokonservativen Rechten hat sich zu einer regelrechten Abneigung gegen die CIA ausgewachsen, die mittlerweile mehr als Feind, als als Verbündeter angesehen wird. Aber selbst die neuen ausgegliederten Gewaltkräfte in privaten Sicherheitsfirmen (PSCs), wie zum Beispiel Blackwater, rekrutieren aus den gewalttätigen Reihen des weltweiten Drogennetzwerks – genauer gesagt, in Blackwaters Fall, aus den paramilitärischen Truppen in Ländern wie Kolumbien.

Kurz gesagt wurde der Rückgriff auf die illegale Gewalt des weltweiten Drogenhandels, die in den panischen frühen Jahren des Kalten Kriegs begann, seitdem beständig fortgeführt. Sie ist immer weiter gewachsen und metastasiert, bis sie nun zu einer zunehmenden Bedrohung der konstitutionellen Demokratie geworden ist. Für die meisten Menschen ist dies nicht leicht zu verstehen. Auf kurze Sicht erzeugt diese illegale Gewalt eine brutale Gegenwehr, durch die ihre Existenz erst gerechtfertigt werden soll – so dass heute die PSCs in Irak und Afghanistan Millionen-Dollar-Verträge erhalten, um den Widerstand zu bekämpfen, den sie selbst provoziert haben.

Aber das neue System eines indirekten Weltreichs scheint kein stabiles zu sein: wenn es momentan ein Nachlassen der Kämpfe in Irak gibt, so ist dies nur der Fall, weil gegnerische Kader es als ergiebiger ansehen, in Afghanistan zu kämpfen. Ein indirektes Herrschaftsimperium ist vielmehr ein gewalttätiger Ersatz für Politik – um Situationen zu bewältigen, die jedoch nur die Politik verbessern kann.

Wenn dieses Land dem Problem des Terrorismus mit Ernsthaftigkeit begegnen wollte, würde es versuchen, die Gegengewalt hervorrufende Unterdrückung in Afghanistan, Irak, Tschetschenien, Kaschmir, Libanon und Palästina zu vermindern statt zu erhöhen. Der jetzige Kurs wird den schlechter werdenden Status quo eher noch verschlimmern. Dazu kommt, dass er das Schwinden amerikanischer Ressourcen, amerikanischen Einflusses und Wohlwollen, selbst unter unseren Verbündeten, beschleunigen wird.

Ist der Gedanke utopisch, dass der gegenwärtige Kurs korrigiert werden kann? Wahrscheinlich ja, so lange die meisten Amerikaner glauben, dass 9/11 ein Angriff war, der allein von einer Gruppe bösartiger Araber durchgeführt wurde. Aber wenn gezeigt werden würde (wie Sibel Edmonds angedeutet hat), dass der 11. September ein Tiefenereignis war, in dem Leute des weltweiten Drogennetzwerks der USA verwickelt waren, könnte dies eine vernünftigere Politik zur Folge haben.

Was ich als weltweites Drogennetzwerk der USA bezeichnet habe war in der Vergangenheit für weltweite terroristische Aktivitäten wie Operation Condor verantwortlich, und auch für die Stärkung von Drogennetzwerken als so genannte Parallelregierungen in Ländern wie Laos, Pakistan, Libanon, Türkei und Kolumbien. Über Jahrzehnte verschloss dieses Land die Augen vor der Beteiligung der USA an dieser Lage und projizierte stattdessen die Verantwortlichkeit für den Terrorismus auf die Sowjetunion („das Reich des Bösen“) und in letzter Zeit auf Irak und Iran („die Achse des Bösen“).

Es wird nicht einfach sein, diese Jahrzehnte des Leugnens zu überwinden. Aber es ist ein notwendiger Schritt, der getan werden muss, um den Terrorismus einzudämmen und zu einer gesünderen Welt zurückzukehren.

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