Die USA befinden sich nicht nur im Irak und in Afghanistan im Krieg. Sie sind auch in den Drogenkampf in Mexiko involviert – einen Konflikt direkt vor ihrer Haustür, der buchstäblich mit ihren eigenen Waffen ausgetragen wird: 90 Prozent der Gewehre und Granaten stammen aus den USA.

Von Ralph Sina, WDR-Hörfunkstudio Washington

Drogenkrieg in Ciudad Juarez (Foto: AP) Großansicht des Bildes

[Bildunterschrift: Eine Szene wie aus einem Kriegsgebiet: Patrouille vor einer Bar in Ciudad Juarez. ]
Er ist in den US-Nachrichtensendungen ständig präsent: der Krieg der mexikanischen Drogenbanden, nur wenige Meilen entfernt von der Grenze zu den Bundesstaaten Kalifornien, Arizona, Texas und New Mexiko. Immer mehr US-Bürger ahnen: Ihr Land ist nicht nur in die Kriege im Irak und in Afghanistan verwickelt, sondern in einen noch viel blutigeren Konflikt direkt vor ihrer Haustür, ausgefochten mit regelrechten Kriegswaffen.

Großteil der Waffen stammt aus US-Produktion

Waffen (Foto: dpa) Großansicht des Bildes

[Bildunterschrift: 90 Prozent der im Drogenkrieg eingesetzten Waffen stammen aus den USA. ]
90 Prozent dieser Waffen – darunter Maschinengewehre, Granaten und ferngezündete Bomben – stammen aus US-amerikanischer Produktion und wurden von Mittelsmännern der Drogenbanden auf dem Territorium der USA gekauft. Für die 7000 staatlich lizensierten US-Waffenläden entlang der amerikanisch-mexikanischen Grenze ist der eskalierende Krieg ein höchst profitables Geschäft. Wie der US-Fernsehsender NBC berichtet, versorgen diese Waffenläden Mexikos Mörderbanden buchstäblich mit allem – einschließlich schwerer Maschinengewehre, für die es ja dank einer Entscheidung des US-Kongresses und der ehemaligen Bush-Administration kein Verkaufsverbot mehr gibt.

28.000 Tote in dreieinhalb Jahren

„Ich denke, das ist ein Fehler“, gibt US-Außenministerin Hillary Clinton zu, als sie nach den US-Waffenlieferungen an Mexikos Drogen dealende Massenmörder gefragt wird. 28.000 Menschen starben in den letzten dreieinhalb Jahren im Kugelhagel rivalisierender mexikanischer Banden, darunter auch mehrere US-Bürger. Die Obama-Regierung fürchtet, der mexikanische Nachbar könne schon bald ein ‚failed state‘ werden, ein anarchisches Gebilde mit unkalkulierbaren Folgen für die direkt angrenzenden US-Bundesstaaten. Doch die Waffenlobby der USA sorgt dafür, dass der Verkauf von Kriegsgerät an Privatpersonen weiterhin möglich ist – und damit auch der Export an Mexikos Drogenmilizen.

Die versprochene Hilfe lässt auf sich warten

Dennoch behauptet US-Präsident Barack Obama, die mexikanische Regierung könne bei ihrem Kampf gegen die Drogenmafia auf die volle Unterstützung des nördlichen Nachbarn zählen. Fast alle Güterzüge Richtung Süden würden zum Beispiel von US-Sicherheitsbehörden genau überprüft. Als Partner gebe man der mexikanischen Regierung eben, was sie zum Erfolg im Drogenkrieg brauche.

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[Bildunterschrift: Ein vermummter Polizeibeamter vor einem Hotel in Ciudad Juarez.]
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[Bildunterschrift: Soldaten überwachen die Vernichtung von Drogen im Feuer.]

Doch das sind nur schöne präsidiale Worte. Die 1,3 Milliarden Dollar, die der US-Kongress bereits 2008 zur Bekämpfung des Drogenschmuggels bewilligt hatte, liegen immer noch auf US-Staatskonten. Verzweifelt warten die mexikanischen Drogenbekämpfer auf die von den USA seit Langem versprochenen Helikopter, Überwachungsflugzeuge und Drohnen. Man werde den mexikanischen Behörden bei der Bekämpfung der Geldwäsche durch Drogendealer helfen, versprachen die USA.

Waffen für Drogen

Doch bisher ist kaum etwas geschehen – obwohl mexikanische Drogenkartelle mittlerweile auch in den USA zu den größten kriminellen Vereinigungen zählen, so der Fernsehsender NBC. Kein Wunder: Die USA sind nicht nur der Hauptlieferant der Waffen, sondern auch der Hauptabnehmer der Drogen.

Man werde jetzt neue Programme zur Bekämpfung der Drogennachfrage in den USA umsetzen, verspricht Obama. Doch das dürfte eher eine stumpfe Waffe im Kampf gegen Mexikos Drogenbarone bleiben. Die morden in letzter Zeit gerne mit ferngezündeten Autobomben, wie jüngst im mexikanischen Bundesstaat Tamaulipas – ganz nach dem Vorbild von Al Kaida.