Bonn/Rheinbach. Dass in vielen Gefängnissen nicht nur Handys und Alkohol, sondern auch Drogen unter den Gefangenen gehandelt werden, ist ein offenes Geheimnis. In der Justizvollzugsanstalt (JVA) Rheinbach sollen sich jetzt sogar zwei Beamte mit sechs Gefangenen und zwei externen Dealern zusammengetan haben, um den Handel mit Heroin und Cannabis professionell zu organisieren.

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Wie Oberstaatsanwalt Robin Faßbender am Mittwoch mitteilte, wurden die zehn Männer im Alter zwischen 27 und 52 Jahren jetzt wegen bandenmäßigen Drogenhandels sowie Bestechlichkeit und Bestechung im besonders schweren Fall angeklagt. Voraussichtlich müssen sie sich demnächst vor der 3. Großen Strafkammer des Bonner Landgerichts verantworten.

„Ein derartiger Fall ist im hiesigen Bereich noch nicht bekannt geworden“, so Faßbender zu der Dimension des Drogenhandels hinter Gittern. Bei 13 Taten, die in den Augen der Staatsanwaltschaft nachgewiesen werden können, sollen 635 Gramm Heroin und 800 Gramm Cannabis in das Gefängnis eingeschleust worden sein.

Der Verkauf der Drogen brachte anscheinend mehr als 100 000 Euro ein. Die Initiative soll im März 2008 von zwei Insassen der JVA ausgegangen sein: Offenbar wussten sie, dass ein 52 Jahre alter Bediensteter in finanziellen Schwierigkeiten steckte.

Der Vollzugsbeamte ließ sich schließlich laut Anklage auf den Plan der Männer ein: Von zwei Dealern bekam er die in Päckchen verpackten Drogen nach Hause in seinen Briefkasten geliefert, so der Oberstaatsanwalt. Anschließend soll er die Päckchen in die JVA geschleust haben.

Dort hatten die beteiligten Gefangenen, die allesamt mehrjährige Haftstrafen absitzen, anscheinend ein regelrechtes Handelsnetz aufgebaut: Neben den Drogen sollen auch eingeschleuste Waren wie Mobiltelefone und Sonnenbrillen an die Mithäftlinge verkauft worden sein.

Wenn Gefangene Bestellungen aufgaben, sollen sich die Bandenmitglieder bei einem mitangeklagten 36 Jahre alten Beamten – der Einblick in die Gefangenenkonten hatte – erst einmal über deren finanzielle Verhältnisse Klarheit verschafft haben.

Doch im November 2008 bekamen die Ermittler Wind von dem Treiben: Ein 43 Jahre alter Häftling, der an den Bestellungen und dem Verkauf der Drogen beteiligt gewesen sein soll, packte aus. Es folgten verdeckte Ermittlungen, bei denen vor allem etliche Handys überwacht wurden.

Im März 2009 schlugen die Fahnder der Ermittlungsgruppe „Briefkasten“ dann zu: Sie durchsuchten unter anderem bei dem 52-Jährigen und nahmen den Vollzugsbeamten in Untersuchungshaft. Nach fünf Monaten wurde er gegen Auflagen wieder auf freien Fuß gesetzt.

Dass erst jetzt Anklage erhoben wurde, lag laut Faßbender an den langwierigen Ermittlungen – insgesamt wurden Verfahren gegen mehr als 100 Personen eingeleitet – und der sich nur nach und nach entwickelnden Aussagebereitschaft der inzwischen teilgeständigen Angeklagten. Das Fall wird in Kürze am Bonner Landgericht verhandelt.

Artikel vom 10.03.2011 http://www.general-anzeiger-bonn.de/index.php?k=loka&itemid=10001&detailid=860047

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