Zusammenfassung

Bedeutungsinhalte und Konsummotive von Drogen haben sich in der Geschichte wechselseitig verändert. Das gilt auch für Substanzen, die heute unter dem Begriff hard drugs firmieren. Den Auftakt für deren weltweite Prohibition markierte die erste internationale Opiumkonvention von 1912. Gründe für dieses Abkommen sind zum einen im 19. Jahrhundert zu suchen. Die Briten intensivierten seit den 1820er Jahren den Opiumhandel mit China, der zwischen 1839 und 1860 in zwei Opiumkriege mündete, mit denen die Legalisierung des Opiums in China erzwungen wurde. Zum anderen tauchten in den um 1900 rasch wachsenden Städten der westlichen Welt Drogenkonsumenten auf, unter denen bestimmte Gruppen stigmatisiert bzw. als soziales Problem betrachtet wurden: so in den USA nicht etwa Morphinisten aus der Oberschicht, sondern Opium rauchende, chinesische Migranten und urbane Jugendgruppen, die unter anderem Heroin konsumierten. Unter dem Eindruck der Folgen des in China massenkonsumierten Opiums und der Angst vor einem expandierenden Drogenkonsum in der eigenen Gesellschaft formierte sich in den USA, Großbritannien und anderen europäischen Ländern im ausgehenden 19. Jahrhundert eine Anti-Opium-Bewegung, die auf ein globales Verbot von Opiaten, Kokain und später auch Cannabis hinarbeitete. Im Verlauf des 20. Jahrhunderts wurde das Prohibitionsregime zunehmend ausgebaut, was die Entstehung von hochprofitablen Schwarzmärkten förderte. Über Jahrzehnte konzentrierte sich die Bekämpfung des Drogenhandels auf repressive Maßnahmen und kulminierte seit den beginnenden 1970er Jahren im war on drugs. Wiederum wurden dabei nicht etwa Kokainkonsumenten aus wohlsituierten Kreisen problematisiert, sondern wegen ihrer Drogenabhängigkeit sozial gescheiterte Existenzen. Nicht zuletzt der Einsicht geschuldet, dass der Kurs dieser Prohibitionspolitik weitgehend kontraproduktiv war, sind seit einiger Zeit neue Ansätze erkennbar. Sie diffamieren Drogenkonsumenten nicht mehr als soziale Außenseiter, sondern setzen auf harm reduction. Dabei gewinnt auch die Erkenntnis an Boden, wie omnipräsent unterschiedlichste Drogen in unseren Gesellschaften sind und wie willkürlich die Grenzlinie zwischen legal und illegal in der Vergangenheit gezogen wurde.

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Im historischen Rückblick zeigt sich, dass das, was zu verschiedenen Zeiten und an verschiedenen Orten als „Droge“ definiert und begehrt oder gefürchtet wurde, äußerst veränderbar war. Psychoaktive Stoffe werden mit ganz unterschiedlichen Phänomenen und Problemen, mit denen sich Gesellschaften auseinanderzusetzen haben, in Verbindung gebracht. [1] In unserem Alltagsverständnis ist der Begriff „Droge“ zudem gespalten. Zum einen wird er im weitest möglichen Sinne verwendet. Weit davon entfernt, an Materialität gebunden zu sein, kann er sich auf alles und jedes beziehen, was über das normale Mittelmaß hinausreicht und den Menschen das Gefühl gibt, dass es über die Routinen des täglichen Lebens hinaus noch eine Welt gibt, in der Außerordentliches möglich ist und auch passiert.

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So analysiert etwa der Literaturwissenschaftler Peter von Matt das „Faktum“, dass die Geschichte einer Droge gleichkomme, die periodisch nationale Rauschzustände erzeuge, auf die dann der Cafard, die „graue Ernüchterung“, folge. Die „Intoxikation mit Heldenfabeln“ löse eine „gemeinschaftliche Erregung“ und eine „kollektive Anästhesie“ aus, die gegenüber den verübten Gewalttaten und dem Leiden der Opfer abstumpfe. [2] Das ist eine sehr weite Definition von Rauschdroge, die sich auch auf andere Ideologien und Betätigungen übertragen lässt, wie das Bergsteigen, die Sexualität oder das Spielen.

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Zum andern finden wir eine akute Engführung des Drogenbegriffs. Der Slogan „No drugs“ propagiert Abstinenz gegenüber jenen Substanzen, die im 19. Jahrhundert zu „Rauschgiften“ umdefiniert wurden, im Verlaufe des 20. Jahrhunderts auf die Liste der Betäubungsmittel gerieten und damit zunehmend in die Illegalität und auf Schwarzmärkte abgedrängt wurden. Drogen sind hier per definitionem jene Stoffe, die verboten sind. Die Promotoren der Prohibition erklärten immerzu, das Verbot sei nötig, weil diese Substanzen zu gefährlich seien. [3] Der umgekehrte Zusammenhang und auch die Tatsache, dass mit der Prohibitionspolitik bestimmte soziale Gruppen marginalisiert und Menschen stigmatisiert, wurden so wie damit überhaupt symbolische Gesellschaftspolitik betrieben wurde, sind hingegen kein Thema. Im Folgenden soll das Drama der Drogenprohibition im Zeitraffer so nüchtern wie möglich dargestellt werden.

Heterogene Anfänge der neuen Drogenprohibition

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Schon in der Frühen Neuzeit wurden viele Stoffe, die im Zuge der kolonialen Expansion nach Europa kamen, als Gefahr für die soziale Ordnung wahrgenommen und verboten. Regierungen und religiöse Gewalten richteten sich vor allem gegen den Konsum von Tabak, Tee, Schokolade und Kaffee. [4] Von diesen Bestrebungen, Drogen zu unterdrücken, führt allerdings kein direkter Weg in die moderne Prohibitionspolitik, wie sie seit Ende des 19. Jahrhunderts aufkam und sich zunächst gegen das Opium richtete.

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Die Anfänge dieser Verbote sind vielfältig und sie sind in internationalen Zusammenhängen ebenso zu finden wie in nationalen Kontexten und lokalen Problemlagen. Die beiden Opiumkriege der 1840er und 1850er Jahre [5], mit denen Großbritannien die Legalisierung des Opiums in China mit Waffengewalt erzwang, um das angeschlagene, jedoch noch immer einträgliche Geschäft mit diesem in Indien angebauten Stoff zu retten, stellten einen Ausgangspunkt für moralische Empörung und eine humanitäre und auch medizinisch inspirierte Rhetorik der Opium-Abolition in Europa und den USA dar. [6] Die Tatsache, dass die Briten am anderen Ende der Welt militärische Machtmittel einsetzten, um Profite aus „Rauschgift“ zu schlagen, weckte im entfernten Europa das Bewusstsein für die Universalität dieses Problems und mobilisierte Gegenkräfte, die sich nun mit moralischen, aber auch wirtschaftlichen Argumenten gegen diese imperialistische Politik zu wenden begannen. Damals entstand jene Problemsensibilisierung, die eine Anti-Opium-Stimmung provozierte, aus der sich anderthalb Jahrzehnte später eine organisierte Antiopiumbewegung formierte.

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Bereits 1840 hatte in England eine sogenannte Anti-Opium-Society Informationsbulletins gegen die britische Kolonialpolitik publiziert. 1874 wurde die Anglo-Oriental Society for the Suppression of the Opium Trade (SSOT) gegründet, eine Vereinigung, die sich bald zur wichtigen Pressure group zur Unterdrückung des Opiumkonsums auch in England selbst entwickeln sollte und die zunehmend durch die Politik der amerikanischen Regierung unterstützt wurde. Aus einem „Nicht-Problem“, das mit einem Nicht-Wissen einherging, entwickelte sich so um die Mitte des 19. Jahrhunderts eine politisch-gesellschaftliche „Frage“, die „Opiumfrage“. Wenn einmal eine solche „Frage“ in der Arena der öffentlichen Meinungsbildung angekommen war, nahm die Besorgnis über diesen Missstand im gleichen Maße zu wie das Wissen darüber.

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Der Weg zu einer rechtlichen Regulierung des ganzen Komplexes wurde somit durch den Imperialismus vorgespurt. Im Gravitationszentrum der Erschütterungen, die Opium in europäischen und amerikanischen Köpfen auslöste, befand sich China. Der ganze Ferne Osten wurde zur Drogenproblemzone und als entsprechend exotisch wurde das Phänomen wahrgenommen. Als 1909 eine Kommission die „Opiumfrage“ erstmals auf dem internationalen Parkett breit aufrollte, tagte sie in Shanghai. Federführend waren allerdings schon damals die USA, die unmittelbar im Anschluss an diese sogenannte Shanghaier Kommission mit der Vorbereitung einer ersten internationalen Opium-Konferenz begannen, die nun aber in Europa stattfinden sollte.

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Am 1. Dezember 1911 wurde diese unter dem Vorsitz von Bischof Charles Brent im Haag eröffnet. Die zwölf teilnehmenden Länder – eingeladen waren 14, aber Österreich-Ungarn und die Türkei hatten abgesagt – tagten bis zum 23. Januar 1912 und verabschiedeten als Resultat der Verhandlungen die Erste Internationale Opium-Konvention von 1912, das Grundlagendokument der modernen Prohibitionspolitik. Diese Haager Opium-Konvention stellte allerdings keine rechtlich verbindlichen Verhaltensregeln, Anweisungen und Maßnahmen auf; sie gab bloß Empfehlungen. Dennoch war ihre Wirkung viel weitergehender, als dies aufgrund der juristisch schwachen Konstruktion angenommen werden konnte, gab sie doch die Richtung vor, entlang der nun nach und nach in (fast) allen Ländern nationale Drogengesetze erlassen wurden. Das internationale Abkommen wurde durch eine steigende Zahl von Staaten ratifiziert und begann, eine Breitenwirkung zu entfalten.

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Die USA fungierten also – dies machte das Zustandekommen dieses ersten internationalen Opium-Abkommens deutlich – als spiritus rector bei der Genese des modernen War on drugs. Die Drogenprohibition kann jedoch nicht auf die Intentionen, Interessen und Präferenzen eines nationalen Akteurs zurückgeführt werden. Sie lässt sich nicht auf Strategien von mächtigen Staaten und „Moralunternehmern“ herrunterbrechen. Vielmehr gilt es, sie als entangled history zu verstehen, in der globale Austauschbeziehungen und eine ganze Reihe von Entwicklungen in der Gesellschaft, der Wirtschaft, der Wissenschaft und in den globalen Beziehungen zusammenwirkten. [7] Gegen Ende des 19. Jahrhunderts hatten sich offenbar politische Problemstellungen, mentale Dispositionen und massenmediale Ensembles aufgebaut, welche die öffentliche Resonanz für Verbotsargumente deutlich erhöht hatten. Es sind vor allem drei transnationale Entwicklungen, auf die hier hinzuweisen ist.

Diskriminierung von Minderheiten und Professionalisierung der Moral

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Erstens wurde die opiumfeindliche Haltung der USA von Anfang an in starkem Ausmaß durch rassische Gesichtspunkte und rassistische Motive bestimmt. [8] Die USA, ein Einwanderungsland par excellence, verstanden sich zwar als melting pot. Dennoch blieben ethnische Grenzziehungen virulent und einige von ihnen schlugen in offene Diskriminierung um. Nach 1850 begannen Chinesen in großer Zahl in die USA einzuwandern und viele von ihnen waren habituelle Tschandu-Raucher, wie die Pfeifen gebrauchenden Opiumkonsumenten genannt wurden. Die chinesischen Immigranten galten als äußerst leistungsfähige Arbeitskräfte, die in Bergwerken, in der Landwirtschaft, in Wäschereien und im Bau- und Transportsektor Beschäftigung fanden.

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Insbesondere nach der Fertigstellung der großen transkontinentalen Eisenbahnlinien sahen die weißen (das heißt die europäischen) Amerikaner in den opiumrauchenden „Kulis“, die sich – unter anderem gerade wegen dieser Sitte – auf dem Arbeitsmarkt erfolgreich behaupteten, eine unwillkommene Arbeitsmarktkonkurrenz. Mittels einer „anti-orientalischen“ Kampagne wurde diese Minderheit nun zunehmend über ihre Droge stigmatisiert und unterdrückt. 1875 erließ die Stadt San Francisco die erste Strafnorm gegen Drogenkonsum in der westlichen Welt, und zwar ausschließlich gegen das Rauchopium der Chinesen. In der Folge wurde systematisch eine sogenannte „gelbe Gefahr“ heraufbeschworen: Phantastische Schilderungen von Opiumhöhlen, die in den Ausschmückungen von Moralaposteln alsbald zu reinen Inkarnationen aller kleinbürgerlichen Ängste, zu Orten der Unsittlichkeit und des physisch-psychischen Zerfalls gerieten, machten die Runde. Chinesen galten alsbald als ebenso gefährlich wie das Opium, das sie rauchten, und die „Höhlen“, in denen sie dies taten.

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Unter diesen Umständen war der Gesetzgeber gefordert, der fortan zwischen der Unterdrückung des Opiums und der Diskriminierung der Chinesen oszillierte. Der Kongress wurde aktiv und beschloss 1887 ein Gesetz, das es den Chinesen, nicht aber den Amerikanern, untersagte, Opium zu importieren. 1889 richteten sich weitere Maßnahmen direkt gegen die Einwanderer: Der Chinese Exclusion Act schob der weiteren Einwanderung von ChinesInnen einen Riegel vor. 1890 stand dann wieder die Droge im Zentrum: Ein Gesetz behielt die Herstellung von Rauchopium exklusiv amerikanischen Staatsbürgern vor. 1909 schließlich wurde die Einfuhr von Rauchopium generell verboten. Es handelte sich hier um den ersten War on drugs, um einen amerikanischen Krieg gegen Opium und – da die Konnotation der Öffentlichkeit regelrecht eingehämmert wurde – gegen die in Amerika ansässigen Chinesen. [9]

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Im heutigen Jargon könnte man von einer symbolischen Statusdegradierung einer ethnischen Minderheit durch Stigmatisierung einer Identität stiftenden, alltagskulturellen Droge sprechen. Eine herausragende Rolle spielte hierbei jener Flügel der amerikanischen Gewerkschaftsorganisationen, der sich voll auf die rassistische Rhetorik weißer Überlegenheit eingelassen hatte. Samuel Gompers (1850-1924), konservativer amerikanischer Gewerkschaftsführer, Kämpfer gegen sozialistische und anarchistische Strömungen innerhalb der Arbeiterbewegung und Mitbegründer der American Federation of Labor (AFL), deren Präsident er zwischen 1886 und 1924 war, machte den Schutz der teuren weißen gegen die billigen farbigen Arbeitskräfte zur gewerkschaftlichen Hauptforderung.

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1902 veröffentlichte Gompers zusammen mit einem Co-Autor ein Pamphlet mit dem Titel: „Einige Gründe für die Fernhaltung der Chinesen: Fleisch oder Reis, amerikanische Männlichkeit oder asiatisches Kulitum, was soll überleben?“ Unter anderem ließ er verlauten: „Die überlegenen Weißen waren gezwungen, die minderwertigen Asiaten durch Gesetz oder, falls notwendig, durch Waffengewalt fernzuhalten (…). Die gelbe Rasse neigt von Natur aus zu Lüge, Betrug und Mord, und 99 von 100 Chinesen sind Glücksspieler“. Solche Haltungen können plausibel machen, weshalb die Unterdrückung des Opiums nicht beim Opiat Morphium, sondern bei der schonendsten Konsumform, beim Rauchopium einsetzte. Diese Geschichte aus den USA ist exemplarisch. Auch in andern Ländern gab es Bestrebungen, kulturelle Minderheiten über ihren Drogengebrauch zu definieren und sie mit einer Verbotspolitik zu bedrängen.

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Zweitens zeichnete sich gegen Ende des 19. Jahrhunderts eine epochale Machtverschiebung ab. Mit ihrem Aufstieg zur neuen Hegemonialmacht im Pazifik, die 1898 mit dem Krieg gegen Spanien und der Eroberung der Philippinen einsetzte, erhielt der „symbolische Kreuzzug“ gegen das Opium erstmals eine globale Machtbasis. Dass nun die „Opiumfrage“, welche das britische Empire unter Zugzwang setzte, auf die Tagesordnung der internationalen Politik gesetzt wurde, resultierte auch aus der im ausgehenden 19. Jahrhundert sich verallgemeinernden Tendenz zu grenzüberschreitender Kooperation. Diese wurde angeregt durch neue weltumspannende Transport- und Kommunikationssysteme (Telegraphen- und Eisenbahnnetz, Hochseeschifffahrt). Und sie wurde nötig aufgrund der Vertiefung der internationalen Arbeitsteilung und einer zunehmenden Weltmarktverflechtung.

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Derselbe Industrialisierungsschub, der über den Rüstungswettlauf die imperialistischen Rivalitäten zwischen den europäischen Großmächten steigerte und das internationale Spannungspotenzial erhöhte, setzte auch Impulse für eine transnationale Zusammenarbeit und eine assoziative Außenpolitik frei. Dabei war die Zunahme von internationalen Konferenzen, die sich „nichtpolitischer Fragen“ annahmen, charakteristisch. In deren Zentrum stand neben den technisch-infrastrukturellen Problemen und Standardisierungspostulaten vor allem der Schutz der Bevölkerung gegen einen befürchteten Sittenverfall. Neue technische Experten, professionelle Spezialisten und sachkundige Repräsentanten privater humanitärer Organisationen traten auf dem außenpolitischen Parkett auf und drängten die universaldilettantischen Diplomaten von altem Schrot und Korn in die Defensive. Die mit der „Opiumfrage“ befassten internationalen Konferenzen wären ohne diesen Trend zur „Versachlichung“ und ohne die Professionalisierung des Verhandlungsstils kaum zustande gekommen.

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Die machtpolitischen Motive blieben jedoch weiterhin wirksam. So konstatierte zum Beispiel Albert Wissler in seiner 1931 veröffentlichten Basler Dissertation, „wie sehr die amerikanische Haltung in der Opiumfrage zusammenstimmt mit den weltwirtschaftlichen Interessen des Landes“. „Wie die christlichen Missionare bisher dem europäischen Kolonialimperialismus willkommene Vorarbeit geleistet haben, missioniert nun die amerikanische Moral – ebenso gutgläubig wie jene – für den amerikanischen Finanz- und Wirtschaftsimperialismus“, schrieb Wissler weiter und sah im „Missionsfanatismus der Amerikaner in der Opiumfrage“ eine „unschätzbare Waffe der amerikanischen Pazifikpolitik, der der alte europäische Kolonisator im Osten nichts Gleichwertiges entgegenzustellen hat.“ [10] Die moralisch sauberen Amerikaner im Kampf gegen die schmutzige Machtpolitik der alten, korrupten Kolonialmächte: Das war die Formel der neuen Prohibitionspolitik. [11]

Akzeptanz des Drogenkonsums und gesellschaftliche Anerkennung

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Um die gesellschaftliche Neubewertung der „Drogen“ und die Ausweitung der Problemperzeption auf neue Stoffe, insbesondere auf Morphium, Heroin und Kokain zu erklären, ist es drittens nötig, die Veränderungen der Konsumentenstruktur und der Konsummuster zu analysieren. Die moderne Drogengesetzgebung war, wie gezeigt, mit einer Diffamierung „fremder Sitten“, mit der Ausgrenzung und Stigmatisierung von Minderheiten verbunden. In den USA richtete sich die Drogengesetzgebung bis ins 20. Jahrhundert hinein ausschließlich gegen Chinesen und ihre Droge „Rauchopium“.

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Die Konsumentinnen und Konsumenten des weit stärker wirkenden, industriell hergestellten Morphiums hingegen wurden kaum als Problemfälle angesehen und deshalb noch bis zum Ersten Weltkrieg kaum behelligt. Zwar gab es auch in diesem Konsumsegment „einfache Leute“, insbesondere Kriegsveteranen, die während des Sezessionskrieges von 1861-65 verwundet und aufgrund der medikamentösen Behandlung mit Morphium von diesem Stoff abhängig geworden waren (oder ihn einfach schätzen gelernt hatten). Hier ging die Respektabilität der Suchtursache – Verwundung im Krieg – zusammen mit der Konformität der Süchtigen, die keinesfalls aufzufallen beabsichtigten, sondern in ihrer großen Mehrheit ein „ganz normales Leben“ führten.

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Daneben wurde Morphium in Mittel- und Oberschichten, insbesondere auch in Ärztekreisen, gespritzt. Hierbei handelte es sich aber, wie die Untersuchung von Charles E. Terry und Mildred Pellens aus dem Jahre 1928 festhielt, um die „gebildetsten, anerkanntesten und nützlichsten Schichten der Gesellschaft“; in derselben Studie wurde die sogenannte „typische Konsumentin“ als eine „zarte Frau mit hellblauen Augen und flachsgelbem Haar“ geschildert. [12] Das war so ziemlich das Gegenbild zu den Chinesen; es gab also keine Anhaltspunkte, die ein Eingreifen im Milieu des Morphiumkonsums nötig gemacht hätten.

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Schon vor dem Ersten Weltkrieg ereignete sich aber in den amerikanischen Großstädten eine dramatische Veränderung des Drogengebrauchs. Nun bildeten sich drogenzentrierte Subkulturen von Jugendlichen heraus. Dieselben Stoffe, die bisher in diskreter und medikalisierter Form appliziert wurden, gingen nun plötzlich mit marginalen Milieus, mit gescheiterten Individuen, kurz mit Problemen aller Art eine Verbindung ein. Das veränderte ihre Bewertung fundamental. David T. Courtwright zeigt in seiner die Opiumabhängigkeit in den USA behandelnden Untersuchung „Dark Paradise“, [13] dass die Zahl der Süchtigen zwischen der Jahrhundertwende und den 1940er Jahren insgesamt abnahm. Trotzdem führte die Anstiegstendenz in einem problematischen Sozialsegment zu einem drastischen Imageverlust der Stoffe und ihrer Konsumenten. Courtwright weist darauf hin, dass die mit der Drogenverfolgung befassten Instanzen auch mit irreführenden und gefälschten Statistiken operierten, um ihre Horrorvisionen plausibel zu machen.

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Drogenkonsum wurde nun auch aus ärztlicher Sicht neu gedeutet. Wenn früher überhaupt eine Diagnose gestellt wurde, so lautete sie auf „moralische Schwäche“. Jetzt aber wurde das Problem verstärkt in Kategorien einer „mentalen Pathologie“ gefasst. Spätestens in den 1920er Jahren verfügte der durchschnittliche Doktor über die fixe Idee, bei Drogenkonsum handle es sich um ein psychopathisches Phänomen, die Betroffenen seien psychisch gespaltene, bewusstseinsgestörte, potenziell gefährliche Individuen, für die doch wohl eher Polizei und Justiz zuständig seien.

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Ein repressiver, diskriminierender Hardline-approach begann sich durchzusetzen. Als „kriminelle Süchtige“, aber auch als „Geisteskranke“, wurden Drogenkonsumenten zunehmend marginalisiert, stigmatisiert, verfolgt. Wer diese Tendenz kritisierte, wurde der Schönrednerei bezichtigt und alternative Konzepte hatten keine Chance mehr angesichts der alarmierenden Rhetorik der „Rauschgiftgefahr“. Internierung und Kriminalisierung ersetzten für ein Dreivierteljahrhundert, das heißt bis ins ausgehende 20. Jahrhundert hinein, die bisherige Strategie einer diskreten Medikalisierung der Abhängigkeit.

Ansätze einer Globalisierung der Drogenprohibition

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Es wird im langen Zeitverlauf deutlich, dass sich Drogenpolitik kaum mit dem Interpretationsmuster der Humanitarian reform deuten lässt, wie das die frühere Geschichtsschreibung zu tun versuchte. [14] Die Geschichte der rechtlichen Regulierung des Problems muss vielmehr mit globaler Machtpolitik, mit gesellschaftlicher Normalisierung, mit Medikalisierungs- und Verwissenschaftlichungsprozessen sowie mit medialen Strategien erklärt werden. Was 1912 im Haag beschlossen wurde, war ein noch wenig gefestigtes Rahmenwerk. 1913 und 1914 fanden zwei weitere internationale Opiumkonferenzen im Haag statt.

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Nach Abschluss der dritten Zusammenkunft im Dezember 1914 – die militärische Auseinandersetzung, die sich zum Ersten Weltkrieg ausdehnen sollte, hatte inzwischen begonnen – belief sich die Zahl der Staaten, die die Konvention unterzeichnet oder entsprechende verbindliche Erklärungen abgegeben hatten, auf 46. Das reichte aus, um das Abkommen endlich in Kraft zu setzen. Mit der Ratifikation, das heißt mit der Anpassung des innerstaatlichen Rechts an die völkerrechtlichen Normen, die mit dieser Sanktionierung durch die gesetzgebenden Körperschaften einzelner Länder überhaupt erst rechtsverbindlich und konkret anwendbar wurden, haperte es jedoch beträchtlich. Das sollte sich nach Kriegsende ändern. Das Haager Opiumabkommen wurde nämlich zum Bestandteil der Pariser Friedensverträge (darunter das „Versailler Abkommen“) von 1919/20 gemacht. Auf diese Weise wurde in allen Signatarmächten eine „automatische Ratifikation“ ausgelöst.

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In Folge war es der 1919 gegründete Völkerbund, der für die Narkotika zuständig war und der weitere Konferenzen zur Betäubungsmittel- oder – wie es nun verstärkt hieß – zur Rauschgiftproblematik organisierte. 1924/25 fand in Genf eine weitere internationale Konferenz statt, in deren Vorfeld heftige Konflikte zwischen den beteiligten Staaten ausgetragen wurden. Das Epizentrum der Drogenproblematik hatte sich nämlich inzwischen in die europäischen Industrieländer verlagert. Im Verlaufe des Ersten Weltkrieges waren die symbiotischen Beziehungen zwischen Krieg und Droge noch enger geworden, als sie das seit dem Krimkrieg (1853-1856) und dem amerikanischen Sezessionskrieg (1861-1865) ohnehin schon waren.

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Dabei spielten die zu Beginn des 19. Jahrhunderts entdeckten und fabrikmäßig produzierten Alkaloide – Morphium, sein Derivat Diacetylmorphin (Markenname „Heroin“) und Kokain – die Hauptrolle. Morphium ist bis heute eines der leistungsfähigsten, wenn nicht überhaupt das wirksamste Analgetikum; Kokain diente vielfach als Lokalanästhetikum, das heißt als Mittel zur lokalen Betäubung bei kleineren chirurgischen Eingriffen. Dass der Erste Weltkrieg den Bedarf an solchen Stoffen dermaßen stark steigern würde, war ursprünglich nicht abzusehen gewesen; es sollte ja ein kurzer Krieg werden – ähnlich dem deutsch-französischen Krieg (1870-1871).

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Die Hochrüstung durchkreuzte diesmal die Strategie der schnellen Entscheidung. Ab 1915 erstarrte die militärische Auseinandersetzung im Grabenkrieg. Es kam zu langanhaltenden, mörderischen „Materialschlachten“, die erstmals mittels Giftgas, Maschinengewehren, Tanks, Flugzeugen et cetera geführt wurden. Über 65 Millionen Soldaten standen im Einsatz; die Verlustbilanz lautete: etwa 10 Millionen Tote, über 20 Millionen Verwundete. Der Bedarf an Alkaloiden stieg unter solchen Umständen natürlich enorm an; die chemische Industrie, die eben erst den Einstieg in die Pharmaproduktion geschafft hatte, konnte europaweit mit Hochkonjunktur rechnen. Es ist nachvollziehbar, dass die entsprechenden Unternehmen nach 1918, nach dem Wegfallen eines Teils der kriegsbedingten Nachfrage, nach neuen Absatzmärkten suchten und diese zum Teil in Kolonialgebieten – etwa in China, aber auch in Nordafrika – fanden.

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Angesichts dieser Entwicklung lehnte es England ab, sich durch den Völkerbund an eine internationale Konferenz zitieren zu lassen, in der erneut und exklusiv das „alte“ koloniale Opiumproblem im Vordergrund gestanden hätte. London mobilisierte nun gegen die – wie sie von A. Wissler bezeichnet wurde – „mitteleuropäische Alkaloidindustrie“, das heißt vor allem gegen Deutschland und die Schweiz, aber auch andere Länder wie Frankreich, und wies darauf hin, dass mit der massenhaften Fabrikation von Alkaloiden ein neues Drogenproblem entstanden sei. So wurde denn beschlossen, zwei Konferenzen einzuberufen, von denen sich die eine mit der allmählichen Unterdrückung des Opiumgebrauchs im Fernen Osten und die andere mit der Beschränkung der Herstellung von Alkaloiden durch die Industrieländer befassen sollte. Aus dieser letzteren Konferenz resultierte das Genfer Abkommen, das in Folge durch eine große Anzahl von Ländern unterzeichnet und auch ratifiziert wurde.

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Dieses Genfer Abkommen bedeutete allerdings eine Lockerung der 1912 formulierten Zielsetzungen, den Konsum von Betäubungsmitteln über eine strikte internationale Reglementierung von Produktion und Handel zu erzielen. Von einer rigorosen Kontingentierungslösung wurde im Interesse der chemisch-pharmazeutischen Unternehmen abgesehen; die Konferenzteilnehmer einigten sich auf ein ziemlich unverbindliches Zertifizierungssystem, das viele Umgehungsmöglichkeiten sowie Verhandlungsspielräume offen ließ und die Produktion von Morphium, Heroin und Kokain in Gang hielt.

Psychoaktive Stoffe im Visier der Prohibitionisten

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In einem für den weiteren Gang der Drogendiskussion bedeutsamen Punkt verschärfte das Genfer Abkommen von 1925 allerdings die Prohibition: Cannabis, das 1912 zwar schon angesprochen, jedoch noch nicht explizit erwähnt wurde, geriet nun auf die Liste der inkriminierten Stoffe. [15] Daraufhin wurde vor allem diese Droge ins Visier der Prohibitionisten genommen. Auch hier profilierten sich die USA in einer Pionierrolle. Dies hing mit einer Kampagne gegen die Chicanos, die spanisch sprechende Bevölkerung des Südwestens der USA, die durch Einwanderer aus Mexiko Zuwachs erhielt, zusammen; es handelte sich hier um eine mit dem gegen die chinesischen Arbeitsimmigranten gerichteten Antiopiumfeldzug vergleichbare Tendenz zur Stigmatisierung einer ethnischen Minderheit, die sich ohne Probleme auch auf die Afroamerikaner ausweiten ließ. Erneut diente die Droge als Vehikel. Insbesondere in der Großen Depression der 1930er Jahre zog dieser Feldzug gegen Marihuana immer weitere Kreise; der Tonfall verschärfte sich, die Öffentlichkeit wurde über die Medien mit einer neuen, heimtückischen Bedrohung gigantischen Ausmaßes bekannt gemacht.

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1930 nahm das Bureau of Narcotics seinen Betrieb auf; dieses betrieb die Dramatisierung der Drogen durchaus auch im bürokratischen Eigeninteresse. Nachdem Franklin D. Roosevelt nach seinem Amtsantritt 1933 die Alkoholprohibition aufhob, wurde ein Teil der Alkoholfahnder auf Cannabis angesetzt. Harry J. Anslinger, herausragender Exponent des Abwehrkampfes gegen Marihuana, Commissioner im Bureau of Narcotics, bearbeitete die Medien nach Strich und Faden.

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Ein Beispiel: In einer von 56 Zeitungen nachgedruckten Meldung, die auf Materialien von Anslinger basierte, wurde unter dem Titel „Morde durch die Mörderdroge überfluten die USA“ verlautet: „Schockierende Gewaltverbrechen nehmen zu. Metzeleien, grausame Verstümmelungen, Verunstaltungen, kaltblütig durchgeführt, als würde ein hässliches Monstrum in unserem Lande umgehen. (…) Diejenigen, die süchtig nach Marihuana sind, verlieren nach einem anfänglichen Gefühl von Lustigkeit bald jegliche Hemmung. Sie werden zu bestialischen Dämonen, voll irrer Lust zu töten.“

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Marihuana als „Killerdroge“: Hier taucht der ganze Assoziationskomplex der mittelalterlichen Assassinen wieder auf, hier wurde eine lange Tradition der kulturellen Degradierung des Orients auf die Spitze getrieben und mit einer Vielzahl von modernen Klischees zu einem furchtbaren Feindbild amalgamiert. [16] Die Kampagne war aus der Sicht des Bureau of Narcotics ein Erfolg, kam doch 1937 der Marihuana Tax Act zustande, der Cannabiskonsumenten in ein System bürokratischer Kontrolle integrierte und zudem Steuereinnahmen brachte. Dieser Cannabisdiskurs wurde in der Folge auch in Europa aufgegriffen. Auch hier wurde Marihuana als gefährliches Phantom profiliert, das mit dem ursprünglichen Hanf kaum mehr etwas gemeinsam hatte; alte Bauern wollten nicht glauben, dass es sich bei dem, was sie sich in ihrer Jugend arglos-neugierig in die Pfeife gestopft hatten, um denselben Stoff gehandelt habe. [17]

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Anslinger ist auch der Erfinder der sogenannten Einstiegsdrogen-Theorie, nach der auf den Konsum von Cannabis zwangsläufig das Umsteigen auf noch stärkere Mittel, insbesondere Heroin, erfolgen soll. Im Sinne einer self-fulfilling prophecy ließ sich diese These in dem Maße bestätigen, in dem die Märkte für einzelne Stoffe durch ihre Illegalisierung auf Verbund geschaltet und damit durchlässiger werden konnten.

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Weitere, die Betäubungsmittel betreffende Abkommen wurden in den Jahren 1936, 1948 und 1953 abgeschlossen. Nach 1945 wurde die UNO mit dieser ganzen Materie betraut. Eine herausragende Bedeutung kam der UNO-Single Convention on Narcotic Drugs von 1961 zu. Dieses Vertragswerk ersetzte die Internationale Opiumkonvention von 1912 und die darauf aufbauenden Zusatzabkommen und steckte den rechtlichen Rahmen auch für die heutige Drogendiskussion ab. Von den gesellschaftlichen Problemlagen her war dieses Einheitsabkommen allerdings rasch überholt. Der Kulturkampf um Drogen, der schon seit 1964 entbrannte, um dann ein wichtiger Aspekt der Rebellion der 1968er Bewegung zu werden, veränderte den Umgang mit psychoaktiven Stoffen fundamental und machte ihn zu einem wichtigen Element der Konfrontation zwischen Gegenkultur und Establishment.

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Drogen wurden von der aufbegehrenden oder aussteigenden Jugend als Vehikel für Entspannung, neue Erfahrungen und psychedelische Trips verwendet. 1971 wurde das Einheitsabkommen auf psychotrope Substanzen wie LSD (das in den USA schon Mitte der 1960er Jahre verboten worden war) und Ecstasy erweitert. Bereits 1972 musste das Abkommen angesichts einer gefühlten „Drogenwelle“ und des Auftauchens von Designer-Drogen erneut verschärft werden. [18]

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Diese Repressionspolitik schuf indessen einen goldenen Boden für das Geschäft auf dem Schwarzmarkt. Die Umsätze im Drogenhandel stiegen astronomisch an und die fehlende Regulierung im Finanzsektor führte zu immer dreisteren Verfahren der Geldwäscherei. Seit Mitte der 1980er Jahre richtete die UNO ihr Augenmerk denn auch stärker auf die Phänomene der organisierten Kriminalität und des illegalen Handels. Das sogenannte Wiener Abkommen von 1988 wollte rechtliche Instrumente, mit denen der Handel und die Finanzierung von Drogen weltweit bekämpft werden konnten, auf globaler Ebene harmonisieren und effizienter machen. Mit dieser Regulierung wurde allerdings gleichzeitig der Spielraum für Reformen weiter beschnitten. Im ausgehenden 20. Jahrhundert stellte die Ratifizierung dieses Abkommens, das 1990 in Kraft trat, einen Schwerpunkt der internationalen Drogenpolitik dar. Ein weiterer bestand in Versuchen, mit der Zerstörung von Anbauflächen und politischen Maßnahmen in Herstellerländern die Angebotsquellen versiegen zu lassen. Global betrachtet erwiesen sich beide Anstrengungen zur „Lösung des Drogenproblems“ trotz spektakulärer Teilerfolge schon mittelfristig als wirkungslos.

Pole der Macht und steile Hierarchien auf Schwarzmärkten

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Repression ist eine Form sozialer Produktion. Das Verbotsregime, das auf Unterdrückung von Stoffen setzt und um dessen Legitimität und Praktikabilität bis heute gestritten wird, hat ein Drogenproblem mit spezifischen Konturen hervorgebracht, das vor allem in den 1980er und 1990er Jahren die mediale Berichterstattung in Atem hielt. [19] Im Verlauf des 20. Jahrhunderts und insbesondere seit den 1960er Jahren wurden die „Rauschgifte“, wie sie über die internationalen und nationalen Betäubungsmittelgesetze und weitere Abkommen definiert werden, zu den lukrativsten Handelsartikeln der Welt und die entsprechenden Märkte – vor allem für Heroin und Kokain, aber auch für Cannabis und eine steigende Zahl von sogenannter Designerdrogen – setzen Hunderte Milliarden Dollar um.

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Akteure, die ihr Geschäftsgebaren weder an moralischen Grundsätzen noch an Rechtsnormen orientieren und sich um ethische und rechtliche Spielregeln menschlichen Zusammenlebens nicht weiter scheren, verspüren eine starke Neigung, sich in dieser florierenden Branche bemerkbar zu machen. Und wer darüber hinaus bereit ist, sich auf Risikokapital zu spezialisieren und hohe Verlustrisiken in Kauf zu nehmen, wird im Drogenhandel auch Erfolg haben – zumindest eine Zeit lang. Die in dieser Sparte entstandenen Unternehmen und Kartelle sind mit modernster Logistik ausgestattet. Sie verfügen über effiziente Gewaltabteilungen, die sie gegenüber den Wechselfällen der Politik wappnen und die es ihnen erleichtern, mit Rückschlägen umzugehen.

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Sie wenden ein großes Repertoire von üblichen, unüblichen, unorthodoxen – man könnte auch sagen innovativen und kreativen – Geschäftsmethoden an und diversifizieren, transformieren und minimieren Risiken, so dass am Schluss die Kasse klingelt. Flugzeuge, U-Boote und Ballons gehören ebenso zum Transportarsenal wie die für die Beteiligten prekäre Beförderung von Drogen im Magen-Darmtrakt. Zur Abwicklung der Operationen stehen diesen Drogenhändlern auch heute internationale Finanzplätze zur Verfügung. Über „Waschmaschinen“ – jetzt gerade ist der Derivat- und der Kunsthandel stärker ins Gerede gekommen – wird Drogengeld gesäubert, anschließend in legale Kapitalkreisläufe eingespeist und dann in vergleichsweise sicheren Werten – in Immobilien, Aktienkapital, Rohstoffen, Wertpapieren aller Art – angelegt.

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An beiden Enden der kriminellen Kapitalbildung mittels Drogengeschäften befinden sich zwei ökonomisch und sozial schwache Pole: die Produzenten der Drogenrohstoffe und die Konsumenten. Der Löwenanteil der verbotenen Drogen wird in Ländern angebaut, die wirtschaftlich wenig entwickelt sind und die sich mit einem failed state-Problem herumschlagen. In einigen zunehmend verarmten less developed countries – immer wieder in die Schlagzeilen geraten Afghanistan und Kolumbien, die Ländergruppe umfasst allerdings mehr als die Hälfte der Erdbevölkerung – stellt die Kultivierung der Ausgangspflanzen für verbotene Drogen, also Mohn, Koka und Hanf, eine Überlebensstrategie für breite, weithin mittellose Bevölkerungsschichten dar. Die Mühsal, der die ländliche Familienökonomie weithin ausgesetzt ist, wird verstärkt durch Rechtlosigkeit, Klientelwirtschaft und durch eine Weltwirtschaft, die nach dem Matthäus-Prinzip („Wer hat, dem wird gegeben“) funktioniert und privilegierte Positionen verstärkt.

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Am Beispiel der Kokaproduktion wurde etwa gezeigt, wie die höchst gesundheitsschädigende Aufbereitung der Blätter einhergeht mit der Vernichtung großer Anbauflächen durch gefährliche Chemikalien, die mittels Flugzeugen und Helikoptern der Regierungen flächen deckend versprüht werden. [20] Solche Praktiken finden sich auch in Afghanistan, wo allerdings strategische Überlegungen und taktische Bündnisse auch die temporäre Toleranz des Opiumanbaus zur Folge haben können. Dies und die schwer bewaffnete Präsenz jener Agenturen der „organisierten Kriminalität“, die das Multimilliardengeschäft mit den Drogen kontrollieren, sorgten bisher dafür, dass Angriffe auf die Bauern als machtloses Bodenpersonal des hochfliegenden Geschäfts angebotsseitig wirkungslos blieben.

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Am andern Ende der langen Verwertungskette liegen die Hauptabsatzgebiete in den urbanen Agglomerationen wirtschaftlich entwickelter Länder. Auch wenn die Konsumpraktiken sich längst globalisiert und auf ländliche Gebiete ausgeweitet haben, sind doch die lukrativen Umsatzpole für verbotene Stoffe da zu finden, wo sich die ungleich verteilte internationale Kaufkraft konzentriert. Dank der Verknappungstendenz, welche der Prohibitionspolitik inhärent ist, profitieren die entsprechenden Geschäftssegmente durch eine staatliche Hochpreisgarantie, die zwar durch aggressive Angebotsausweitungen immer wieder unterminiert wird, jedoch längerfristig intakt bleibt. So häufen sich die sozialen Probleme, die sich aus der brutalen Logik des Schwarzmarktes ergeben, bei den Konsumentinnen und Konsumenten an, die immer auch in den Kleinhandel involviert sind. Seit den 1980er Jahren haben sich in Metropolen von Konsumgesellschaften verschiedene Probleme verdichtet: Arbeitslosigkeit, Wohnungsnot, neue Armut. Parallel zum Abbau von Sozialversicherungssystemen nahm die soziale Ausgrenzungstendenz zu.

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Dass in dieser Zeit die sogenannten „Drogenszenen“ entstanden, in denen Krankheit, Gewalt und Geld syndromartig amalgamierten, hing allerdings nicht direkt mit dem seit Mitte der 1980er Jahre ansteigenden sozialen Druck und auch nicht eindimensional mit der damals auftauchenden AIDS-Epidemie zusammen, sondern war primär das Resultat politischer Entscheidungen. Staat und Gesellschaft nahmen die sozialen Probleme zunehmend als politische Herausforderungen wahr. Das „Drogenproblem“ wurde zu einem kulturellen Code, über den eine politische Verständigung gesucht wurde. Den Drogenszenen und den Jugendlichen, die sie bevölkerten, kam ein hoher negativer Symbolwert zu. Diese marginalisierten Menschen gaben einprägsame Negativikonen der Massenmedien ab und standen als traurige Sinnbilder verunglückten Lebens im medialen Rampenlicht. Sie lieferten den Stoff für Elendsreportagen, die millionenfach über die Mattscheiben flimmerten. Drogen und das, was sie in diesem politischen Regime der Stigmatisierung bewirkten, erfüllten damit eine meist unausgesprochene gesellschaftliche Funktion, indem sie der moralischen Mehrheit in drastischer Weise zeigten, wohin es führt, wenn vom Pfad der Tugend abgewichen wird.

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Komplementär zum raschen Reichwerden und glamourösen Erfolg, für den die Yuppies der 1980er Jahre standen, wurde das mörderische Beispiel des totalen Versagens im Drogenelend profiliert. Die offenen Drogenszenen können als mediale Konstrukte verstanden werden, welche die Normalität, die Konformität und die Leistungsbereitschaft stützten. Es kam ihnen (bezogen auf die Gesellschaft) eine integrative und (bezogen auf die Wirtschaft) eine produktivitätssteigernde Wirkung zu.

Chronik eines angekündigten Scheiterns – und Reformansätze

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Dass die Dramatisierung des „Drogenproblems“ über die „offenen Szenen“ kontrafaktisch operierte, zeigen Schätzungen, die nachweisen, dass ein großer Teil der verbotenen „Betäubungsmittel“ – insbesondere Kokain, aber auch Hanf – als Leistungs- und Partydrogen fungieren. Sie werden nicht von sozial verwahrlosten Menschen am Rande der Gesellschaft, sondern von verhaltensunauffälligen, zum Teil sehr hart arbeitenden, pflichtbewussten und kaufkräftigen Erwerbstätigen konsumiert. Aus den genannten Gründen waren es allerdings die Drogenszenen, die als Verdichtungsräume für persönliche und soziale Probleme in den Brennpunkt der öffentlichen Aufmerksamkeit gerieten. Da diese Szenen per definitionem illegal sind, werden sie durch kriminelle Netzwerke beherrscht und von der anderen Seite durch die Polizei, welche die Kriminalität bekämpft, bedrängt. Die Versuche, die Versorgung der Schwarzmärkte mit den inkriminierten Stoffen auszutrocknen, haben in groteskem Ausmaß zu deren Überschwemmung mit immer neuen Angeboten geführt.

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Repressionspolitik und Kriegslogik haben sich, wenn eine Jahrhundertbilanz gezogen wird, von niederschmetternder Wirkungslosigkeit und Kontraproduktivität erwiesen. Sie dienten der Politik zur Selbstinszenierung, sie schufen mächtige bürokratische Apparate, die ihre Legitimation aus einem Kampf gegen ein gesellschaftliches Übel bezogen und deren Arbeit nie einer Effizienz- und Qualitätskontrolle unterzogen wurde, so dass sie ihr offensichtliches Versagen in einen Beweis ihrer Unverzichtbarkeit umbiegen konnten. Dies nach der verqueren Logik: je größer das Problem, das aus einer repressiven Drogenprohibition resultierte, desto unverzichtbarer die Instanzen, welche diese Repression organisieren. Obwohl im vergangenen Jahrzehnt einige geistige Lockerungsübungen und eine gewisse Entideologisierung des „Drogenproblems“ zu erkennen sind, ist doch ein abrupter Systemwechsel nicht zu erwarten. [21]

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Dennoch zeichnen sich Veränderungen ab. Auf internationaler Ebene wird man sich innerhalb der UNO immer stärker bewusst, dass der „Krieg gegen die Drogen“ angesichts eines prosperierenden Angebots illegaler Drogen an Boden verliert. Seit März 2009 wird im Rahmen einer weiteren Wiener Konferenz an einem neuen Konzept für den Kampf gegen den Drogenmissbrauch gearbeitet. Der bolivianische Präsident Evo Morales, der sich für eine Streichung der Koka-Blätter von der Liste verbotener Substanzen einsetzt, kaute während seiner Rede demonstrativ eben solche. Damit setzte er sich nicht nur für die Rechte der Koka-Bauern ein, sondern unterstrich auch symbolisch den Anspruch anderer Kontinente, ihre Sichtweise in einer während des ganzen 20. Jahrhunderts eurozentrischen und US-dominierten Diskussion zur Geltung zu bringen. [22]

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Die Europäische Union spricht diese Problematik in ihrem zum selben Zeitpunkt veröffentlichten Bericht ebenfalls an. Der Bericht diagnostiziert eine Sackgasse der internationalen Drogenpolitik und stellt fest, trotz leichter Verbesserungen in einigen reichen Ländern habe sich die Lage in ärmeren Staaten massiv verschlechtert. Auf nationaler Ebene ist in vielen Ländern eine Drogenpolitik nach dem Suchtmodell „more of the same“ in Rechtfertigungsschwierigkeiten geraten und zum Auslaufmodell geworden. Der Fall der Schweiz, wo seit 1994 eine sogenannte „Viersäulenpolitik“, die neben Repression auch auf Prävention, Therapie und Schadensminderung setzt, zeigt, wie der Verelendung von Drogenabhängigen aus den „offenen Drogenszenen“ erfolgreich entgegengewirkt werden kann. [23]

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Die aufschlussreichsten und dynamischsten Prozesse spielen sich heute ganz allgemein in der pragmatischen Reorientierung der Drogenpolitik ab. Hier werden Ansätze einer Substitutionstherapie im Zeichen von harm reduction erprobt. [24] Grundlegend ist dafür die Einsicht, dass das Drogenproblem weder eine zu lösende noch eine lösbare Aufgabe ist. Diesbezüglich muss der Staat – in einem liberalen Sinne – proaktiv und selbstbewusst resignieren. Er hat nämlich gar kein Recht, Menschen zu ihrem Glück zu zwingen. Noch weniger ist er befugt, sie aus lauter gutem Willen ins Unglück zu stürzen. Über Jahrzehnte hinweg wurden mit dem ideologisch aufgerüsteten Schlachtruf einer „Lösung des Drogenproblems“ drogenabhängige Menschen dem Schwarzmarkt und damit der Rechtlosigkeit ausgeliefert und in Konsumpraktiken hineingezwungen, die eine hohe Ansteckungsgefahr aufweisen und die für eine große Zahl mit Krankheit und Tod endeten. Zugleich stärkt die Drogenprohibition in vielen, vor allem in verarmten Ländern Kräfte, die auf die Zerstörung der Staatlichkeit hinarbeiten. Der obsessive Ordnungswille in reichen Ländern und die Destruktion rechtsstaatlicher Ordnung in armen Ländern geraten so in eine desaströse und asymmetrische Wechselwirkung, die das Nord-Süd-Gefälle verstärkt.

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Solche Vorgänge werden heute besser verstanden als noch vor einiger Zeit, als sie fast vollständig hinter der moralischen Nebelwand einer „drogenfreien Welt“ verschwanden. Obwohl dieser Slogan von jenen, die es nicht lassen können, hochgehalten wird und auch innerhalb der UNO immer wieder ertönt, könnte der Beginn des 21. Jahrhunderts dennoch den Übergang in eine neue Phase der Post-Prohibition markieren, in der sich die Drogenproblematik einerseits sozial diversifiziert und differenziert und andererseits entdramatisiert. Die Abkehr von einer einfältigen, manichäischen Problemstrukturierung könnte in einer positiven Feedbackschlaufe Drogen enttabuisieren, normalisieren und in die Konsumgesellschaft integrieren.

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Dies wiederum würde zweifellos politische Folgen haben. Die willkürliche Unterscheidung von legalen und illegalen Drogen würde einbrechen. Die medizinisch fassbaren Probleme, die auf Drogengebrauch zurückgehen, würden ebenso selbstverständlich in eine ärztliche Behandlungspraxis integriert wie jene, die mit Bergsteigen, Badeferien und Übergewicht zusammenhängen. Gleichzeitig würden die stark aufstrebenden Präventionsbemühungen, die in verschiedensten Bereichen der Gesellschaft festzustellen sind und sich längst nicht mehr auf die Unterdrückung gesundheitsschädlicher Praktiken beschränken, sondern auf ein Enhancement, das heißt eine präventionsmedizinische Steigerung der Lebensmöglichkeiten, abzielen, das Drogenproblem neu formatieren. [25] Polizeiliche Repression würde weithin in sozialen Anpassungsdruck transformiert, wie das heute beim Tabakrauchen festzustellen ist. Damit werden Problemlagen erkennbar, die deutlich machen, dass die Abkehr von der Drogenprohibition nicht in einen ursprünglichen „freien Zustand“ zurückführt.

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Die angedeutete Entwicklung birgt allerdings mehr Potenziale für einen selbstbestimmten Umgang mit Drogen als eine Politik, welche Drogenkonsumenten zu Sündenböcken erklärt und sie exemplarisch abstraft. Wer dies als Verlust an Lebensspannung wertet und an außerordentlichen Existenzentwürfen festhalten möchte, wer den Willen zu transzendentalem Erleben nicht aufgibt und weiterhin durch den Hunger nach Ergriffenheit getrieben wird, wer zudem den faszinierenden Drogenschreckgespenstern nachtrauert, die im 19. Jahrhundert die Poeten der Bohème und die Polizisten vom Dienst gleichermaßen beschworen haben, dem bleibt frei gestellt, sich mit Erfahrungsdrogen durch die „Pforten der Wahrnehmung“ aus der postheroischen Gesellschaft der Gegenwart in ungeahnte psychedelische Welten katapultieren zu lassen. Diese Freiheit konnte auch das Prohibitionsregime des 20. Jahrhunderts nie zunichte machen.

Autor:

Prof. Dr. Jakob Tanner
Universität Zürich
Historisches Seminar
Forschungsstelle für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte
Rämistrasse 64
CH – 8001 Zürich
jtanner@hist.uzh.ch


[1] Für einen Überblick vgl. Richard P. Davenport-Hines: The Pursuit of Oblivion. A Global History of Narcotics, New York 2002. Grundlegend sind auch: Thomas Hengartner / Christoph Maria Merki (Hg.): Genussmittel. Ein kulturgeschichtliches Handbuch, Frankfurt a.M. 1999; Sebastian Scheerer / Irmgard Vogt (Hg.): Drogen und Drogenpolitik. Ein Handbuch, Frankfurt a.M. / New York 1989; Gisela Völger unter Mitarbeit von Karin von Welck und Aldo Legnaro (Hg.): Rausch und Realität. Drogen im Kulturvergleich, 3 Bde, Köln 1985; Wolfgang Schivelbusch: Das Paradies, der Geschmack und die Vernunft. Eine Geschichte der Genussmittel, München / Wien 1980; zur aktuellen Entwicklung vgl. Günter Amendt: No drugs no future: Drogen im Zeitalter der Globalisierung, Hamburg / Wien 2003.

[2] Peter von Matt: Die tintenblauen Eidgenossen. Über die literarische und politische Schweiz, München / Wien 2001, 9-11. Der Autor hält diese Aussagen für transnational generalisierungsfähig.

[3] Jacques Derrida: Rhétorique de la drogue, in: L’esprit des drogues. Autrement. Série mutations. No. 106, April 1989, 197-214.

[4] Gregory Austin: Die europäische Drogenkrise des 16. und 17. Jahrhunderts, in: Gisela Völger u.a. (Hg.): Rausch und Realität, I, 1982, 115–133; Annerose Menninger: Genuss im kulturellen Wandel: Tabak, Kaffee, Tee und Schokolade in Europa (16.-19. Jahrhundert), 2. Aufl., Stuttgart 2008.

[5] Vgl. dazu unter anderen Arthur Waley: The Opium War Through Chinese Eyes, London 1958; Chang Hsin-Pao: Commissioner Lin and the Opium War, Cambridge 1964; Peter W. Fay: The Opium War, 1840-1842: Barbarians in the Celestial Empire in the Early Part of the Nineteenth Century and the War by Which They Forced Her Gates Ajar, Chapel Hill 1975; Chung Tan: China and the Brave New World: a Study of the Origins of the Opium War 1840-42, Durham, N.C. 1978; Keith McMahon: The Fall of the God of Money: Opium Smoking in Nineteenth-Century China, Lanham / Oxford 2002.

[6] Paul C. Winther: Anglo-European Science and the Rhetoric of Empire: Malaria, Opium, and British Rule in India, 1756-1895, Lanham 2003; David Anthony Bello: Opium and the Limits of Empire: Drug Prohibition in the Chinese interior, 1729-1850, Cambridge 2005; Yangwen Zheng: The Social Life of Opium in China, Cambridge 2005.

[7] Vgl. Alain Ehrenberg / Patrick Miignon (Hg.): Drogues, politique et société, Paris 1992; David T. Courtwright: Forces of Habit: Drugs and the Making of the Modern World, 3. Aufl., Cambridge 2001; Geoffrey Harding: Opiate Addiction, Morality and Medicine. From Moral Illness to Pathological Disease, New York 1988.

[8] Die Darstellung der beiden folgenden Abschnitte folgt stark der Publikation: Renée Renggli / Jakob Tanner: Das Drogenproblem. Geschichte, Erfahrungen, Therapiekonzepte, Berlin / Heidelberg / New York 1994, 92ff.

[9] Elmer C. Sandmeyer: The Anti-Chinese Movement in California, Urbana 1939; Roger Daniels: Asian America. Chinese and Japanese in the United States since 1850, Seattle / London 1988.

[10] Albert Wissler: Die Opiumfrage. Eine Studie zur weltwirtschaftlichen und weltpolitischen Lage der Gegenwart, Jena 1931, 154f.

[11] Zu diesem Aspekt, der auch für die Schweiz von Bedeutung war, vgl. Jakob Tanner: Rauschgiftgefahr und Revolutionstrauma. Drogenkonsum und Betäubungsmittelgesetzgebung in der Schweiz der 1920er Jahre, in: Sebastian Brändli u.a. (Hg.): Schweiz im Wandel. Studien zur neueren Gesellschaftsgeschichte, Basel 1990, 397-416.

[12] Charles E. Terry / Pellens Mildred: The Opium Problem, New York 1928.

[13] David T. Courtwright: Dark Paradise. Opiate Addiction in America before 1940, Cambridge, Massachusetts. 1982. Vgl. auch ders.: Addicts who survived. An oral history of narcotic use in America, 1923-1965, Knoxville, Tennessee 1989.

[14] Vgl. Louise Elisabeth Eisenlohr: International Narcotic Control, London / Wokin, 1934; Peter Lowes: The Genesis of International Narcotic Control, Genf 1966; Arnold H. Taylor: American Diplomacy and the Narcotic Traffic, 1900-1939: A Study in International Humanitarian Reform, Durham N.C. 1969; David F. Musto: The American Disease: Origins of Narcotic Control, New Haven 1973. Kritischer sind: Arnold S. Trebach / Kevin B. Zeese (Hg.): Drug Prohibition and the Conscience of Nations, Washington 1990. Einen alternativen Ansatz am Beispiel der Alkoholprohibition entwickelt Joseph R. Gusfield: Symbolic Crusade: Status Politics and the American Temperence Movement, Urbana 1963. Auf dieser Argumentationslinie siehe auch: Michael Woodiwiss: Crime, Crusades and Corruption: Prohibitions in the United States 1900-1987, London 1988.

[15] Zur Geschichte der Hanfprohibition vgl. Jack Herer: Die Wiederentdeckung der Nutzpflanze Hanf, Cannabis Marihuana, Frankfurt a.M. 1997 (mit einer Kurzstudie vom Katalyse-Institut für angewandte Umweltforschung e.V, hg. von Mathias Bröckers); Hans-Georg Behr: Von Hanf ist die Rede: Kultur und Politik einer Droge, Frankfurt a.M. 2000.

[16] Vgl. dazu etwa Rudolf Gelpke: Vom Rausch im Orient und Okzident, Stuttgart 1966.

[17] Auf die lange Tradition von Hanf als Heilmittel weist hin: Christian Rätsch: Hanf als Heilmittel. Eine ethnomedizinische Bestandsaufnahme, Solothurn / Wien 1992.

[18] Über diese rechtlichen Aspekte informiert (bis Ende der 1980er Jahre) Francis Caballero: Droit de la drogue, Paris 1989.

[19] Vgl. unter anderen Pino Arlacchi: Mafiose Ethik und der Geist des Kapitalismus. Die unternehmerische Mafia, Frankfurt a.M. 1989; Observatoire géopolitique des drogues (OGD): Der Welt-Drogen-Bericht: ein Jahresbericht, München 1993; Alain Labrousse / Alain Wallon (Hg.): Der Planet der Drogen. Analyse einer kriminellen Weltmacht, Frankfurt a.M. 1996; Loretta Napoleoni: Die Zuhälter der Globalisierung: über Oligarchen, Hedge Fonds, ’Ndrangheta’, Drogenkartelle und andere parasitäre Systeme, München 2008; aus globalpolitischer Perspektive: Surya Narayan Yadav: Terrorism, Drug-Trafficking and Organised Crime: Challenges for International Peace and Security, New Delhi 2009. Konsumenten und Kleinhändler behandelt Bernd Werse (Hg.): Drogenmärkte: Strukturen und Szenen des Kleinhandels, Frankfurt a.M. / New York 2008.

[20] Zorka Domic: L’Etat Cocaïne. Science et politique de la feuille à la poudre, Paris 1992.

[21] Vgl. die kritische und zugleich ernüchternde Analyse von Andreas Bummel: Eine Ideologie am Ende: Die globale Drogenprohibition (26.06.2004) http://www.heise.de/tp/r4/artikel/17/17708/1.html <8.11.2009>.

[22] Aufschlussreiche Informationen dazu bietet Manfred Kappeler: Drogen und Kolonialismus. Zur Ideologiegeschichte des Drogenkonsums, Frankfurt a.M. 1991.

[23] Für die neuere Entwicklung und die Perspektiven in der Schweiz vgl. Bundesamt für Gesundheit (Hg.): Die Drogenpolitik der Schweiz (MaPaDro III). Drittes Maßnahmenpaket des Bundes zur Verminderung der Drogenprobleme (MaPaDro III) 2006-2011 http://www.bag.admin.ch/shop/00035/00204/index.html?lang=de <8.11.2009>.

[24] Schon früh für eine pragmatische Orientierung der Drogenpolitik plädierte Stephan Quensel: Drogenelend. Cannabis, Heroin, Methadon: für eine neue Drogenpolitik, Frankfurt a.M. 1982; vgl. auch ders.: Mit Drogen leben – Erlaubtes und Verbotenes, Frankfurt a.M. 1985. Zur aktuellen Diskussion um die Substitutionspolitik vgl. Jakob Tanner: Drogen, Abhängigkeit und Substitution: historischer Rückblick und Überlegungen zur aktuellen Situation, in: Abhängigkeiten, 2007, 6-21.

[25] Sheila M. Rothman / David J. Rothman: The Pursuit of Perfection. The Promise and Perils of Medical Enhancement, New York 2003; Linda F. Hogle: Enhancement Technologies and the Body, in: Annual review of anthropology 34 (2005), 695-716.

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