Archive for 21/11/2010


Leistungen, die nicht den vertragsärztlichen Vorschriften entsprechen, dürfen von Vertragsärzten nicht erbracht und von Kassenärztlichen Vereinigungen nicht honoriert werden. Dies hat das Bundessozialgericht (BSG) entschieden. Streitig war die Vergütung für eine Substitutionsbehandlung, die im Widerspruch zur Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) zur Bewertung medizinischer Untersuchungs- und Behandlungsmethoden gemäß § 135 Absatz 1 SGB V stand.

Der Kläger, der als Arzt ohne Gebietszeichnung über eine Berechtigung zur Durchführung und Abrechnung von Methadon-Substitutionsbehandlungen bei manifest Opiatabhängigen verfügt, behandelte einen Versicherten von 1995 bis zu Beginn des Jahres 2005. Nachdem der Versicherte zwischendurch bei einem anderen Arzt in Behandlung gewesen war, meldete ihn der klagende Arzt im Juli 2005 erneut zur Substitutionsbehandlung an. Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) ließ eine Evaluierung des Behandlungsfalls durch ihre Qualitätskommission durchführen, die zu der Auffassung gelangte, dass die Substitutionsbehandlung wegen des hohen Benzodiazepin-Konsums des Versicherten nicht mehr weitergeführt werden könnte. Die KV gab dem Kläger mit Bescheid auf, die Substitutionsbehandlung des Versicherten durch Ausschleichen spätestens zum 13. Februar 2006 zu beenden. Widerspruch und Klagen blieben ohne Erfolg.

Auch das BSG kommt zu der Auffassung, dass die Substitutionsleistungen des Arztes nicht mehr zu vergüten sind. Nach der Richtlinie des G-BA ist die Substitution zu beenden, wenn der Gebrauch von Suchtstoffen neben der Substitution ausgeweitet oder verfestigt wird. Die KV ist nicht gehindert, durch Verwaltungsakte die Vergütungsfähigkeit von Substitutionsleistungen ab einem bestimmten Zeitpunkt in der Zukunft zu verneinen. In der Entscheidung der KV, derartige Leistungen nicht als vertragsärztliche Leistungen anzusehen und nicht zu vergüten, liegt auch keine berufswidrige Weisung eines Nichtarztes. (Bundessozialgericht, Urteil vom 23. Juni 2010, Az.: B 6 KA 12/09 R) RAin Barbara Berner

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dpa

London – Die Substitution von Drogen­abhängigen mit Methadon oder Buprenorphin ist nicht ohne Risiken. Vor allem in der ersten Woche und nach dem Abbruch der Therapie kommt es häufiger zu Todesfällen durch Überdosierungen.

Dennoch bessert die Substitutionsbehandlung die Überlebenschancen der Abhängigen, wie die Erfahrungen des britischen Substitutions­programms im britischen Ärzteblatt (BMJ 2010; 341: c5475) zeigen.

Die General Practice Research Database (GPRD), die weltweit größte Sammlung elektronischer Krankenakten, erfasst mittlerweile 3,5 Millionen britische Hausarzt-Patienten oder 5,5 Prozent der britischen Bevölkerung. Darunter sind auch 5.577 Patienten, die seit 1990 an einer Opiat-Substitution teilnahmen.

Anfangs wurde hierzu Methadon eingesetzt, inzwischen bevorzugen viele Ärzte Buprenorphin. Eines der Ziele der Therapie, die Senkung der Drogentoten, wurde nicht erreicht, schreibt die Gruppe um Matthew Hickman von der Universität Bristol, die die GPRD-Daten ausgewertet hat und dabei auf eine Erklärung für viele Todesfälle stieß.

178 Patienten, das sind immerhin 3 Prozent der Substituierten starben entweder in den ersten zwei Wochen der Substitution oder aber nach dem Ende oder dem Abbruch der Therapie. In den ersten beiden Wochen war die Sterberate dreimal höher und nach dem Ende sogar acht- bis neunfach höher als zu anderen Zeiten der Therapie.

Dafür gibt es laut Hickman nur eine Erklärung: eine Opiatüberdosierung. Sie droht zu Beginn der Substitution, wenn die Ärzte die benötigte Dosis zu hoch einschätzen, was vor allem beim Methadon leicht möglich sei.

Oder aber die Abhängigen spritzen entgegen der Absprachen weiterhin Heroin oder andere Opiate. Im Verlauf einer erfolgreichen Substitution sinkt die Opiattoleranz: Abhängige, die nach dem Ende wieder rückfällig werden und dabei mit der früheren Dosis beginnen, laufen Gefahr sich einen „goldenen Schuss“ zu setzen.

Trotz dieser Risiken ist das Sterberisiko unter der Substitutionstherapie niedriger als bei nicht behandelten Patienten. Deren Sterberate ist nämlich zehnmal höher als beim Rest der Bevölkerung und Drogenabhängige, die die Substitution über 12 Monate oder länger durchhalten, haben laut den Berechnungen von Hickmann eine 85-prozentige Chance ihre Sterblichkeit zu senken. © rme/aerzteblatt.de