Die verbreitete Ansicht, dass Opioide sich nicht in ihrem Risikoprofil unterscheiden, muss möglicherweise revidiert werden. Ergebnissen einer Kohortenanalyse zufolge könnte eine länger andauernde Therapie mit Codein das kardiovaskuläre Risiko erhöhen, das Sterberisiko unter Codein und Oxycodon könnte steigen.

Immer wieder werden Ärzte aufgefordert, auch bei schweren, nicht tumorbedingten Schmerzen Opioide einzusetzen. Dabei ist, anders als bei nichtsteroidalen Antirheumatika, wenig darüber bekannt, wie die Risiken der einzelnen Opioide im Vergleich aussehen und ob die Annahme, dass sich Opioide in ihrem Risikoprofil ähneln, richtig ist. Deshalb wurden in einer amerikanischen Kohortenanalyse die Opioide Codein, Hydrocodon, Oxycodon, Propoxyphen und Tramadol im Hinblick auf ihr Risiko für Frakturen, kardiovaskuläre Ereignisse, gastrointestinale Komplikationen und die Sterblichkeit verglichen. Dazu wurden 6.275 Patienten nach dem Propensity-score-matched-Verfahren den fünf Opioid-Gruppen zugeordnet.

Kardiovaskuläre Ereignisse traten 30 Tage nach Behandlungsbeginn in allen Gruppen ähnlich häufig auf, waren jedoch nach 180 Tagen unter Codein erhöht (RR, 1,62; 95% CI, 1,27 – 2,06). Das Frakturrisiko war im Vergleich zu Hydrocodon nach 30 Tagen Einnahme von Tramadol und Propoxyphen signifikant reduziert. Keine Unterschiede wurden im Hinblick auf gastrointestinale Komplikationen gefunden. Dagegen war die Gesamtsterblichkeit im Vergleich zu Hydrocodon nach 30 Tagen Oxycodon-Therapie 2,4-fach, nach Codein-Therapie 2,05-fach erhöht. Die Autoren diskutieren, dass das erhöhte Sterberisiko in Zusammenhang mit kardiovaskulären Ereignissen stehen könnte oder aber auf weitere, nicht erfasste Confounder zurückzuführen ist. Insgesamt muss nach den Ergebnissen dieser Studie davon ausgegangen werden, dass sich Opioide in ihrem Risikoprofil unterscheiden. So ist bei Codein ein erhöhtes kardiovaskuläres Risiko bei längerer Anwendung nicht auszuschließen. Dieses Ergebnis ist überraschend und muss nach Ansicht der Autoren in weiteren Studien validiert werden.

 

Quelle: Salomon DH et al.: The Comparative Safety of Opioids for Nonmalignant Pain in Older Adults. Arch Intern Med 2010; 170(22): 1979-1986

 

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