Archive for 15/02/2011


Geld aus Drogengeschäften korrumpieren Regierungen und lösen weltweit Gewalt aus. Warum wir einen pragmatischeren Ansatz zur Bekämpfung brauchen.

Aufgrund der direkten Demokratie in der Schweiz können die Bürger dieses Landes durch das Sammeln von genügend Unterstützungsunterschriften landesweite Referenden über Regierungspolitik und Gesetze veranlassen.

To match Special Report RUSSIA/HEROIN
Foto: REUTERS Den Besitz illegaler Drogen zu entkriminalisieren, führt nicht nur zu mehr Drogenkonsumenten in Behandlung (statt im Gefängnis), sondern auch zu einem bedeutenden Rückgang der Ansteckungen von Drogenkonsumenten mit HIV

Nach einer Welle von Aids-Todesfällen in den 1980er Jahren, sahen sich die Schweizer mit einem Problem konfrontiert, das in den USA, Russland, Lateinamerika, der Europäischen Union, Südasien und anderen Regionen dieser Welt schon Millionen Menschenleben gekostet hat. Intravenös injizierende Drogenkonsumenten – vor allem Heroinabhängige – hatten öffentliche Plätze in Zürich und anderen Schweizer Städten in so genannte „Needle Parks“ verwandelt. AIDS erwies sich als Krankheit, die offenbar auch vor dem Wohlstand nicht Halt macht.

Die Schweizer reagierten auf das Problem nicht mir jener Art von Nachlässigkeit, mit der die russische Regierung bislang auf ihre Heroin- und HIV-Epidemien reagiert hat – dort gibt es über zwei Millionen Drogenkonsumenten und eine geschätzte Million Menschen mit HIV-Infektion, von denen sich über 60 Prozent durch kontaminierte Nadeln ansteckten. Ebenso wenig reagierten die Schweizer mit einem „Krieg gegen Drogen“ oder mit noch mehr Geld für mehr Polizei, mehr Gefängnisse und zwingende Haftstrafen.

Dieser Krieg ist nämlich endgültig verloren. In den USA sitzen heute mehr Menschen im Gefängnis als in jedem anderen Land und dies ist größtenteils auf die sprunghaft steigende Zahl von Verurteilungen aufgrund von Drogen zurückzuführen, wobei die Zahl afroamerikanischer und hispanoamerikanischer Insassen überproportional hoch ist.

Der Krieg gegen Drogen ermöglichte den Drogenkartellen höhere Profite als jemals zuvor und verwandelte in Lateinamerika ganze Städte in Feudalgebiete. Drogengelder korrumpieren demokratische Regierungen und Institutionen der Gesetzesvollstreckung auf der ganzen Welt. Gewalt im Zusammenhang mit Drogen hat in Afghanistan, Burma, Kolumbien, den USA und Mexiko unzählige Opfer gefordert.

Die Schweizer überprüften die Drogenpolitik ihrer Regierung mit Pragmatismus. Fachleute aus dem medizinischen Bereich übernahmen die Führung einer Kampagne, mit der die Regierung – durch die Mechanismen der direkten Demokratie – dazu gebracht werden sollte, ihren Schwerpunkt von Haft und Strafen für Drogenkonsumenten hin zu einer Gesundheitspolitik zu verlagern, die auf Grundlage wissenschaftlicher Erkenntnisse erhebt, welche Ansätze funktionieren.

Die Schweizer führten Methadonprogramme ein und um die Ansteckung mit HIV zu vermeiden, wurde der Nadelaustausch – auch in Gefängnissen – etabliert. Überdies wurden im großen Maßstab Drogenkonsumräume geschaffen. Das Schweizer Bundesamt für Gesundheit überwachte auch ein Experiment, im Zuge dessen man Heroin an Personen verschrieb, die über lange Zeit von Opiaten abhängig waren.

Die sorgfältige Auswertung dieses Ansatzes durch die Schweizer Regierung zeigte, dass eine heroingestützte Therapie sowohl machbar als auch kosteneffizient ist und dass sie für die Patienten mit signifikanten Verbesserungen der Gesundheit einhergehen kann. Außerdem wurde damit ein Beitrag zu einem erstaunlichen Rückgang der Drogenkriminalität geleistet. Die Schweizer Öffentlichkeit war von den Vorteilen der heroingestützten Therapie so überzeugt, dass die Bürger diese Politik trotz politischer Opposition im eigenen Land und Kritik des Internationalen Suchtstoffkontrollrats in zwei landesweiten Referenden unterstützten.

Die Schweiz ist ein konservatives Land. Der Handel mit Suchtstoffen bleibt weiterhin illegal. Im November 2008 wurde ein Antrag für eine Entkriminalisierung von Cannabis nach holländischem Muster abgelehnt. Und manche politischen Entscheidungsträger fragen sich, ob sich der Schweizer Ansatz in der Drogenpolitik zu sehr auf die öffentliche Gesundheit und zu wenig auf die Bekämpfung von Armut und soziale Ausgrenzung konzentriert, mit der sich die Drogenkonsumenten konfrontiert sehen.

Der pragmatische Ansatz der Schweiz hinsichtlich des Drogenmissbrauchs bietet dennoch wichtige Lehren, die auch auf die USA, Russland und viele andere, von Drogen und HIV/AIDS belastete Länder in deren Einflussbereich angewendet werden können. Ähnlich verhält es sich mit den Erfahrungen in Portugal, das vor einem Jahrzehnt die EU-Rangliste der mit Drogen in Zusammenhang stehenden HIV/AIDS-Fälle anführte.

Die Entscheidung Portugals aus dem Jahr 2001, den Besitz illegaler Drogen zu entkriminalisieren, führte nicht nur zu mehr Drogenkonsumenten in Behandlung (statt im Gefängnis), sondern auch zu einem bedeutenden Rückgang der Ansteckungen von Drogenkonsumenten mit HIV.

Eine Lehre für politische Entscheidungsträger besteht darin, dass es von zentraler Bedeutung ist, die neuen Programme auf Grundlage strenger wissenschaftlicher Überprüfung – und nicht auf Basis populistischer Rhetorik, religiösem Moralismus und Großstadtlegenden – durchzuführen.

Dies erfordert die Koordination von Polizeiarbeit und Gesundheitsprogrammen innerhalb eines einheitlichen Rahmenwerks, Investitionen in Forschung und öffentliche Aufklärung über Drogenpolitik, die Öffnung neuer Programme gegenüber unabhängiger Überprüfung und die Fähigkeit, ideologischer Kritik auf nationaler und internationaler Ebene mit wissenschaftlichen Beweisen und Pragmatismus entgegenzutreten.

Um diese und andere bedeutende Lehren zu vermitteln sowie weltweit für eine effektive, schadensmindernde Politik – sowie eine breitere öffentliche Debatte über effizientere und humanere Drogenpolitik – einzutreten, haben wir gemeinsam mit bedeutenden Persönlichkeiten die Globale Kommission zur Drogenpolitik ins Leben gerufen, die im Januar in Genf ihre Gründungsversammlung abhielt.

Unser Ziel ist zu beweisen, dass der Krieg gegen Drogen verloren ist. Die Schweiz, Portugal und andere Länder haben gezeigt, dass es einen besseren Weg gibt, indem man Pragmatismus und Wirtschaftlichkeit mit Mitgefühl und Respekt vor den Menschenrechten kombiniert.

Fernando Henrique Cardoso war von 1995 bis 2003 Präsident Brasiliens und ist nunmehr Vorsitzender der Globalen Kommission zur Drogenpolitik. Michel D. Kazatchkine ist Geschäftsführer des Globalen Fonds zur Bekämpfung von AIDS, Tuberkulose und Malaria.

Siehe auch https://exilope.wordpress.com/2011/02/04/neue-wege-in-d…-drogenpolitik/

quelle is die Welt: http://www.welt.de/debatte/die-welt-in-worten/article12462030/Der-Krieg-gegen-Drogen-ist-schon-lange-verloren.html

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When Charlie Sheen finally entered rehab, it wasn’t terribly shocking news. But what most people did find surprising was that instead of checking into a swanky Malibu treatment center as he has done in the past, Sheen opted to receive in-home rehab. Immediately the media began criticizing his choice and questioning his commitment to getting sober.

There are undoubtedly certain challenges related to in-home rehab, but are you really guaranteed better care if you check into a treatment center?

Absolutely not, thanks to the lack of standardization in our current rehab system.

Each year, about three million Americans seek help from a seemingly endless list of treatment facilities. But who is ensuring these treatment centers are qualified to effectively treat them?

With a lax application process for state licensure and certification, there is little accountability placed on facilities, or their ownership, to ensure proper treatment is being offered. With more than 12,000 rehab centers in the country, the odds of finding the one that best fits your needs are next to impossible.

When treatment fails, which it often does, it is then assumed to be the addict who failed, when in reality it was often the addict who was failed by a flawed system.

This leads to a vicious cycle of relapse — a story all too familiar to families struggling with addiction, not to mention one we’ve seen repeatedly played out by Hollywood stars.

It is true that some don’t take advantage of their treatment and fail at sobriety on their own, but others simply weren’t given a chance to succeed.

This is made worse by the fact that most rehab clinics market themselves as „all inclusive“ — able to treat any type of addiction disorder — which most are certainly not. Addicts and their families are often so desperate to get help that they select a rehab clinic based on cost and availability, without understanding whether or not the care providers are properly certified in the type of addiction that affects them or are qualified to fulfill any additional needs they might have (including mental health needs).

This is especially true of first-timers (over 60 percent of those seeking addiction treatment are first-timers). They don’t know what questions to ask or even what they are looking for out of a treatment center, making it nearly impossible to find the right option for their individual needs.

We need to try and get some measure of standardization into the system so that we are able to match those looking for treatment with providers that fit their needs. Currently, there is essentially no oversight regarding the services addiction treatment providers report and their actual capabilities for providing those services.

In the place of a centralized federal or state-level vetting system, there are some private groups that provide directories. But it is not easy to tell how well these directories actually vet the treatment centers listed. It is critical for treatment candidates to know exactly what type of credentialed treatment services are provided. This should be provided by the public health departments, but until that happens, it’s basically „every man for himself.“ (At my site All About Addiction, we recently launched our own „rehab finder,“ to provide a vetting system in the meantime.)

We believe this is a crucial element for successful treatment; especially when you consider that more than 50 percent of addicts suffer from mental health issues, meaning they need special care by a trained professional. And while some may promise this, there is no verification process to ensure they are able to deliver on their promise.

In fact, a huge survey of the addiction treatment industry found that more than 20 percent of addicts entering treatment were missing crucial mental health services that they needed. (About 50 percent were missing other necessary medical services.)

Rehab is a business — a booming one, at that — and right now it is too easy to sell the idea of recovery. Because there is no model of care to follow, the system is compromised with clinics that don’t know how to do things better, some that limit their treatment due to dogma and other centers that are actually trying to „game“ the system.

The bottom line is, without some level of standardization, treatment becomes nothing more than a crapshoot. You are left at the mercy of a broken system and never know what kind of treatment you are going to receive until it is too late.

Right now, you could easily check into rehab facility and find they offer nothing more than an expensive 12-step program. This is unacceptable. We have tools, like cognitive behavioral therapy and motivational enhancement therapy, which we know are effective, we just need to ensure they are part of the treatment model being offered to patients.

Add to that some very effective, if poorly utilized, medications and it’s clear we’re handicapping our patients, pun and all.

However, there is hope, and a better way of doing things, but it will require us to adopt a more progressive model of treatment.

Our society has too readily accepted the supposed „fact“ that recidivism rates are high, and will always be high, for addicts. The fact of the matter is that the treatment process itself is deeply flawed and until we fix the model of care for recovering addicts, we will never be able to truthfully tell how many of them can recover. Addiction isn’t a death sentence. It is a treatable disease; we need to acknowledge that the way we are doing things doesn’t work and do something to change it.

After many years of trial and error, researchers and doctors have finally begun to grasp what works and what doesn’t in terms of treating addiction.

It is now our job and our responsibility to start developing a system that gets the proper treatment to the people who need it.

Any doctor will tell you, there are no guarantees with addiction. All we can do is give people the best shot at treatment, and sadly, right now, our system is failing at that.

Adi Jaffe,
AlterNet
February 11, 2011

http://www.alternet.org/story/149898/

Adi Jaffe, Ph.D. is a Los Angeles addiction psychologist and researcher. Himself a former drug addict and convicted drug dealer, Dr. Jaffe is an expert on substance abuse, especially on the neuroscience and policy issues involved. Today, he is a UCLA-affiliated researcher on addictions, founder of AllAboutAddiction.com and a columnist for Psychology Today.

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