10.000 Drogenkranke werden in Österreich mit Ersatzdrogen therapiert. Ein Millionengeschäft für nur sehr wenige Anbieter von Substitutions-Mitteln, die sich nun ein Match um Marktanteile liefern.

Wien. 30.000 Österreicher sind süchtig nach Opiaten wie beispielsweise Heroin. 9828 davon befanden sich Ende 2008 in einer sogenannten Substitutionstherapie mit Ersatzdrogen. Statt den Stoff von der Straße (mit allen seinen Nebenwirkungen) konsumieren die Patienten vom Arzt verschriebene Medikamente. Weil nun durchsickerte, dass im Gesundheitsministerium einmal mehr darüber nachgedacht wird, ob bestimmte Medikamente anderen vorzuziehen und wieder andere gar zu verbieten wären, ist zwischen den Herstellern der Präparate ein Kampf um Marktanteile ausgebrochen.

Es geht ums Geld. Ein Millionen-Euro-Geschäft um eine sichere, weil süchtige Kundschaft, um das nur eine Handvoll Anbieter rittert. Vereinfacht dargestellt verläuft die Frontlinie zwischen den beiden Unternehmen Mundipharma (Jahresumsatz 2007: 25 Mio. Euro) und Aesca Pharma (59 Mio.). Das Mundipharma-Produkt Substitol hat in Österreich einen Marktanteil von 62 Prozent (Quelle: Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit, Ages) und beschert dem Unternehmen ein Drittel des Umsatzes. Aesca kommt mit seinen Produkten Subutex und Suboxone zusammen auf 21 Prozent. Den Rest teilen sich Compensan von Lannacher (16 Prozent) und Kapanol von GlaxoSmithKline (ein Prozent). Weil Methadon direkt in Apotheken abgemischt wird, liegen der Ages dafür keine Zahlen zum Marktanteil vor. Insgesamt gaben die Sozialversicherungen 2007 20 Millionen Euro für Ersatzdrogen aus.Aesca stört nun, dass Österreichs Ärzte ihren Suchtpatienten nach wie vor häufig Substitol und Compensan, zwei sogenannte „retardierte Morphine“, verschreiben. Und das, obwohl ihre eigenen Produkte mit dem Wirkstoff Buprenorphin von der derzeit gültigen Verordnung des Gesundheitsministeriums als „Mittel erster Wahl“ bezeichnet werden.

Offenbar in der Hoffnung, mithilfe von medialem Druck in der geplanten Neufassung der Verordnung retardierte Morphine überhaupt zu verbieten, füttert Aesca über die Vermittlung einer PR-Agentur seit einiger Zeit Journalisten mit „Hintergrunddossiers“ über die Vorzüge der eigenen und die Nachteile der Konkurrenzprodukte von Mundipharma und Lannacher. Zum Teil mit Erfolg. In manchen Medien werden retardierte Morphine bereits als „Problemdrogen“ dargestellt. Im Zentrum der Kritik steht das relativ hohe Missbrauchspotenzial von retardierten Morphinen, die wegen möglicher Mehrfachverschreibungen von Ärzten und ihrer „kick“-ähnlichen Wirkung von Süchtigen gerne am Schwarzmarkt ver- und gekauft werden.

Dabei ist objektiv keines der genannten Medikamente besser oder schlechter, gefährlicher oder sicherer als das andere: Das sagt zumindest Marcus Müllner, Bereichsleiter für Arzneimittelsicherheit bei der Ages, die regelmäßig Ärzteberichte, Studien, Fachartikel und Pressemeldungen zum Thema analysiert. Interessant am Ages-Bericht ist auch, dass 2008 nur zwei ärztliche Meldungen über (geringfügige) Nebenwirkungen von Ersatzdrogen einlangten. Beide betrafen Suboxone von Aesca.

Ein der „Presse“ bekannter Arzt, der zahlreiche Suchtpatienten betreut, erinnert sich in diesem Zusammenhang an eine „seltsame Strategieänderung“ der Aesca-Vertreter, die ihn in den vergangenen Jahren regelmäßig aufsuchten, um die Vorzüge der eigenen Medikamente zu bewerben. Nachdem man jahrelang die angebliche Sicherheit von Subutex gegenüber den retardierten Morphinen in den Vordergrund gestellt hatte, legten die Vertreter dem Arzt bei ihrem letzten Besuch Studien vor, die plötzlich das hohe Missbrauchspotenzial von Subutex beschrieben und gleichzeitig die Vorzüge des direkten Nachfolgers Suboxone priesen.

Ärztekritik an Politvorschriften

Während die Politik die Entscheidung über bevorzugte Medikamente (und damit Marktanteile) hinausschiebt, wollen sich die Ärzte nicht mehr verunsichern lassen. Die Österreichische Gesellschaft für arzneimittelgestützte Behandlung von Suchtkrankheit (ÖGABS) hat daher ein (noch nicht veröffentlichtes) Grundsatzpapier erstellt, das auf Grundlage unabhängiger Studien feststellt, dass keines der am Markt befindlichen Medikamente generell besser oder schlechter ist als das andere.

Der Wiener Allgemeinmediziner Horst Schalk, der auch Drogenpatienten betreut, beschreibt das dann so: „Die Patienten sind verschieden und sprechen auf unterschiedliche Medikamente unterschiedlich an. Ein Arzt sollte seinen Patienten daher die Präparate verschreiben, auf die der Patient am besten anspricht

quelle:diepresse.com/home/panorama/oesterreich/477270/index.do