Viele Jahre stand die liberale Frankfurter Drogenpolitik in der Kritik – doch sie hat sich durchgesetzt.
Ab heute übernehmen nun sogar die Krankenkassen die Kosten der kontrollierten Abgabe von Heroin.
Die Stadt spart dadurch viel Geld.

Von hr-Reporterin Silja Tietz

Wie alle, die in der Frankfurter Heroinambulanz gelandet sind, hat Klaus (Name geändert) einen langen Leidensweg hinter sich. Über 30 Jahre nahm er Drogen, auch Heroin. Er konnte einfach nicht ohne. Durch die Behandlung in der Heroinambulanz im Frankfurter Ostend kam für ihn mit Anfang 50 aber die Zuversicht zurück: „Das ist das erste Mal, dass ich mich so stabil fühle, dass ich mir vorstellen kann, ein normales Leben zu führen, mit Arbeit, unabhängig und selbstständig“. In der Heroinambulanz bekommen schwerstabhängige Menschen wie Klaus künstlich hergestelltes Heroin vom Arzt – so genanntes Diamorphin.

Zurzeit kommen 104 schwerstabhängige Menschen regelmäßig in die Heroinambulanz, keine Therapie half ihnen bislang aus dem Drogensumpf. Drei Mal am Tag bekommen sie von einem Arzt Diamorphin. So sollen sie es schaffen, wieder ein normales Leben zu führen, so Wilfried Köhler, der Leiter der Heroinambulanz. „Viele Menschen kommen von der Straße, allen sozialen Bezügen entrissen. Nach einer Woche sagen sie ‚Guten Tag‘ und ‚Danke schön‘. Das klingt banal – aber es illustriert, was für ein Prozess in Gang kommt.“

Nun übernehmen die Krankenkassen die Kosten für die Behandlung. Das hat der Bundestag im Frühjahr so entschieden. Nach langen Kämpfen hat sich damit die Idee der Heroinambulanz durchgesetzt. Für einige wenige Schwerstabhängige, die mehrere erfolglose Therapien hinter sich haben, ist der kontrollierte Drogenkonsum der einzige Weg zurück zu einem halbwegs normalen Leben. Für die Krankenkassen fallen Kosten von jährlich rund 11.500 Euro pro Patient an. Damit habe sich auch die liberale Frankfurter Drogenpolitik durchgesetzt, so Gesundheitsdezernentin Manuela Rottmann (Grüne). „Es war uns immer klar, dass wir einen kleinen Teil der Ausstiegswilligen mit anderen Programmen nicht erreichen. Für diese kleine Gruppe ist die Diamorphinabgabe der Weg in ein normales Leben.“

Krankenkassen müssen 1,5 Millionen Euro zahlen

Noch im Herbst 2007 drohte der Heroinambulanz im Ostend das Aus. Das auf vier Jahre angelegt Modellprojekt war zu Ende. Die Bundesregierung wollte die Drogenabgabe nicht mehr zulassen. Nach viel Überzeugungsarbeit von Politikern aller Parteien in Frankfurt kam es aber anders. Durch die Bundestagsentscheidung gehört die Abgabe künstlichen Heroins an Schwerstabhängige nun sogar zum Leistungskatalog der Krankenkassen. Die Stadt Frankfurt spart damit 1,5 Millionen Euro im Jahr.

Das sind Kosten, die nun die Krankenkassen tragen müssen. Meinhard Johannidis vom hessischen Verband der Ersatzkassen sieht das kritisch. „Wir sind der Auffassung, dass die Behandlung mit Diamorphin nicht nur Aufgabe der Krankenkassen ist, sondern eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe.“

Manche schaffen den Sprung in ein drogenfreies Leben

Für die Schwerstabhängigen in der Frankfurter Heroinambulanz gibt es nun aber eine dauerhafte Perspektive. Die bisherigen Erfolge in Frankfurt machen Gesundheitsdezernentin Rottmann auch für die Zukunft zuversichtlich. „Die soziale Situation der meisten hat sich ganz schnell verbessert, viele sind obdachlos und isoliert und das ändert sich ganz schnell.“ Auch den kompletten Ausstieg schaffen manche: Im vergangenen Jahr hätten immerhin fünf Patienten den Absprung in ein drogenfreies Leben geschafft.

Zitat:

Die Aufnahme in den Regelkatalog der Krankenkassen bedeutet
das Menschen nun das Anrecht auf diese Behandlung haben,
Patienten koennen diese nun einklagen

quelle: http://www.hr-online.de/website/rubriken/nachrichten/indexhessen34938.jsp?rubrik=36082&key=standard_document_39860123