Konzeptionelle Fragen betreffend „drogenbedingte Todesfälle”
Der Begriff „drogenbedingter Todesfall” ist nicht leicht einzugrenzen. Es ist wichtig, sowohl direkte („Überdosis”) als auch indirekte (Aids, Unfälle usw.) drogenbedingte Todesfälle zu berücksichtigen. Es sind sehr unterschiedliche Methoden und Datenquellen erforderlich, um die verschiedenen mit dem Drogenkonsum verbundenen Todesursachen zu bewerten.
Die EBDD-Definition für drogenbedingte Todesfälle
Die EBDD-Definition für drogenbedingte Todesfälle im Schlüsselindikator „Drogenbedingte Todesfälle und Mortalität von Drogenkonsumenten” bezieht sich auf jene Todesfälle, die direkt durch den Konsum von Missbrauchsdrogen verursacht werden. Diese Todesfälle ereignen sich im Allgemeinen kurz nach dem Konsum der Substanz/en.

Praktisch werden die Fälle wie folgt ausgewählt:

(1) Die bevorzugte Methode zur Schätzung der Zahl der Todesfälle besteht darin, die Fälle den vorhandenen allgemeinen Todesursachenregistern gemäß folgenden Kriterien auf der Grundlage der Internationalen Klassifikation der Krankheiten der Weltgesundheitsorganisation, 9. Ausgabe –ICD-9 – zu entnehmen (ICD-10 siehe weiter unten).
Es werden Fälle berücksichtigt, bei denen die eigentliche Todesursache Drogenpsychose, Medikamenten- oder Drogenabhängigkeit, Drogenkonsum ohne Abhängigkeit, unbeabsichtigte Vergiftung, Selbstmord und selbst zugefügte Vergiftung oder Vergiftung unter unbestimmten Umständen ist.

Es werden Fälle berücksichtigt, bei denen die Todesursache auf in einer Standardliste aufgeführte spezifische Drogen zurückzuführen ist: Opiate, Kokain, Amphetamine und zugehörige Derivate, Cannabis und Halluzinogene.

Im Einzelnen sind die folgenden ICD-9-Codes zu verwenden:

Kategorie drogenbedingter Todesfälle Ausgewählte(r) ICD-9-Code(s)
Drogenpsychose 292
Medikamenten- und Drogenabhängigkeit 304.0, 304.2–9
Drogen- und Medikamentenmissbrauch ohne Abhängigkeit 305.2–3, 305.5–7, 305.9
Unbeabsichtigte Drogenvergiftung E850.0, E850.8 (1), E854.1-2, E855.2 und E858.8 (1)
Tod durch Selbstmord und selbst zugefügte Drogenvergiftung E950.0 (1),E950.4 (1)
Drogenvergiftung, unklar, ob unbeabsichtigt oder vorsätzlich E980.0 (1), E980.4 (1)
(1) In Verbindung mit den N-Codes (N965.0 und/oder N968.5 und/oder N969.6 und/oder N969.7).

Diese Auswahl wurde von der EBDD-Expertengruppe für drogenbedingte Todesfälle vereinbart. Sie heißt „Auswahl B”.

Was die 10. Ausgabe der Internationalen Klassifikation der Krankheiten anbelangt, wird die Auswahl in enger Absprache mit Experten von Eurostat und der WHO entwickelt, wobei die Arbeiten schon recht weit fortgeschritten sind, und von der EBDD-Expertengruppe im Laufe des Monats Juni 2002 erörtert.

Die (zur Diskussion gestellte) vorläufige Auswahl der ICD-10-Codes für die Schätzung der Zahl der drogenbedingten Todesfälle sieht wie folgt aus:

  • Schädlicher Gebrauch, Abhängigkeit oder andere psychische Störungen oder Verhaltensstörungen aufgrund von:
    • Opioiden (F11)
    • Cannabinoiden (F12)
    • Kokain (F14)
    • anderen Stimulanzien (F15)
    • Halluzinogenen (F16)
    • multiplem Substanzgebrauch (F19).
  • unbeabsichtigte Vergiftung (X41, X42), vorsätzliche Selbstvergiftung (X61, X62) oder Vergiftung, Umstände unbestimmt (Y11, Y12) durch:
    • Opium (T40.0)
    • Heroin (T40.1)
    • andere Opioide (T40.2)
    • Methadon (T40.3)
    • Wird noch erörtert: andere synthetische Betäubungsmittel (T40.4)
    • Kokain (T40.5)
    • Wird noch erörtert: andere, nicht spezifizierte Betäubungsmittel (T40.6)
    • Cannabis (T40.7)
    • Lysergid (T40.8)
    • Wird noch erörtert: andere, nicht spezifizierte Psychodysleptika (T40.9)
    • Psychostimulanzien (T43.6)

Die T-Codes sind in Verbindung mit den jeweiligen X-Codes und Y-Codes auszuwählen.

(2) Eine alternative Methode besteht darin, die Zahl der Todesfälle dadurch zu schätzen, dass man die Fälle den vorhandenen (gerichtsmedizinischen oder polizeilichen) Spezialregistern entnimmt. Die auf den Spezialregistern beruhende Methode wird in Ländern angewandt, in denen die bevorzugte Methode nicht durchgeführt werden kann, wobei sie aber auch – wann immer möglich – herangezogen wird, um mit den entsprechenden Schätzungen die allgemeinen Todesursachenregister zu untermauern.
Es werden Fälle berücksichtigt, wenn der Tod durch unbeabsichtigte Vergiftung, in Selbstmordabsicht oder unter unbestimmten Umständen verursacht wurde.

Es werden Fälle berücksichtigt, wenn der Tod durch Opiate, Amphetamine, Kokain (oder Crack), Cannabis, Halluzinogene, Lösungsmittel oder synthetische Designerdrogen wie Amphetaminderivate verursacht wurde.

Es gibt im Einzelnen die folgenden Gruppen von Todesfällen:

Kategorie drogenbedingter Todesfälle Ausgewählte Gruppen
Vergiftung durch Unfall, in Selbstmordabsicht oder unter unbestimmten Umständen Nur Opiate (nur Methadon ausgenommen)
Nur Methadon Polysubstanzen, einschließlich Opiaten
Polysubstanzen, ausgenommen Opiate Nicht spezifiziert/unbekannt
Anmerkungen:

— In der Kategorie „Polysubstanzen” sollte mindestens eine der oben genannten Substanzen enthalten sein.

— Die Kategorie „nicht spezifiziert/unbekannt” wird verwendet, wenn angenommen wird, dass eine der oben erwähnten Substanzen darin enthalten ist.

Diese Auswahl wurde von der Expertengruppe der EBDD vereinbart. Sie heißt „Auswahl D”.

quelle: http://ar2002.emcdda.europa.eu/de/popups/olbox09-de.html